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Buntsandstein-Schwarzwald
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Buntsandstein-Schwarzwald
Blick vom Roßbühl nach Westen über das Renchtal zur Oberrheinebene bei Oberkirch
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Bild: TP_BGL2_58 Blick vom Roßbühl nach Westen über das Renchtal
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Das Bild ist von dem zum Grindenschwarzwald gehörenden Roßbühl (963 m NN) aufgenommen. Der zu sehende Nördliche Talschwarzwald wird weitgehend von Gesteinen des Grundgebirges aufgebaut. Am linken Bildrand ist jedoch die weit nach Westen ragende Buntsandsteinstufe von Edelmannskopf und Mooskopf (871 m NN) zu erkennen. Die Bodenverhältnisse sind dort weniger extrem als auf den höher gelegenen Grinden.

Buntsandstein-Schwarzwald:
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Buntsandstein-Schwarzwald

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Dunkle Wälder auf roten Böden

 
Bild: TP_BGL2_78 Grindenschwarzwald
Grindenschwarzwald
(© Autor: K. Rilling)

Zertalter Grindenschwarzwald zwischen oberem Murgtal und Schwarzwaldhochstraße westlich von Baiersbronn

 
Bild: TP_BGL2_79 Sandsteinblock des Mittleren Buntsandsteins
Buntsandsteinblock mit Quarzgeröllen
(© Autor: K. Rilling)

Sandsteinblock des Mittleren Buntsandsteins mit Quarzgeröllen an einem Hang des Kinzigtals bei Alpirsbach (Geröllsandstein-Subformation, früher: Hauptkonglomerat)

 
Bild: TP_BGL2_80 Mittlerer Buntsandstein, Bachbett der Kinzig
Mittlerer Buntsandstein im Bachbett des Oberlaufs der Kinzig bei Loßburg (Ldkr. Freudenstadt)
(© Autor: K. Rilling)

Die Gesteinsschichten des Buntsandsteins überdecken das kristalline Grundgebirge und bilden ein schwach nach Südosten geneigtes Flachrelief, das durch teils tief eingeschnittene Täler mehr oder weniger stark zerschnitten ist (Murg, Alb, Enz, Nagold). Das Buntsandsteingebiet des Nordschwarzwalds reicht im Norden bis in den Raum Ettlingen/Pforzheim und endet im Süden an den Oberläufen von Kinzig und Rench. Im Osten beginnt mit dem Einsetzen des Muschelkalks die Gäulandschaft. Im Westen werden die höchsten Erhebungen, die Grinden, vom Buntsandstein gebildet, während am Steilabfall zur Oberrheinebene Granite und Gneise des Grundgebirges anstehen. Entlang des Schwarzwald-Ostrands setzt sich der Buntsandstein in einem schmalen Streifen bis in den südlichsten Schwarzwald fort, wo er nur sehr geringmächtig ausgebildet ist. Auch im Westen, im Übergang zum Oberrhein, gibt es noch Buntsandsteingebiete, die als Randschollen beim Einbruch des Oberrheingrabens hängen geblieben sind. Hierzu gehören die Vorberge zwischen Emmendingen und Lahr sowie das Weitenauer Bergland nordöstlich von Lörrach.

Die überwiegend sandigen Sedimente wurden vor rund 250 Millionen Jahren von Flüssen mit sehr unregelmäßiger Wasserführung in wüstenartigem Klima abgelagert. Die auffallend rote Farbe der Gesteine ist auf Eisenoxide zurückzuführen, welche die Quarzkörner überziehen. Der Obere Buntsandstein besteht aus überwiegend plattigen Sandsteinen und Tonsteinen (Plattensandstein, Röttone). Darunter folgen im Mittleren und Unteren Buntsandstein dickbankige, partiell quarzkiesführende Sandsteine. Die Sandsteinbänke sind teils tonig gebunden und leicht verwitterbar. Teils sind sie verkieselt und hart. An vielen Stellen wurden sie als Bausteine abgebaut und prägen die alte Bausubstanz im Schwarzwald und in seinen Randgebieten. Die gefleckten Sandsteine der Tigersandstein-Formation an der Basis wurden früher dem Unteren Buntsandstein zugerechnet, gehören heute aber in die Zechstein-Zeit (spätes Perm). Die ebenfalls permzeitlichen Rotliegendsedimente (rote Sandsteine, Tonsteine, Konglomerate) werden auch noch zum sog. Deckgebirge im Schwarzwald gerechnet. Sie kamen nur lokal in ehemaligen Senken und Trögen zur Ablagerung und treten v. a. östlich von Baden-Baden, im Raum Schramberg und im Weitenauer Bergland in Erscheinung.

Kühlfeuchtes Klima und nährstoffarme, saure Sandböden sind der Grund für die ganz überwiegende forstliche Nutzung des Buntsandstein-Schwarzwalds. Der Nordschwarzwald weist mit rund 75% den höchsten Bewaldungsgrad aller Schwarzwaldteilgebiete auf. Abgesehen von Grünlandnutzung in den Tälern, werden nur die besseren Böden im Oberen Buntsandstein und die örtlich lössbeeinflussten Übergangsbereiche zu den Gäulandschaften bzw. zum Oberrheintal landwirtschaftlich genutzt.

Das Gebiet gehört zu den erst spät besiedelten Landschaften Baden-Württembergs und besitzt auch heutzutage eine sehr geringe Siedlungsdichte. Lange Zeit nahm man an, dass vor dem Hochmittelalter, als ausgehend von Klöstern wie Hirsau oder Alpirsbach der Schwarzwald allmählich mit Siedlungen erschlossen wurde, eine bisher unberührte Urwaldlandschaft vorhanden war. Neuere Forschungen zeigen aber, dass bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit der Mensch immer wieder in das Mittelgebirge eindrang. So sind z. B. durch montanarchäologische Untersuchungen in jüngster Zeit mehrere keltische Eisenverhüttungsanlagen bei Neuenbürg entdeckt worden. Auch später wurde an einzelnen Standorten im Nordschwarzwald Bergbau auf Eisen und Edelmetalle betrieben (Neuenbürg, Freudenstadt, Neubulach). Darüber hinaus wurde der Wald in den vergangenen Jahrhunderten auf vielfältige Weise genutzt. Kahlschläge für Flößerei, Glashütten und Köhlerei sowie Waldweide und Entnahme der Streu- und Krautschicht zum Einstreuen in den Ställen hatten oft negative Auswirkungen auf die Böden (Nährstoffentzug, Versauerung, Vermoorung). Die Folge dieser Nutzungsweisen war eine weitgehende Entwaldung bis zum Ende des 18. Jh. Erst die Aufforstungen nach Einführung der geregelten Forstwirtschaft im 19. Jh. führte zu den „schwarzwaldtypischen“ dunklen Wäldern mit einem Nadelholzanteil von rund 85 %, wie wir sie heute kennen.