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NSG Zugmantel-Bandholz
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NSG Zugmantel-Bandholz
Binnendüne Zugmantel-Bandholz, Besucherlenkung
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Bild: NSG Zugmantel-Bandholz, Besucherlenkung
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Die Besucherlenkung führt zu einer Beruhigung der Kernzone.

NSG Zugmantel-Bandholz:
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Übersicht
 

Naturschutzgebiet Zugmantel-Bandholz - Lebensraum aus zweiter Hand

 
Bild: NSG Zugmantel-Bandholz
NSG Zugmantel-Bandholz, Dünen und Feuchtgebiete (Aufn. 2009)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Einen besonderen Reiz üben die feuchten Flächen aus, die sich unmittelbar an die Sandfluren angrenzen. Die Wasserflächen entstehen durch anstehendes Grundwasser. Ausdehnung und Tiefe sind abhängig vom jeweiligen Stand des Grundwasserspiegels.

 
Bild: NSG Zugmantel-Bandholz (Rhein-Neckar-Kreis)
NSG Zugmantel-Bandholz, Rundwanderweg und Infotafel
(© M. Linnenbach)
 
Bild: Binnendüne Zugmantel-Bandholz
Sandgrube Zugmantel-Bandholz (Aufn. 1986)
(© LUBW, Autor: Kusch)

Das Foto zeigt die ehemalige Sandgrube kurz nach ihrer Unterschutzstellung.


Literatur (Auswahl):

HORN, H. (1986): Die Naturschutzgebiete auf Sandhausener Gemarkung.‑ Heimatbuch der Gemeinde Sandhausen.

Das 1986 ausgewiesene Naturschutzgebiet Zugmantel-Bandholz liegt im Naturraum Hockenheimer Hardt, in direkter Nachbarschaft zur bekannten Pferdtriebsdüne bei Sandhausen. Bis in das 18. Jh waren beide Schutzgebietsflächen als Dünenzug noch miteinander verbunden. Zahlreiche historische Landkarten belegen ein geschlossenes Dünenareal, das sich  von Schwetzingen südwärts über Oftersheim, Hockenheim und Sandhausen bis nach Reilingen erstreckt. Der im 19. Jh. zunehemende Ausbau von Siedlungs- und Verkehrsflächen in der Rhein-Neckar-Region, führt im Laufe der Zeit zur Zerschneidung der einzigartigen Dünenlandschaft. Vor allem durch den Bau der Reichsautobahn Heidelberg - Karlsruhe in den 1930er Jahren, wird der Dünenkomplex zwischen Sandhausen und Oftersheim in Höhe der heutigen Raststätte Hardtwald vollständig durchschnitten. Die anstehenden Flugsande werden unmittelbar für den Straßenbau verwendet.

Mit der Erfindung der Zementherstellung am Ende des 19 Jh., geht es den Sandfluren dann so richtig an den Kragen. Die erforderlichen Rohstoffe dazu (Kies, Sand und Kalkgestein) sowie das technische Know-how für die Herstellung von Zement und Beton sind vor allem in Südwestdeutschland vorhanden. Das 1873 gegründete Zementwerk in Heidelberg, später in Leimen (Rhein-Neckar-Kreis) 1876, ist eines der ersten Betriebe auf diesem neuen Industriesektor.

Galten bis dahin die weitgehend unfruchtbaren, trockenen Sandböden als minderwertig, waren sie von heute auf morgen als wertvolle Bau- und Rohstoffquelle gefragt. Allerorten enstehen in der Oberrheinebene Sand- und Kiesgruben. Für den Bau von Gebäuden und Straßen war man jetzt nicht mehr auf die mühsame Gewinnung von Naturwerksteinen angewiesen. Damit setzte ein gewaltiger Boom der deutschen Bauindustrie ein, der sich insbesondere nach dem 2. Weltkrieg aufgrund der zestörten Städte und Verkehrwege auf Rekordniveau bewegte. Eindeutige Verlierer waren die abgebauten Dünen- und Sandrasenflächen mit ihren seltenen, speziell auf trockene Böden angepassten Arten.

Auch im Gewann Zugmantel-Bandholz wurde über längere Zeit Sand abgebaut. 1980 endete der Betrieb. Nach Auffüllung der Grube mit Bodenaushub und Bauschutt, wurde das Gelände im Südwesten mit Waldkiefer und Eiche aufgeforstet. Die sandigen Flächen in der Grubenmitte dagegen blieben ohne Überdeckung weitgehend offen. Auf den nicht mehr genutzten Sandfluren stellte sich in wenigen Jahren die ursprünglich vorhandene Fauna und Flora ein. Dies rief den Naturschutz auf den Plan. Die einst weitläufigen Dünenflächen der Nördlichen Oberheinebene waren zu diesem Zeitpunkt bis auf wenige Restflächen zurückgegangen. Die einzigartigen, landschaftstypischen Bodendenkmäler drohten gänzlich zu verschwinden. Somit erfolgte bereits 1986 die Unterschutzstellung der ehemaligen Sandgrube Zugmantel-Bandholz, nahezu zeitgleich mit der Schutzgebietsausweisung der Pferdtriebsdüne Sandhausen.

Seit 2005 zählt das NSG Zugmantel-Bandholz zum FFH-Gebiet „Sandgebiete zwischen Mannheim und Sandhausen“. An FFH-Arten (Anhang II) beherbergt das Schutzgebiet Kammmolch, Hirschkäfer, Spanische Flagge, Großer Eichenbock. Grüne Flussjungfer und Gelbbauchunke sind seit einiger Zeit nicht mehr im Schutzgebiet zu beobachten. Zur Sicherung des Hardtbachs als Lebensstätte der Grünen Flussjungfer (Ophiogomphus cecilia) wäre die Erhaltung aufgelichteter Gewässerabschnitte, sandig-kiesiger Stellen entlang der Gewässersohle sowie der Erhalt extensiver Grünlandflächen im Nahbereich des Gewässers anzustreben.