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NSG Unterer Neckar - Maulbeerinsel
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Maulbeerinsel Mannheim
Blick von der Riedbahnbrücke auf Maulbeerinsel und Fermeldeturm
(Element 1 von 10: Bild)
Bild: NSG Maulbeerinsel, Stadt Mannheim
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NSG Maulbeerinsel rechts, Fernmeldeturm und Luisenpark Mannheim liegen links.

NSG Unterer Neckar - Maulbeerinsel:
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Übersicht

NSG Unterer Neckar - Maulbeerinsel

 

Naturschutzgebiet Unterer Neckar - Maulbeerinsel (Stadt Mannheim)

 
Bild: Luisenpark Mannheim, Stadt Mannheim
Blick vom Fernmeldeturm Mannheim auf die Maulbeerinsel und die Neckarplatten
(© C. Ritter)

Blick vom Fernmeldeturm Luisenpark in Richtung Osten auf das Naturschutzgebiet Maulbeerinsel (Mitte) und auf die Neckarplatten mit Riedbahnbrücke und Schleuse Feudenheim. Im Hintergrund ist der Quarzporphyr-Steinbruch am Ölberg bei Schriesheim erkennbar.

 
Bild: Maulbeerinsel, Stadt Mannheim
NSG Unterer Neckar - Maulbeerinsel
(© C. Ritter)

Hier am Unteren Neckar tritt als Bodentyp der Braune Auenboden (Vega) auf. Er entwickelt sich aus humosen sandigen und lehmigen Hochwassersedimenten.

 
Bild: Seidenspinner
Seidenspinner (Bombyx mori) - Entwicklungsstadien
(© public domain, Autor: H. Ludwig)

Der Seidenraupe (Fig. 475) ist die Larve des Seidenspinners (Bombyx mori), ein Nachtfalter, der seine Heimat in China hat. Dr nachtaktive Schmetterling ist durchschnittlich 35 mm lang und grau-weißlich gefärbt. Seine Larven ernähren sich ausschließlich von Blättern des Weißen Maulbeerbaums. Die Raupen verfügen über feine Spinndrüsen. Diese sondern Proteine ab, die an der Luft erhärten. So entsteht ein Seidenfaden, mit dem sich die Larve im Alter von etwa 30 Tagen in einen Kokons vollständig einspinnt, (vgl. Fig. 476). Der seidene Schmetterlingskokon dient dem Menschen als Rohstoff für die Herstellung von Naturseide. Wirtschaftlich bedeutende Seidenraupenzuchten findet man heute in Japan, Indien, Brasilien, China und Korea. Seidenraupen sind sehr anfällig gegenüber parasitären Erkrankungen (wohl eine Folge der langen Domestikation).

Das 1987 ausgewiesene Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Unterer Neckar" hat eine Größe von rund 753 ha, wovon rund 195 ha auf das Naturschutzgebiet und rund 558 ha auf das Landschaftsschutzgebiet entfallen.

Die geschütze Fläche ist in sechs Teilgebiete untergliedert:

  • Teilgebiet I: Altneckar Heidelberg-Wieblingen
  • Teilgebiet IV: Altneckarschleife-Neckarplatten
  • Teilgebiet V: Wörthel
  • Teilgebiet VI: Maulbeerinsel (10,3 ha)

Als stadtgeschichtliches Denkmal ist die Maulbeerinsel in Mannheim erwähnenswert. Die im Rahmen der Neckarkanalisierung um 1930 entstandene Insel wird im Osten durch die alte Riedbahnbrücke, im Norden durch das Unterwasser der Schleuse Feudenheim und im Süden durch den Neckar begrenzt. Über die Neckarinsel führt ein Weg, der von der Riedbahnbrücke aus erreichbar ist. Hier finden sich die Reste einer alten Maulbeerbaumplantage (Morus alba), die 1819 durch die Großherzogin Stephanie von Baden * (1789-1860) für die Zucht des Seidenspinners (Bombyx mori) vor den Toren Mannheims angelegt wurde.

Seide war zu allen Zeiten sehr begehrt. Im Gegensatz zu heute war das Naturprodukt damals eine Kostbarkeit. Mit Hilfe der aus China importierten Schmetterlingsart, deren Raupen seidene Kokons spinnen, sollte für die Handels- und Arbeiterstadt Mannheim eine ''einfache'' Nebenerwerbsquelle geschaffen werden. Man empfahl die Schmetterlinge bei sich zuhause zu züchten, um aus den seidenen Raupenkokons das kostbare Textil zu gewinnen. Eigentlich war die angedachte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme eine gute Idee, die aber aus verschiedenen Gründen misslang. Die aus Südostasien importierten, wärmebedürftigen Seidenspinner fühlten sich in den meist kühlen und feuchten Stuben Mannheims nicht sonderlich wohl. Kam es dennoch zur Zucht, stand man vor dem Problem den kleinen, seidenen Kokon, der aus einem einzigen Faden (teilweise bis zu 800 m Länge) besteht, sauber zu präparieren. Die grobe Anatomie mitteleuropäischer Hände sowie das Fehlen entsprechender Feinwerkzeuge, machte die Arbeit meist zunichte; denn nur ein ausreichend langer Faden konnte der Weiterverarbeitung zugeführt werden.

Schon mehrfach wurde in der Kurpfalz der Versuch unternommen dieses Handwerk einzuführen. Bereits Unter den Kurfürsten Karl-Ludwig (1617-1680) und Karl-Theodor (1724-1799) entstanden bei Schwetzingen (Maulbeerbaum-Allee) und an der Bergstraße (Seidenweg) Anpflanzungen von Maulbeerbäumen. Beide Projekte schlugen ebenfalls fehl. Heute existieren nur noch wenige Maulbeerbäume auf der Mannheimer Neckarinsel. Heimische Gehölze und Hochstauden haben sich das Terrain wieder erobert.


*  Kaiserliche Prinzessin Stéphanie Louise Adrienne de Beauharnais, auch Stéphanie Napoléon, (* 28. August 1789 in Versailles; † 29. Januar 1860 in Nizza), Adoptivtochter von Napoléon Bonaparte, später Großherzogin von Baden. Stéphanie von Baden war angeblich die Mutter des Findelkinds Kaspar Hauser.