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Bauland, Tauberland und Hohenloher Ebene
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Kocher- und Jagsttal, Böden und Landschaft
Kochertal bei Künzelsau-Nagelsberg
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Bild: Kochertal bei Künzelsau-Nagelsberg TP_BGL9_10_128
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Bei Künzelsau-Nagelsberg ist das getreppte Hangprofil des Kochertals deutlich ausgeprägt. Die Ortschaft liegt auf einer Verflachung im Mittleren Muschelkalk. Die Steilhänge darüber werden vom Oberen Muschelkalk, die darunter vom Unteren Muschelkalk gebildet. Im Vordergrund ist die Talaue des Kochers und hinten links die Mündung des Deubachtals zu sehen.

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Bauland, Tauberland und Hohenloher Ebene

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Kocher- und Jagsttal

 
Bild: Schloss Stetten im Kochertal TP_BGL9_10_27
Schloss Stetten im Kochertal
(© LGRB, Autor: K.Rilling)

Südhang eines Bergsporns im Kochertal bei Künzelsau-Kocherstetten; typisch sind die mächtigen Steinriegel, die aus Lesesteinen an den Rändern der ehemaligen Weinberge aufgehäuft wurden.

 
Bild: Blick in das Jagsttal bei Mulfingen TP_BGL9_10_28
Blick in das Jagsttal von der Hochfläche bei Mulfingen-Ailringen in Richtung Südosten nach Mulfingen
(© LGRB, Autor: K.Rilling)

An dem ackerbaulich genutzten flachen Unterhang im Mittelgrund rechts finden sich Böden aus entkalktem Verwitterungslehm über Hangschutt (Terra fusca). Auch die Oberböden der bewaldeten Steilhänge darüber sind oft entkalkt. Die südwestexponierten Hänge auf der Gegenseite sind dagegen bereits an der Oberfläche kalkreich und steinig. Immer wieder auftretende Steinriegel bezeugen dort die starke Bodenerosion durch den früheren Weinbau.

 
Bild: Bühlertal bei Braunsbach-Geislingen TP_BGL9_10_24
Blick ins untere Bühlertal bei Braunsbach-Geislingen
(© LGRB, Autor: T.Huth)

Über der schmalen Talaue folgen mit Grünland und Äckern genutzte Hänge im Mittleren Muschelkalk. Darüber schließen sich die steileren, bewaldeten Hänge im Oberen Muschelkalk an. Im Hintergrund ist die Kochertalbrücke mit der Autobahn (A6) zu sehen. Mit 185 m Höhe ist sie die höchste Talbrücke in Deutschland.

Von Burgen und Schlössern gesäumte Tallandschaften

Am eindrucksvollsten sind die Talhänge des Kochers unterhalb von Schwäbisch Hall bis Niedernhall sowie die Hänge im Jagsttal oberhalb von Langenburg bis Dörzbach. Die Flüsse haben dort den gesamten Muschelkalk durchschnitten und getreppte Hangprofile erzeugt. Die Kalksteine des Oberen und Unteren Muschelkalks bilden steile Hänge. Die leichter ausräumbaren Gesteinen des Mittleren Muschelkalks bilden dagegen oft deutlich flachere, meist ackerbaulich genutzte Hangabschnitte im Mittelhangbereich. Dort sind die Böden i. d. R. auch tiefgründiger und weniger steinig als in den Steilhangbereichen.

 

An vielen Stellen sind die Hänge von alten Rutschungen und bergsturzartigen Bildungen überprägt. Diese, am Ende der letzten Eiszeit abgelaufenen Prozesse sind letztendlich auf Auslaugung der Salz- und Gipsgesteine im Mittleren Muschelkalk sowie auf Nachsacken und Kippen der Kalksteine des Oberen Muschelkalks zurückzuführen. Steinige, flachgründige Böden mit teils großen Kalksteinblöcken sind in diesen Bereichen vorherrschend.


Generell ist bei den Böden der Talhänge von Kocher, Jagst und deren Nebentäler häufig eine Abhängigkeit von der Exposition festzustellen. Während an nord- und ostexponierten Hängen oft steinarme, entkalkte Böden auftreten (Braunerde, Terra fusca, Pelosol, Parabraunerde), sind die Böden der sonnseitig exponierten Hänge bereits an der Oberfläche kalkreich und steinig (Rendzina, Pararendzina). Dies liegt zum einen daran, dass sich im Eiszeitalter an den Nord- und Osthängen eher feinerdereiche Deckschichten bildeten, während die Süd- und Westhänge vermehrt der Abtragung ausgesetzt waren. Der Hauptgrund ist jedoch in der während der weinbaulichen Nutzung der vergangenen Jahrhunderte abgelaufenen Bodenerosion zu sehen. Die durch Bodenbearbeitung und Erosion an die Oberfläche geratenen Steine wurden aufgelesen und an den Weinbergsrändern zu Steinriegeln aufgehäuft. Die bis zu mehrere Meter hohen Gebilde, die in Falllinie die Hänge hinunterziehen, sind ein Charakteristikum dieser Täler und gelten als wertvolle Trockenbiotope. Heute ist der Weinbau nur noch auf wenige kleine Anbaugebiete beschränkt.


Wo die Flüsse nur den harten Oberen Muschelkalk durchschnitten haben, sind teils sehr schmale windungsreiche Täler mit steilen Hängen und z. T. mit Felswänden ausgebildet. Große Teile dieser Talabschnitte sind wegen ihrer landschaftlichen Schönheit und ihren einzigartigen Lebensräumen für die Tier- und Pflanzenwelt als Naturschutzgebiete ausgewiesen (Kochertal zwischen Westheim und Schwäbisch Hall, Jagsttal zwischen Crailsheim und Kirchberg, Bühlertal bei Vellberg).


Auch der Unterlauf der Jagst zwischen Bieringen und der Mündung in den Neckar bei Jagstfeld ist sehr windungsreich. Ältere Flussschotter bilden dort Terrassen und flache Gleithänge. Diese sind von Löss und Lösslehm oder lehmigen Fließerden bedeckt, in denen günstige Ackerböden entwickelt sind (Parabraunerde). Ähnliche Talabschnitte finden sich auch im Kochertal zwischen Ohrnberg und Neuenstadt a. K.


In den Talsohlen von Jagst und Kocher dominieren kalkhaltige Braune Auenböden (Vegen) aus lehmigem bis sandigem Auensediment, das v. a. seit den Rodungsphasen des Mittelalters bei Überschwemmungen abgelagert wird. Grundwassereinfluss zeigen die Böden meist nur im tieferen Unterboden. Feuchtere Auenböden mit Übergängen zum Auengley treten nur vereinzelt in schmalen Rinnen oder im Bereich von Quellaustritten am Auenrand auf. In den kleineren Nebentälern sind sie jedoch häufiger anzutreffen.