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NSG Todtenbronnen
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NSG Todtenbronnen
Schutzgebietstafel am Totenbrunnenweg
(Element 1 von 30: Bild)
Bild: NSG Todtenbronnen, Infotafel
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NSG Todtenbronnen:
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Übersicht

NSG Todtenbronnen

 

Waldmoor Todtenbronnen bei Schönbrunn (Rhein-Neckar-Kreis)

 
Bild: NSG Todtenbronnen
Naturschutzgebiet Todtenbronnen (Rhein-Neckar-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Naturnahes Niedermoor und Quellgebiet im Sandstein-Odenwald südwestlich von Eberbach. Kernzone ist das Flachmoor mit seinem artenreichen Großseggensumpf, in dem sich Torfmoose ausbreiten. Unter dem dichten Sphagnumpolster ruht schichtweise anmooriger Boden mit zersetztem Torf. Der geologische Untergrund (Buntsandstein) beginnt hier in ca 130 cm Tiefe. In den Randzonen geht der Seggenrasen in Weiden-Faulbaumgebüsch über.

Bis in die 1950er Jahre wurde die waldfreie Fläche noch entwässert und als Streuwiese genutzt. Die Schutzgebietsausweisung erfolgte 1983 (Aufn. August 2012). Seither entwickelt sich die Fläche nahezu ungestört.

 
Bild: NSG Todtenbronnen, Naturdenkmal
Naturdenkmal Herman-Münz-Eiche
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Die landschaftsprägende Eiche am Rand des Schutzgebiets Todtenbronnen ist nach dem 1. Bürgermeister der Verbandsgemeinde Schönbrunn benannt. Das Alter des mächtigen Baumes ist nicht bekannt.

 
Bild: Naturschutzgebiet Todtenbronnen, Ruhebank
Ehemaliger Aussichtspunkt mit Ruhebank (Aufn. 2012)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Auf dieser Bank hat wohl schon lange niemand mehr gesessen.

Südwestlich von Eberbach, an der Kreisstraße 4105 zwischen Schönbrunn und Schwanheim, stößt man im Wald auf eine feuchte vermoorte Senke. Bedingt durch die Undurchlässigkeit der Röttone des Oberen Buntsandsteins, wird hier das Oberflächenwasser angestaut und anschließend durch den Talkessel abgeleitet. Zwei Bäche entspringen am Rand des Gebiets. Ihre Quellen, der Totenbrunnen im Süden und der Glasbrunnen im Norden, bestimmen im Wesentlichen die Verhältnisse vorort. Durch einen fehlgeleiteten Bombenabwurf im 2. Weltkrieg finden sich zudem mehrere kreisrunde Trichter, die ebenfalls wassergefüllt sind.

Die Niedermoorfläche im Zentrum des 1982 ausgewiesenen Schutzgebiets hat sich erst im letzten Jahrhundert entwickelt. Bis in die 1950er Jahre wurde die Fläche noch entwässert und als Streuwiese genutzt. Nach dem Ende der landwirtschaftlichen Nutzung versumpft das Gelände rasch. Das Niedermoor besteht heute aus einem torfmoosreichen Braunseggen-Sumpf mit Schmalblättrigem Wollgras, Wasserschlauch, Schnabelsegge und Sumpf-Veilchen. Im Übergang zu den Waldflächen geht der Seggenrasen stellenweise in ein Weiden-Faulbaumgebüsch über. Die Moosbedeckung am Waldboden ist z.T. flächendeckend. Typische Moose sind Sphagnum angustifolium, S. nemoreum sowie Polytrichum commune.

Eine Besonderheit ist das Vorkommen der Arnika (syn. Berg-Wohlverleih). Der Todtenbronnen ist vermutlich der letzte natürliche Standort im Odenwald. Am östlichen Zugang des Schutzgebiets steht die  landschaftsprägende Hermann-Münz-Eiche (Naturdenkmal). Sie ist nach dem 1. Bürgermeister  der Verbandsgemeinde Schönbrunn benannt. Das Alter des mächtigen Baumes ist nicht bekannt.

Die zoologische Schutzwürdigkeit gründet sich u. a. auf die Artenanzahl der Amphibien. Hier finden sich Bergmolch, Fadenmolch, Kammmolch, Feuersalamander, Grasfrosch und Erdkröte. In der feuchten Kernzone jagt die seltene Springspinne Sitticus floricula, die ihre Kokons in den Fruchtständen der Wollgräser ablegt. Die Mädesüßfluren sind die bevorzugten Futterpflanzen des Mädesüß-Perlmutterfalters. In den saumartigen Hochstauden und Gehölzen brüten Sumpfrohrsänger und Weidenmeise.

Im NSG Todtenbronnen ist einiges im argen: Die wertvolle Fläche wird durch die Kreisstraße 4105 getrennt und von einer Hochspannungsleitung durchzogen. Unter der Stromleitung wachsen Bäume und Gehölze, die regelmäßig zurückgeschnitten werden. Nach einer Vereinbarung des Regierungspräsidiums Karlsruhe mit der zuständigen Stromgesellschaft sind diese Arbeiten außerhalb der Vogelbrutsaison durchzuführen. Der nach der Unterschutzstellung für die Besucher angelegte Rundwanderweg ist nur noch schwer begehbar. Die an den sog. Aussichtspunkten installierten Ruhebänke sind morsch und zerfallen. Auch der Rastplatz an der Herman-Münz-Eiche ist zugewachsen und nur noch wenig einladend.