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Bannwald Schnapsried
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Bannwald Schnapsried
Bannwald Schnapsried, Hinweistafel der Forstverwaltung
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Bild: Bannwald Schnapsried
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In Baden-Württemberg sind Bannwälder Totalreservate, in denen jegliche Nutzung per Rechtsverordnung untersagt ist.

Bannwald Schnapsried:
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Übersicht

Bannwald Schnapsried

 

Bannwald Schnapsried am Finsterbach - Urwald von morgen

 
Bild: Schnapsried, Finsterbachstraße, Rhein-Neckar-Kreis
Die Finsterbachstraße führt entlang des Bannwalds
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Die schmale Finsterbachstraße (K 4103) führt vom Neckarhäuserhof bis nach Haag durch den Kleinen Odenwald. Die von Hand gemeißelten Leitpfosten am Straßenrand stammen noch aus dem letzten Jahrhundert.

 
Bild: Bannwald Schnapsried, Schönbrunn,
Zusammenfluss von Eulenbächle und Finsterbächle
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Am Fuß des Sandelsberg auf 250 m üNN vereinigen sich Eulenbächle und Finsterbächle zum Finsterbach. Dieser mündet in den Neckar. Auf der rechten Seite des Bachs beginnt die geschützte Bannwaldfläche.

 
Bild: Bannwald Schnapsried
Bannwald Schnapsried, an vielen Stellen undurchdringbar
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Das sehenswerte Waldschutzgebiet Schnapsried* liegt im Sandstein-Odenwald südöstlich der Gemeinde Neckarhäuserhof (Rhein-Neckar-Kreis) in einer zum Neckar hin steil abfallenden Schlucht. Die 1970 zum Schutzwald und 1999 zum Bannwald erklärte Waldfläche verfügt derzeit über eine Größe von 98 ha und ist eingebettet im Naturpark Neckartal-Odenwald.

Die westlich ausgerichtete Hanglage des Schnapsrieds zeigt im wesentlichen drei Standortbereiche. Im Zentrum liegt die Talmulde, in der sich Bodenmaterial aus dem Hang angesammelt hat und auf diese Weise nährstoffreichere Böden entstehen konnten. Hier wachsen anspruchsvollere Pflanzenarten wie Goldnessel, Rasenschmiele, verschiedene Farne, Winkelseggen und Waldschwingel. Unter den Bäumen dominieren Bergahorn sowie Buchen. Auf dem sonnenexponierten Hang im Nordteil des Bannwaldes und dem Schattenhang im Südteil stehen Eichen, Hainbuchen und Rotbuchen, die aus Stockausschlägen der ehemaligen Mittelwaldwirtschaft (Hackwaldgesellschaft) hervorgegangen sind. Die hier anstehenden Böden sind nährstoffarm. Sie tragen eine Bodenvegetation aus Heidelbeere, Adlerfarn und Salbeigamander.

Ziel und Zweck der Unterschutzstellung ist die langfristig unbeeinflusste Entstehung der odenwaldtypischen Bergwaldgesellschaften. Darüberhinaus gilt es die vorort lebenden Tier- und Pflanzenarten zu sichern sowie unter wissenschaftlicher Beobachtung deren Ausbreitung zu dokumentieren. Von besonderem Interesse sind u.a. die Beobachtungen der Konkurrenz von Eiche und Buche sowie das Behauptungsvermögen von Kiefer, Lärche, Fichte und Douglasie im Laubbaumbestand. Aufgrund der bereits seit über 40 Jahren bestehenden Unterschutzstellung haben sich hier wertvolle, naturnahe Lebensräume entwickelt.

Bannwälder besitzen hohe Bedeutung als Refugien für Arten die ortstreu leben und in der Regel ausbreitungsschwach sind. Holzbewohnende Käfer sowie Feuersalamander beispielsweise sind im Wald besonders auf Mikrohabitate, die auf natürliche Weise entstanden sind, angewiesen. Auch Baumhöhlen besitzen eine Schlüsselposition für eine Vielzahl von Lebewesen. Höhlenbrütende Vogelarten bieten sie eine trockene Unterkunft, Fledermäusen einen Schlaf- und Überwinterungsplatz, Insekten eine Nahrungs- und Entwicklungsquelle, selbst Pilze nutzen sie häufig als Eintrittspforte in das Bauminnere.

In geschlossenen Bannwäldern können nur in Auflichtungen Sonnenstrahlen und somit Wärme bis zum Boden vordringen. Dies gilt auch für Borkenkäfer- oder Windwurf-Flächen. Aus menschlicher Sichtweise werden diese oft als «Katastrophenflächen» bezeichnet. Für die biologische Vielfalt ist es jedoch genau anders herum. Über alle Artengruppen hinweg finden sich auf Lichtungen meist doppelt so viele Tier- wie Pflanzenarten als im Vergleich zu dicht bewachsenen Waldflächen.


* In Rinnen aus Holz und Erde, sog. »Riesen oder Riede«, ließ man früher gefällte Baumstämme zu Tal. Im Schnapsried führten mehrere Rinnen direkt in den Neckar am Neckarhäuserhof, wo das Holz anschließend weiter befördert werden konnte. Die Anfänge des Holzhandels am Neckar lassen sich in den Chroniken bis ins 14. Jh. zurückverfolgen.

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