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NSG Sotten
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NSG Sotten
NSG Sotten, Hinweise der Naturschutzverwaltung
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Bild: NSG Sotten, Hinweistafel
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NSG Sotten:
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Übersicht
 

Naturschutzgebiet Sotten bei Neckargemünd (Rhein-Neckar-Kreis)

 
Bild: NSG Sotten,Überblick
Naturschutzgebiet Sotten (Rhein-Neckar-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Rodungsinsel bei Neckargemünd im Sandstein-Odenwald. Im Hintergrund liegt die Anhöhe Epfenberg mit 354 müNN.

 
Bild: Naturschutzgebiet Sotten (Rhein-Neckar-Kreis)
NSG Sotten, Vorderer Eisweiher
(© LUBW, Autor: C. Antesberger)

Gestaute Wasserfläche mit Schnabelsegge und Rohrkolben.

 
Bild: Palmbräu
Ehemalige Filiale der Traditionsbrauerei Palmbräu, Neckarhäuserhof
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Stillgelegte Filiale der Traditionsbrauerei Palmbräu (Eppingen) in der Ortslage Neckarhäuserhof. Möglicherweise bezog das Brauhaus Hopfen und Stangeneis aus der naheliegenden Rodungsinsel, dem heutigen NSG Sotten.

 
Bild: Stangeneis
Lieferung von Stangeneis (Aufn. um 1930)
(© public domain)

In zahlreichen Haushalten wurde früher Stangeneis in einem Eisschrank, dem Vorläufer des Kühlschranks, zur Kühlung von Lebensmitteln und Getränken eingesetzt. Mit der flächendeckenden Einführung moderner Kühltechnik endeten Produktion und Vertrieb von Stangeneis.

"Sotten" - sicher ein ungewöhnlicher Name für ein Schutzgebiet. Was verbirgt sich dahinter? Der Wortstamm "sieden" oder auch "gesotten" lässt möglicherweise Rückschlüsse auf die Historie dieser Wiesenlandschaft inmitten der dichten Waldflächen zu.

Die wahrscheinlich im 18. Jh. durch Brandrodung entstandene Freifläche liegt auf der Gemarkung Neckargemünd nahe Mückenloch im Sandstein-Odenwald. Eingebettet zwischen den Anhöhen Hoherd und Epfenberg im Norden sowie dem Lautenberg im Süden findet sich die waldfreie Fläche auf 328 müNN. Die Rodungsinsel wird durch einen Quellbach durchflossen, der dem Augustenberg zuläuft und danach im Neckar mündet. Im Bereich der Wiesenflächen des NSG Sotten wird der Bach durch ein kleines Wehr eingestaut.

Die frühere ackerbauliche Nutzung auf der Fläche des heutigen Schutzgebiets, ist für das Ende des 19. Jahrhunderts belegt. Interessanterweise auch der Anbau von Hopfen (Humulus lupulus) über längere Zeit. Lief im 18. Jh. die Kultur von Hopfen in der Umgebung Heidelbergs noch auf niedrigem Niveau, so hat sie sich durch die Gründung zahlreicher Privatbrauereien im 19 Jh. stark ausgedehnt. Neue Anbauflächen für den Hopfen schuf man mittels umgebrochener Wiesen oder gerodetem Wald, so auch im Sotten. Eine Bierbrauerfamilie (möglicherweise der frühere Familienbetrieb der Traditionsbrauerei Palmbräu, F. Zorn) soll hier das Gelände entsprechend genutzt haben: Im Sommer mit dem Anbau von Hopfen, im Winter mit dem Verkauf von Eisblöcken (Stangeneis) aus dem angestauten Quellbach. Hopfen wird bekanntlich während der Bierherstellung bis zum Sieden erwärmt bzw. gesotten. Dies könnte ein Hinweis auf die Namensgebung des Gebiets sein, die möglicherweise auf die Bierbrauer zurückgeht.

Seit dem Flächenkauf und der Extensivierung durch das Land Baden-Württemberg im Jahr 1994, ist die Rodungsinsel heute ein naturnahes Wiesengelände inmitten nachhaltig bewirtschafteter Buchenwälder (staatl. Administrationswald). Artenreiche Glatthaferwiesen trockener und feuchter Ausprägung, gelegentlich unterbrochen von Brachen, umrahmen den Quellbereich und Oberlauf eines kleinen, namenlosen Baches. Ökologisch wertbestimmend sind sumpfige, staunasse Bereiche, Seggenrieder, Hochstaudenfluren und Feldgehölze. Vom ehemaligen Hopfenanbau finden sich keine Spuren mehr.

Innerhalb der umfangreichen Artenlisten mit 37 Brutvogelarten, die in den vergangenen Jahren von ortsansässigen Ornithologen angefertigt wurden finden sich typische Vertreter der Waldrandarten: Hier werden Zaunkönig, Heckenbraunelle, Mönchsgrasmücke, Singdrossel und Habicht genannt. Die Mehrzahl der beobachteten Vogelarten sind typische Waldvögel, genannt seien hier nur Schwarzspecht, Hohltaube, Sommer- und Wintergoldhähnchen, Kleiber, Wald-Baumläufer und Fichtenkreuzschnabel. Besondere Bedeutung hat die abgeschieden gelegene Talmulde als Rastplatz für Zugvögel (z.B. Watvögel). Die Vogelbeobachtungen obliegen dem NABU Neckargemünd. Dort wird alles dokumentiert.

Das NSG Sotten wurde 2004 in die FFH-Gebietskulisse Odenwald-Neckargemünd mit der Nummer 6619-341 aufgenommen.