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NSG Schwanne-Wald
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NSG Schwanne-Wald
Der Schwanne-Wald bei Wagenschwend (Neckar-Odenwald-Kreis)
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Heidelbeeren, Heidekraut und Torfmoose besiedeln gemeinsam den Waldboden.

NSG Schwanne-Wald:
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Übersicht

NSG Schwanne-Wald

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Naturschutzgebiet Schwanne-Wald, Moor und Heide im Winterhauch

 
Bild: NSG Schwanne-Wald
Feuchte Mulde mit Moorbirken, Erlen und Binsen (Aufn. 2012)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)
 
Bild: NSG Schwanne-Wald, Heidelbeere, Flechte, Moos
Podsolige Bodenoberfläche mit Heidelbeere (Vaccinium myrtillus), Flechten und Moosen
(© LUBW, Autor: C. Antesberger)

Versauerte, stark verwittere Bodenoberfläche mit mit Heidelbeeren (Vaccinium myrtillus), Flechten und Moosen

 
Bild: Podsol aus Sandstein
Bodenprofil, Podsol aus Sandstein
(© LUBW)

Podsol entstanden aus Sandstein ist ein:

  • sandiger
  • meist steinreicher
  • flach- bis mittelgründiger
  • mäßig durchwurzelbarer
  • wenig Wasser speichernder
  • sehr gut durchlüfteter, aber nährstoffarmer Boden
  • Der Schwanne-Wald liegt auf der Winterhauch-Hochfläche (539 müNN.) ca. 1,5 km nördöstlich von Waldbrunn-Mülben. Das 1940 ausgewiesene Schutzgebiet im Sandstein-Odenwald zeichnet sich durch eine besondere, für den Odenwald untypische Vegetation aus. Neben den üblichen Pflanzengesellschaften der Steppenheide (z.B. Ginster-Heidekraut-Gesellschaft), finden sich auf den nährstoffarmen Böden (Podsol) des Schwanne-Walds Niedermoorflächen mit seltenen, teilweise supalpinen Pflanzenarten.

    Die Entstehung der Podsolböden in den Wäldern um Waldbrunn basiert auf kalk- und magnesiumarmen Ausgangsgesteinen (hier: Buntsandstein). Hohe Niederschläge, längere Frostperioden sowie die Anwesenheit podsolierender Pflanzen wie Heidekraut (Calluna vulgaris) und Wald-Kiefer (Pinus sylvestris) begünstigen dabei die Bodenbildung. Verstärkt wird diese Entwicklung durch Waldweide und intensive Streunutzung, die auf der Hochfläche seit dem 14. Jh. durch die WaldhufendörferWagenschwend (gegründet 1333 nach Brandrodung) und Mülben (gegr. 1405) intensiv betrieben wurde. Langfristige Folgen dieser Bewirtschaftungsform sind Erosion und Bodenverdichtung, beides einhergehend mit Auszehrung (Verlust an Humus) und Versauerung.

    Mit den grundlegenden Veränderungen der Nutztierhaltung (Stall- und Pferchhaltung) verliert die Waldweide im Odenwald gegen Ende des 19 Jh. immer mehr an Bedeutung. Nach der Nutzungsaufgabe entwickeln sich in den feuchten Mulden und Senken des Schwanne-Walds mehrere Niedermoorflächen mit Moorbirken, Erlen, Binsen und Torfmoosen, die sich im Laufe der Zeit ungestört ausdehnen. 1939 besucht Erich Oberdorfer* (1905-2002) erstmals das Gebiet. Seit 1937 arbeitet der bekannte Botaniker in Karlsruhe und erstellt als Mitarbeiter der Badischen Naturschutzstelle Gutachten und Beschreibungen über schutzwürdige Flächen des damaligen Landes Baden. In seiner Würdigung über den Schwanne-Wald vermerkt er die außergewöhlichen Standortverhältnisse als -"vegetationskundlichen Höhepunkt mit nordisch-atlantischer Prägung, wie es im Odenwald nur an wenigen Stellen zu finden ist". Nach Fertigstellung seines Gutachtens leitet E. Oberdorfer das Verfahren zur Unterschutzstellung ein, das noch Ende 1940 rechtlich in Kraft tritt (s. Fachliche Details).

    Ab den 1960er Jahren greift der Mensch in die Waldlandschaft um den Katzenbuckel intensiv ein und beginnt im Gewann Schwanne mit der Entwässerung der vermoorten Flächen. Die Hochfläche soll vollständig als Fichtenforst genutzt werden. Um diese, aus heutiger Sicht unsinnige Maßnahme zügig durchzusetzen, gibt es sogar Bestrebungen, die Schutzgebietsverordung für den Schwanne-Wald aufzuheben.

    Moor- und Heideflächen sind nahezu verschwunden, als sich Anfang der 1980er Jahre eine Initiative zur Rettung letzter schutzwürdiger Flächen gründet. In gemeinsamer Anstrengung von Naturschutzverwaltung, Forstamt Buchen und Gemeinde Limbach gelingt es, die noch verbliebenen ungestörten Areale in Gemeindebesitz zu überführen. Zu den ersten Naturschutz-Maßnahmen zählen die Schließung der Entwässerungsgräben sowie Entfernung des Baumjungwuchses. In den Folgejahren werden die Pflegemaßnahmen mehrfach wiederholt. Seit Anfang der 1990er Jahre sind erste Erfolge zu verzeichnen. Torfmoose breiten sich wieder aus und zwischenzeitlich verschollene Arten (z.B. Rundblättriger Sonnentau, Wald-Bärlapp) stellen sich wieder ein. Auch Natureignisse wie der Orkan Lothar am 26.12.1999 greifen in die Regenerationsvorgänge mit ein. Auf den Sturmwurfflächen des Schutzgebiets wachsen heute Heidekrautsträucher, Heidelbeeren, Farne und Pilze in goßer Vielfalt. Seit 2004 zählt der Schwanne-Wald zur FFH-Gebietskulisse Odenwald Neckargerach-Waldbrunn (Schutzgebiets-Nr.: 6520342).


    *) Waldhufendorf = ländliche Siedlung, die auf einer Rodungsfläche entstanden ist. Im Odenwald wurde früher gezielt brandgerodet um neuen Siedlungsraum zu schaffen.

    *) * Erich Oberdorfer (1905-2002) deutscher Botaniker aus Freiburg, spezialisiert auf Morphologie und Pflanzensoziologie. Träger des Verdienstordens des Landes Baden-Württemberg. Auf ihn geht die Erich-Oberdorfer-Stiftung zurück.Sie fördert wissenschaftliche Projekte von Biowissenschaftler/inne/n im Bereich Vegetationskunde und Vegetationsgeschichte, insbesondere Südwestdeutschlands

    Übersicht:

    1 Naturschutzgebiet Schwanne-Wald, Moor und Heide im Winterhauch