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Stuttgarter Travertin
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Travertin-Steinbruch Stuttgart-Münster
Horizontal abgelagerte Travertinschichten in Stuttgart-Münster (Aufn. 2013)
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Bild: Stillgelegter Travertin-Steinbruch, Stuttgart-Münster
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Der Travertin liegt in Form mehrerer, verschieden großer und verschieden alter Komplexe vor, die als Sinterterrassen in diesem Abschnitt des Neckartals gebildet wurden und teilweise durch Lehmzwischenlagen untergliedert werden.

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Stuttgarter Travertin

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Aufgelassener Steinbruch der Firma Haas in Stuttgart-Münster

 
Bild: Travertin-Steinbruch Stuttgart-Münster
Stillgelegter Travertin-Steinbruch in Stuttgart-Münster (Aufn. Mai 2013)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Blick in den stillgelegten Travertin-Steinbruch der Firma Haas an der Bottroper Straße. Das anstehende Gestein entstand in den Warmzeiten (Interglazial) der letzten Eiszeitepoche durch abgelagerte Sinterkalke der Cannstatter Mineralquellen.

 
Bild: Travertin-Steinbruch Stuttgart-Münster
Travertinterrassen - zu Stein gewordenes Mineralwasser
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Die aufgeschlossenen Travertinterrassen bei Stuttgart-Münster besitzen eine Mächtigkeit von ca. 20 Meter. In den Klüften und Spalten leben Mauereidechsen.

 
Bild: Travertin Stuttgart-Münster
Travertinsäulen an der Stuttgarter Neckartalstraße
(© LUBW)

Die nach toskanischer Ordnung gestalteten Säulen mit Gesimsteilen wurden 1936 von der Stadt Berlin bei der Firma Lauster Steinbau in Stuttgart-Münster bestellt. Sie waren für das untere Geschoss eines Denkmals für Mussolini auf dem heutigen Theodor-Heuss-Platz in Berlin bestimmt. Inzwischen sind die Säulen durch Luftverschmutzung gezeichnet.

Die im Stuttgarter Nordosten anstehenden, auch als Cannstatter Travertin bekannten Sauerwasserkalke,  entstanden während der Warmzeiten (Interglazial) des Eiszeitalters (Pleistozän) sowie in der Nacheiszeit (Holozän) als Mineralwasserabsätze von Quellen, die dem Mittlerem und Oberem Muschelkalk entstammen. Der Travertin (verfestigter Kalksinter) liegt hier in Form mehrerer, verschieden großer und verschieden alter Komplexe vor, die als Sinterterrassen in diesem Abschnitt des Neckartals gebildet wurden.

Wo Wasser durch zerklüftetes Kalkgestein strömt, löst es Kalk in Form von Calciumhydrogencarbonat Ca(HCO3)2. Tritt es danach an einer Störungs- bzw Verwerfungslinie zutage, entweicht CO2 wodurch der pH-Wert ansteigt und gelöstes Calciumcarbonat ausgeschieden wird. Das Wachstum der Kalkablagerungen hängt ab von:

  • der gelösten Kalk-Konzentration im Wasser
  • dem CO2-Gehalt im Wasser
  • der Menge des fließenden Mineralwassers
  • der Temperatur und Luftfeuchte der jeweiligen Umgebung

Chemisch laufen folgende Reaktionen ab:

CaCO3 + H2O + CO2 <=> Ca2+ + 2 HCO3-

oder

CaCO3 + H2CO3 <=> Ca2+ + 2 HCO3-

Auf diese Weise sind in der Umgebung der heutigen Stadt Stuttgart mehrere Travertinvorkommen von beträchtlicher Ausdehnung entstanden. Sie befinden sich meist unterirdisch zwischen dem Rotebühlbau und dem Neuem Schloss, nördlich vom Hauptbahnhof, im unteren Schlosspark, bei Untertürkheim sowie in einer breiten Linie beiderseits des Neckars bei Bad Cannstatt.

In dem ca. 20 m tiefen Steinbruch der Firma Haas in Stuttgart-Münster wurde Travertin über viele Jahre (1916-1988) abgebaut. Als Naturwerkstein beliebt, fand der gelbe bis ockerfarbene Kalkstein als Verkleidung repräsentativer Gebäude häufig Verwendung. Beispiele dafür sind der Mittnachtbau (erb. 1928) sowie die Neue Staatsgalerie Stuttgart (erb. 1984), deren Außenfronten mit Travertin im Wechsel mit Schilfsandstein aus Eppingen verkleidet sind. Bekannt sind auch die 14 klassizistischen Säulen, die die Stadt Berlin 1936 für ein monumentales Bauwerk anfertigen, aber nie abholen ließ. Sie stehen heute an der Neckartalstraße (L 1100) beim Kraftwerk Münster.

Die Sauerwasserkalke sind bedeutende Fundstätten. So konnten 1964 und 1980/82 im Steinbruch Haas sowohl Spuren von Menschen (Steinwerkzeuge, Abfälle von Mahlzeiten) als auch Knochen von Waldelefanten (Elephas antiquus) und Wildpferden geborgen werden, die vor ca. 250.000 Jahren hier gelebt haben. Die heute stillgelegte Abbaustätte ist Bestandteil des Geologischen Lehrpfads und des Travertinparks von Bad Cannstatt und Münster (hier: Station 9). Infotafeln vorort informieren den Besucher über Entstehung und Geschichte. Auf dem Gelände sollte der Erhalt eines repräsentativen Wandprofils als geologisches Fenster berücksichtigt werden. Der Steinbruch wurde bereits 2002 durch die Landesanstalt für Umweltschutz Baden-Württemberg als schützenswertes Geotop vorgeschlagen.*


*) SCHÖTTLE, M. & G. BURGMEIER (2002): Geotope im Regierungsbezirk Stuttgart. – Reihe Bodenschutz der LfU Baden-Württemberg, 12, 348 S.; Karlsruhe.

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