Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
NSG Reußenberg
Karte
Kartenlegende
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
NSG Reußenberg, Landkreis Schwäbisch Hall
Moorbirkenbruch an der Schwarzen Lache
(Element 1 von 45: Bild)
Bild: NSG Reußenberg, Ldkr. Schwäbisch Hall
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element
NSG Reußenberg:
Weitere Informationen
 
Übersicht
Vorherige Seite Nächste Seite
 

Naturschutzgebiet Reußenberg, Landschaft der Dolinen und Lachen

 
Bild: NSG Reußenberg, Ldkr. Schwäbisch Hall
Durch seitliche Einschwemmung toniger Sedimente entstehen wassergefülte Dolinen
(© LUBW, Autor: M. Schöttle)

Das Naturschutzgebiet Reußenberg fußt auf der geologischen Formation des Gipskeuper. Durch Subrosion der Grundgipsschichten entstanden hier zahlreiche Dolinen und Senken, die sich zumeist infolge Plombierung durch Einschwemmung toniger Sedimente mit Wasser füllten. Während manche dieser abflusslosen Teiche und Seen verlanden, entstehen vor allem im südlichen Bereich immer wieder neue Dolinen. Das NSG gilt als eindrucksvollstes Dolinengebiet des ostwürttembergischen Keupers.

Kartenansicht Google.Maps

 
Bild: NSG Reußenberg, Ldkr. Schwäbisch Hall
Blick auf den Unteren Reußenbergweiher
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Der wissenschaftliche Wert des NSG Reußenberg liegt in seinen besonderen geologischen Verhältnissen (Dolinenlandschaft) und in seiner außergewöhnlich artenreichen Pflanzenwelt.

 
Bild: Gipskeuper, Gipsgrube Reußenberg
Gipskeuper, Handstücke
(© M. Linnenbach)

Es herrscht Bewegung im Naturschutzgebiet Reußenberg*. Bereits außerhalb des Waldes fällt das unruhige Landschaftsrelief auf. Der Grund, - die anstehenden Gesteinslagen des Gispskeupers bei Crailsheim-Maulach (Landkreis Schwäbisch Hall) werden fortlaufend durch kohlensäurehaltiges Wasser angegriffen und mit der Zeit aufgelöst (Subrosion). Dadurch entstehenden unterirdische Hohlräume, die entweder allmählich oder auch abrupt einbrechen können und als Doline (Erdfall) zu Tage treten. Wenn dann noch mergelhaltiges, tonhaltiges Gestein in die Doline nachrutscht und diese abdichtet, entstehen nach Regenfällen Tümpel und Seen, die als sogenannte Lachen bezeichnet werden.

Sind die Lachen über längere Zeiträume existent, verlanden sie meist mit anschließender Moorbildung. Diese natürlichen Abläufe zeigen sich im NSG Reußenberg besonders im Bereich der Schwarzen Lache. Um das Gewässer, das laut einer Kartendarstellung bereits seit 1828 existiert, hat sich heute ein Moorbirken-Bruchwald mit kompakten Torfmooshügeln (sog. Bulte) angesiedelt. Bei den jüngeren Lachen, wie der Grünen Lache, im Jahre 1911 eingebrochen, und der noch jüngeren Neuen Lache, herrschen in den Uferzonen noch Großseggenriede aus Sumpf-, Schnabel- oder Steifer Segge vor. Die Wasserfläche der Grünen Lache ist den Sommer über von einem grünen Teppich aus Wasserlinsen (hier: Lemna minor) nahezu bedeckt (Namensgebung, s. Video). Im Gegensatz zu den größeren Dolinengewässern, sind die Grüne, Schwarze und Neue Lache weder mit Dämmen noch mit "Mönchen" versehen.

Zu den botanischen Kostbarkeiten des Gebiets zählt das seltene Sumpf-Blutauge, das im nördlichen Württemberg nur spärlich verbreitet ist. Ebenso bemerkenswert sind Sumpf-Haarstrang, Wasserschierling, Echter Wasserschlauch und das Moor-Labkraut in den feuchten Flächen und die Knollige Kratzdistel, der Runde Lauch sowie die Silberdistel auf den mageren Wiesen und Weiden am Rand des Schutzgebiets. Erfreulich ist die große Zahl an Elsbeeren.

In den zahlreichen Kleingewässern finden Amphibien wertvolle Lebensräume. Darunter auch Erdkröte, Laub- und Seefrosch. Mehrere Libellenarten, wie Großer Blaupfeil, Gemeine Smaragdlibelle, Großes Granatauge oder die Herbst-Mosaikjungfer, leben vorort. In den größeren Gewässern sind Döbel und Hecht zuhause. 1975 hat es vor Ort einen Wiederansiedelungsversuch der Europäischen Sumpfschildkröte gegeben (s. Fachliche Details, Literatur), der langfristig wohl nicht zum Erfolg geführt hat. 

Die Waldflächen waren bis vor kurzem überwiegend von Fichten geprägt. Schwarzerlen- und Moorbirken-Bruchwälder sowie Buchen-, Eichen-Hainbuchen- und Kiefernwälder gab es nur stellenweise. Stürme, Trockenheit und Borkenkäfer setzten den Fichten seit etwa zehn Jahren allerdings so stark zu, dass künftig das standortgerechtere Laubholz möglicherweise wieder die Oberhand gewinnt. Von den landwirtschaftlich genutzten Bereichen sind die blumenreichen Glatthafer- oder Kohldistelwiesen besonders wertvolle Lebensräume.

Hinweise für Besucher: Folgt man in Crailsheim-Maulach dem Schild „Reußenberg“, gelangt man in den Wald und stößt nach rund 150 Metern auf die beiden Stillgewässer Oberer und Unterer Reußenbergweiher. Wählt man hier den Weg nach Westen, liegen rechter Hand die Schwarze, die Grüne und die Neue Lache (s. Video). Folgt man diesem Waldweg weiter, gelangt man zu einem ehemaligen Gipssteinbruch an der Westgrenze des Naturschutzgebietes, der im Frühjar 2014 verfüllt wurde. Offensichtlich wird die Abbaustätte rekultiviert. Biegt man zuvor nach Süden ab, führt der Weg "Zum Häspeleholz" wieder nach Maulach zurück. Im gesamten Schutzgebiet sind Zelten und Lagern untersagt.


* In den naturkundlichen Schriften hat sich die Schreibweise "Reußenberg" eingebürgert. Der ortsüblichen Aussprache gerecht wird jedoch der auf Flurkarten und älteren topografischen Karten verwendete Name "Reisenberg".

 

Übersicht:

1 Naturschutzgebiet Reußenberg, Landschaft der Dolinen und Lachen