Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Landkreis Sigmaringen
Kreis Esslingen / Albtrauf Stuttgart Mannheim, Heidelberg und Rhein-Neckar-Kreis Kreis Waldshut Kreis Lörrach Kreis Breisgau-Hochschwarzwald, Freiburg Schwarzwald-Baar-Kreis Kreis Emmendingen Ortenaukreis Kreis Rottweil Kreis Tuttlingen Zollernalbkreis Kreis Freudenstadt Kreis Sigmaringen Kreis Konstanz Bodenseekreis Kreis Ravensburg Kreis Biberach Kreis Heidenheim Alb-Donau-Kreis, Ulm Kreis Göppingen Kreis Reutlingen Kreis Tübingen Kreis Böblingen Rems-Murr-Kreis Kreis Ludwigsburg Kreis Calw Kreis Rastatt, Baden-Baden Enzkreis, Pforzheim-Stadt Kreis Karlsruhe, Karlsruhe-Stadt Kreis Heilbronn, Heilbronn-Stadt Kreis Ostalb Kreis Schwäbisch Hall Kreis Hohenlohe Main-Tauber-Kreis Neckar-Odenwald-Kreis Karte
Suche
Suche in …
Donausanierung zwischen Hundersingen und Binzwangen
Donau nach der Sanierungsmaßnahme bei Hundersingen (Ldkr. Sigmaringen)
(Element 1 von 9: Bild)
Bild: HuBi 02 (Ldkr. Sigmaringen)
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element
Donausanierung und Archäologie:
Weitere Informationen
In der Nähe befinden sich:
 
Übersicht

Donausanierung und Archäologie

 

Donausanierung und Archäologie zwischen Hundersingen und Binzwangen

 
Bild: HuBi 11 (Ldkr. Sigmaringen)
Blick vom "Heuneburg-Plateau" auf die renaturierte Donau (Ldkr. Sigmaringen)
(© LUBW, Autor: B. Grießmann)
 
Bild: HuBi 13 (Ldkr. Sigmaringen)
Fast fertig gestellter Flusslauf der Donau bei Binzwangen (Ldkr. Sigmaringen), 2009
(© RP Tübingen, Autor: H. Baur)
 
Bild: HuBi 03 (Ldkr. Sigmaringen)
Die "Heuneburg" oberhalb der Donau bei Hundersingen
(© LUBW, Autor: B. Grießmann)

Auf einem natürlichen Geländesporn am linken Donauufer zwischen Hundersingen und Binzwangen thronte einst eine stolze keltische Festung. Atemberaubend war der Blick von oben auf die 60 Meter tiefer liegende Ebene, die von einem Labyrinth aus kleinen Zuflüssen und Altwässern durchzogen wurde. Inmitten die Donau, die unzählige Mäander und Rinnen ausbildete. Der Fluss war breit und flach und änderte ständig durch Hochwasserereignisse das Erscheinungsbild der Talaue.

Das änderte sich im 19. Jahrhundert, als der Siedlungsdruck im Bereich der oberen Donau immer stärker wurde. Hungersnöte und Zerstörungen, die durch Hochwasserereignisse hervorgerufen wurden, führten zur Entscheidung, den wilden Fluss auf weiten Strecken zu begradigen. Mit einer Reihe von Maßnahmen, die zwischen 1827 und 1914 durchgeführt wurden, sollte die Landwirtschaft intensiviert und Hochwasser schneller abgeführt werden. Die Donau erhielt ein festes Flussbett, aus dem sie nicht mehr ausbrechen konnte.   

Doch die vermeintlichen Vorteile der Begradigung stellten sich als Trugschluss heraus. Folge waren extreme Hochwasserschäden weiter flussabwärts. Durch die hohe Fließgeschwindigkeit der Wassermassen vertiefte sich die Donau um bis zu drei Meter (Tiefenerosion). Der schottrige Bodengrund wurde bis auf den blanken Fels weggespült. Das Wasserrückhaltevermögen der Landschaft nahm ab und der Grundwasserspiegel sank, so dass die Aue nach und nach austrocknete. Viele Tier- und Pflanzenarten verloren ihre Lebensräume.

Nach einer Reihe von verheerenden Hochwasserereignissen in der 1980er und 1990er Jahren musste dringend Abhilfe geschaffen werden. Im Zuge des Integrierten Donau-Programms (IDP) wurden unter der Trägerschaft des Regierungspräsidium Tübingen zwischen 2009 und 2011 Renaturierungsarbeiten zwischen Hundersingen und Binzwangen durchgeführt. Ziel war es, die negativen Auswirkungen der Begradigung rückgängig zu machen und die Anforderungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie sowie der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie (FFH) zu erfüllen. Dabei wurde die Donau auf einer Länge von 2,7 Kilometern weitgehend in ihr historisches Bett zurückverlegt und über ein Rampenbauwerk an den Unterlauf angeschlossen. Das neue Flussbett wurde mit schwerem Gerät ausgeformt und zu einem späteren Zeitpunkt kontrolliert geflutet. Durch die Aufweitung des Gewässerquerschnitts und ein geringeres Sohlgefälle konnte die Tiefenerosion gestoppt werden. Die neue Flusssohle ist verglichen mit dem künstlichen Verlauf bis zu 2,5 Meter flacher. Durch die Riegelrampe konnte das Flussbett wieder auf seine ursprüngliche Höhe gebracht werden, wodurch verhindert wird, dass der Fluss sich auch in das neue Bett wieder eingräbt.
Die Durchgängigkeit für Fische wurde auf die Anforderungen der örtlichen „Äschen-Barbenregion" ausgelegt. Durch Geländeabtrag wurden Überschwemmungsflächen geschaffen, die wieder wie in früheren Zeiten durch Hochwasserereignisse überformt werden können. Das bisherige Donaubett wurde mit etwa 60.000 Kubikmetern Kies teilweise verfüllt, um ein Durchbrechen der neuen Donau in den alten Lauf zu verhindern.
Im April 2012 wurde die Sanierungsmaßnahme offiziell eingeweiht.

Nach Abschluss der Maßnahmen wird die Talaue sich selbst überlassen. Unterhalb der "Heuneburg", so wird die ehemalige keltische Festung heute genannt, entstehen nach und nach neue Lebensräume mit typischen Arten der Flussaue, wie z.B. Biber und Flussregenpfeifer. Nach einer Besiedlung mit Pionierpflanzen bildet sich wieder ein strukturreicher Auenwald aus, der Lebensraum und Laichplätze für Fische und Amphibien sowie gefährdete Pflanzenarten bietet.