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NSG Leitenrain
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NSG Leitenrain
Maintal bei Wertheim-Urphar (Main-Tauber-Kreis)
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Bild: Maintal bei Wertheim-Urphar TP_BGL_9_10_146
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Ganz im Norden von Baden-Württemberg bildet der Main die Grenze zu Bayern. Der langgezogene, bereits auf bayrischer Seite liegende bewaldete Bergrücken im Mittelgrund ist an der schmalsten Stelle nur 400 m breit und wird von einer engen Mainschlinge eingeschnürt. In der schmalen Talsohle des Mains herrschen Grünlandböden vor. An den flachen Hängen rechts im Bild sind die rötlichen Böden im Oberen Buntsandstein zu erkennen. An anderen Stellen, z. B. bei Wertheim-Böttingen, treten im Maintal verbreitet kiesige und sandige Böden auf, die sich in Terrassensedimenten und Flugsanddecken des Eiszeitalters gebildet haben.

NSG Leitenrain:
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Übersicht
 

Naturschutzgebiet Leitenrain bei Wertheim-Eichel (Main-Tauber-Kreis)

 
Bild: NSG Leitenrain, Luftbild, Main-Tauber-Kreis
Natuschutzgebiet Leitenrain am Prallhang des Mains
(© LUBW, Autor: R. Steinmetz)

Bewaldeter Prallhang des Mains auf Höhe der Staustufe Eichel. Im Hintergrund erkennt man Wertheim. Das rechte Ufer ist bereits bayerisch.

Charakteristisch für den Main sind die geschlungenen Talmäander, die sich dort bilden, wo der Fluß die geologischen Formationen Muschelkalk und/oder  Buntsandstein durchschneidet. Am Prallhang des NSG Leitenrain bei Wertheim-Eichel steht Buntsandstein an.

 
Bild: TP_BGL4_65 Steinbruch im Oberen Buntsandstein bei Urphar
Steinbruch im Oberen Buntsandstein bei Wertheim-Urphar
(© LGRB, Autor: T. Huth)

In dem Steinbruch wurden dickbankig ausgebildete Sandsteine der Plattensandstein-Formation abgebaut. Darüber lagern mehrere Meter z. T. sandige Tonsteine der Unteren Röttone. Die an der Oberfläche ausgebildete Braunerde ist in einer periglazialen Schuttdecke entwickelt. Die darin enthaltenen Sandsteine stammen aus dem Rötquarzit, einer weiter hangaufwärts anstehenden kieseligen Sandsteinbank, die die Unteren von den Oberen Röttonen trennt.

 
Bild: Graureiher
Graureiher (Ardea cinerea) beim Sonnenbad
(© W. Detemple)

Graureiher (Ardea cinerea) sind Lebensraumgeneralisten, die gleichermaßen an den Rändern von Fließ- und Stillgewässern im Landesinneren sowie an den Uferregionen des Bodensees zu Hause sind.

Im Mai 1942, mitten im Zweiten Weltkrieg, wurde bei Wertheim das Naturschutzgebiet Leitenrain im Naturraum Sandstein-Spessart verkündet. Es war nach dem Apfelberg bei Gamburg das zweite Naturschutzgebiet im ehemaligen Landkreis Tauberbischofsheim (heute Main-Tauber-Kreis). Der Schutz galt vorwiegend einer Graureiherkolonie, die an dem Steilhang hoch über dem Main über viele Jahrzehnte Zuflucht fand. Zu dieser Zeit galt der Graureiher (Fischreiher) noch als jagdbares Wild. Durch intensive Bejagung war der Bestand in Baden stark zurückgegangen. Von den wenigen noch vorhandenen Kolonien befanden sich zwei bei Wertheim am Main. Heute brüten hier keine Graureiher mehr. Doch ist es nicht auszuschließen, dass die Vögel aufgrund ihrer derzeitig starken Ausbreitung im Süden des Landes Baden-Württemberg, nach Wertheim zurückkehren. Die noch vorhandenen Hochwaldreste (Eichen) sollen für die mögliche Wiederbesiedelung erhalten bleiben.

Der Leitenrain *), dessen Name sich von Leite = Bergabhang und Rain = lang gestreckter, bewaldeter Abhang ableitet, liegt am Prallhang der bekannten Urpharer Mainschlinge. Das ca. 30 ha große Naturschutzgebiet reicht von der L 2310 (Maintalstraße) am Mainufer, bis zum Rand der Hochfläche oberhalb des Wertheimer Stadtteils Eichel. Der Steilhang, der stellenweise einen Neigungswinkel bis zu 40 ° aufweist, ist dicht mit Laubwald bewachsen. Hier finden sich besondere Waldgesellschaften, wie z.B. der Waldmeister-Buchen-Wald mit dem Einblütigen Perlgras in der Krautschicht sowie ein Eichen-Hainbuchen-Wald. Im südlichen Bereich des Schutzgebiets wächst ein Birken-Linden-Niederwald, der mit seinen alten, mehrstämmigen Linden und eingestreuten Blockschutthalden (hier: Oberer Buntsandstein) einen urwüchsigen Eindruck vermittelt. In der Krautschicht sind Seidelbast, Arznei-Schlüsselblume, Scharbockskraut, Maiglöckchen, Großes Zweiblatt und Berg-Flockenblume verbreitet. Zwischen den Buntsandsteinfelsen gedeihen Wurmfarn, Tüpfelfarn, Gelappter Schildfarn sowie zahlreiche Moose.

Die dichten, naturnahen Waldflächen am Prallhang über dem Main schützten über lange Zeit Ufer und Straße vor Erosion. Nach einem Sturm im Sommer 1999 kommt es an der Maintalstraße durch herabstürzende Bäume zu größeren Personen- und Sachschäden. Daraufhin werden 1999 und 2001 als Verkehrssicherungsmaßnahme abschnittsweise größere Hangpartien (30 bis 40 m breite Streifen) gerodet. Zusätzlich wird an der L 2310 ein stabiler Fangzaun installiert. Weitere Rodungen durch den Forst erfolgen 2003 und 2007, sie sind bezüglich Umfang und Ausführung umstritten.

Hinweise für Besucher: Der Leitenrain liegt rund 2 km südöstlich von Wertheim und zählt noch zum Naherholungsbereich der Stadt. Am Rand der Hochfläche, oberhalb des Stadtteils Eichel, befindet ein Wanderparkplatz. Von dort aus führt ein geteerter Weg in das nördliche Areal des Schutzgebiets (s. Karte).

Quellen:

Hölzinger, J., H. Jacoby & G. Müller (1971): Ornithologischer Sammelbericht für Baden‑Württemberg (5). Untersuchungen über Verbreitung und Brutbestand von Graureiher, Bläßhuhn und Rohrammer in Baden‑Württemberg.‑ Anz. orn. Ges. Bayern, 10 (1): l443‑53.

Wolf, R. & U. Kreh (Hrsg.) 2007: Die Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart, Jan Thorbecke Verlag, Ostfildern.


*) NSG Leitenrain, Schreibweise gemäß Stadtplan Wertheim, vielerorts auch als Leidenrain bezeichnet. Siehe hierzu: Mainleite u. Leitenrainstraße in Wertheim-Urphar.