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NSG Schmalegger und Rinkenburger Tobel
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Schmalegger und Rinkenburger Tobel
Wasserfall im Schmalegger Tobel (Kreis Ravensburg)
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Bild: Wasserfall im Schmalegger Tobel
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Im Schmalegger Tobel hat sich der Buttenmühlebach durch die quartären, eiszeitlichen Deckschichten bis 50 m tief in den tertiären Sockel eingeschnitten. Ein schmaler Horizont aus härterem Kalksandstein, innerhalb der zu weichem Sandstein verfestigten Zapfensanden der Oberen Süßwassermolasse (= Schichtfolge in der tertiären Molasse der Alpen und des Alpenvorlands) verursacht vorort einen 6 m hohen Wasserfall. Zwei Infotafeln am Wasserfall und am Bach bei der Buttenmühle erläutern dem Besucher die geologischen Zusammenhänge.

Der Schmalegger und Rinkenburger Tobel ist ein Schutzgebiet von europäischer Bedeutung. Die Kernzone des 229 ha großen Gebietes bildet der Bannwald.

NSG Schmalegger und Rinkenburger Tobel:
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Übersicht

NSG Schmalegger und Rinkenburger Tobel

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Naturschutzgebiet Schmalegger und Rinkenburger Tobel bei Ravensburg

 
Bild: Schmalegger Tobel, Kreis Ravensburg
Quellaustritt im Schmalegger Tobel (Kreis Ravensburg)
(© LUBW)

Schmalegger und Rinkenburger Tobel stellen ein bedeutendes Naturschutzgebiet für Oberschwaben dar. Das Bachbett des Buttenmühlebach hat sich hier schluchtartig eingetieft. Der vor Ort anstehende weiche Sandstein (Molasse) bildet stellenweise bis zu 5 m hohe Wände mit Hohlkehlen. Weitere Molassefelsen finden sich in der Adelegg, zwischen Stockach und Ravensburg sowie am Bodensee (z.B. der Aachtobel bei Überlingen).

 
Bild: Schmalegger Tobel, Buttenmühlebach, Kreis Ravensburg)
Schmalegger Tobel, Buttenmühlebach
(© LUBW)

Naturnaher Gewässerabschnitt des Buttenmühlebach im Naturschutzgebiet "Schmalegger und Rinkenburger Tobel".

 
Bild: Schmalegger und Rinkenburger Tobel, Infotafel
Infotafel der Forstverwaltung und des Regierungspräsidiums Tübingen
(© LUBW)

Die Infotafel der Forstverwaltung und des Regierungspräsidiums Tübingen erläutert dem Besucher die geschützten Flächen und das Wanderwegenetz.

Das Naturschutzgebiet Schmalegger und Rinkenburger Tobel im Oberschwäbischen Hügelland repräsentiert beispielhaft den besonderen Landschaftstypus des Tobelwaldes mit seinen naturnahen Schluchtwäldern und Fließgewässern. Das Schutzgebiet, das unmittelbar an den Ravensburger Ortsteil Schmalegg angrenzt, zeigt auf einer Fläche von 229 ha zahlreiche aufgeschlossene Formationen der im Voralpenland abgelagerten tertiären Süßwassermolasse *. Die einzigartige Tobellandschaft, die vor ca. 12.000 Jahren nach dem Ende der letzten Eiszeit (Würmeiszeit) entstand, genießt seit 1997 zweifachen Schutz:

  • als Bannwald (natürliche Waldentwicklung ohne menschliches Zutun auf 120 ha)
  • und Naturschutzgebiet (Schutz der Landschaft einschließlich Geomorphologie und Arteninventar)

Für die landwirtschaftlich genutzten Flächen an Schmuckerhof und Buttenmühle wurden im Rahmen der Unterschutzstellung Ausnahmen geschaffen (s. Fachliche Details).

Die feuchten Schluchtwälder und kühlen Tobelbäche bieten abwechslungsreiche Lebens‑ und Rückzugsräume für eine artenreiche Tier‑ und Pflanzenwelt. Hier brüten seltene Vögel wie die Wasseramsel und der Schwarzspecht. Auf den schattigen, meist unbefestigten Waldwegen begegnet man dem Kleinen Eisvogel, einer Schmetterlingsart, die gerne in kleinen Gruppen umherfliegt und sich an feuchten Stellen niederläßt, um dort zu saugen. Wo Kalk im Waldboden ansteht wächst der seltene, europaweit geschützte Frauenschuh (FFH-Art). Mischwälder aus Buchen, Fichten, Eschen und Erlen begleiten ein dichtes Netz naturnaher Fließgewässer (Buttenmühlebach, Glastobelbach, Wippenreuter Bach, Küblerbach). Hier lebt die Groppe, ein kleiner Fisch ohne Schwimmblase, und die Bachmuschel. Beide FFH-Arten stellen hohe Ansprüche an die Wasserqualität.

In der Kernzone des Schutzgebiets, dem Schmalegger Tobel, befindet sich ein eindrucksvoller Wasserfall. Etwa 6 m tief stürzt hier der Buttenmühlebach über eine harte Gesteinsbank aus grünlich-grauen Kalkmergeln in die Tiefe. Der Gesteinshorizont zeigt regional die Grenze zu den unterhalb des Wasserfalls anstehenden weichen Molassesanden an. In den gelblich gefärbten Sanden finden sich stellenweise verfestige Partikel, die zapfenartig aus dem Wandprofil herausragen (Zapfensande).

Seit 2005 zählt der Schmalegger und Rinkenburger Tobel zur Natura 2000-Gebietskulisse "Schussenbecken und Schmalegger Tobel (Gebietsnr.: 83233401).

Hinweise für Besucher: Der Beginn des Wanderwegenetzes ist beim Jägerhaus in Schmalegg neben der Sportanlage. Dort befindet sich auch ein Parkplatz. Eine Tafel der Forstverwaltung und des Regierungspräsidiums Tübingen informiert vorort über Sehenswürdigkeiten und Wegenetz.

Der Rundwanderweg „Tannsberg“ führt vom Jägerhaus bei Schmalegg zum Wasserfall und über die Buttenmühle und Wippenreute zurück zum Ausgangspunkt. Zwei Infotafeln sowohl am Wasserfall als auch am Buttenmühlebach erläutern die fortlaufende  „zurückschreitende Erosion“ der Molassefelsen. Die etwa 1, 5-stündige Wanderung erfordert gutes Schuhwerk. Vorsicht, zum Teil sind die Pfade steil und nach Regen sehr rutschig!

Der Rundweg „Rinkenburg“ erschließt den Bannwald und den Glastobel. Vom Jägerhaus führt der Weg zur Abzweigung zum Schmuckerhof. Dort wird auf einer Tafel die Geologie der Tobellandschaft um Schmalegg und das Phänomen der Hangrutschungen erklärt. Bei den heute noch erkennbaren Erdwällen der ehemaligen Rinkenburg führt ein Pfad durch den Bannwald - der Urwald von morgen. Auch dieser Rundweg dauert ca 1,5 Stunden und erfordert gutes Schuhwerk.
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*  Der Begriff Molasse wurde 1789 von Gregor de Razumowski für feinkörnige weiche Sandsteine im Alpenvorland angewandt, die an der Luft während der Trocknung aushärten. Wenn die Ausgangsgesteine Kalk enthalten, bilden sich in der Molasse härtere Mergelschichten, die der natürlichen Abtragung (Erosion) länger widerstehen können.

Übersicht:

1 Naturschutzgebiet Schmalegger und Rinkenburger Tobel bei Ravensburg