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Bauland, Tauberland und Hohenloher Ebene
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Bauland, Böden und Landschaft
Braunerde-Pelosol auf Oberem Muschelkalk
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Bild: Braunerde-Pelosol auf Oberem Muschelkalk TP_BGL9_10_42
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Dieser Ton-Boden befindet sich am oberen Talhang des Brehmbachtals südwestlich von Königheim-Gissigheim. Durch den eiszeitlichen Wechsel von Gefrier- und Auftauprozessen ist aus den Verwitterungsprodukten der Kalk- und Mergelsteine des Oberen Muschelkalks eine steinig-tonige Fließerde entstanden. Die oberen 25 cm des Profils sind entkalkt und die Steine sind dort fast völlig aufgelöst. Die Bodenaggregate sind kleiner und weniger dicht gelagert als bei einem Tonboden, der aus reinem Ton- oder Mergelgestein entstanden ist. Im Gegensatz zu diesem treten daher auch selten Staunässe und Luftarmut auf. Hinsichtlich ihrer Bodeneigenschaften sind diese Böden eher mit dem Bodentyp Terra fusca aus Kalkstein verwandt.

Bauland, Tauberland und Hohenloher Ebene:
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Bauland, Tauberland und Hohenloher Ebene

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Bauland

 
Bild: Bauland bei Königheim-Pülfringen TP_BGL9_10_4
Dinkelfeld im nordöstlichen Bauland bei Königheim-Pülfringen
(© LGRB, Autor: K.Rilling)

Kennzeichnend für das Bauland ist ein kleinräumiger Wechsel von Ackerland, Grünland, Obstwiesen und Wald. Auf den Hügeln im Vordergrund sind steinige Tonböden auf Oberem Muschelkalk vorherrschend. Der anspruchslose Dinkel kommt auf solchen Standorten sehr gut zurecht. Der Dinkelanbau hat im Bauland eine gewisse Bedeutung, da die Region bis heute ein Zentrum der Grünkernerzeugung ist. In den Trockentalmulden finden sich humose, lehmige Böden aus Abschwemmmassen (Kolluvisole). In dem Wald im Hintergrund sind schwere, örtlich zu Staunässe neigende Tonböden des Lettenkeupers verbreitet (Pelosole).

 
Bild: Bauland westlich von Osterburken TP_BGL9_10_8
Bauland-Landschaft westlich von Osterburken
(© LGRB, Autor: K. Rilling)

Blick über das von der Seckach und ihren Nebentälern stark zerschnittene Hügelland im Oberen Muschelkalk. Im Hintergrund ist Osterburken zu sehen. In den höchsten Lagen am Horizont sind inselartig Gesteine des Lettenkeupers verbreitet. Auch der Ackerboden im Vordergrund hat sich auf Lettenkeuper gebildet. Es handelt sich um einen flachgründigen Boden, bei dem oft die rohen Ton- und Mergelsteine an die Oberfläche gepflügt werden (Pararendzina; Schollheide bei Adelsheim-Zimmern).

 
Bild: Geologischer Lehrpfad bei Eberstadt  TP_BGL9_10_6
Geologischer Lehrpfad bei der Eberstadter Tropfsteinhöhle
(© LGRB, Autor: K. Rilling)

Der Geologische Lehrpfad beim Muschelkalk-Steinbruch Eberstadt gibt anschauliche Informationen zur Geologie und Landschaftsgeschichte der Region. Unmittelbar daneben befindet sich die Eberstadter Tropfsteinhöhle, die sich in dem verkarsteten Unteren Muschelkalk (Wellenkalk) gebildet hat und erst 1971 bei Steinbrucharbeiten entdeckt wurde.

Wo der „Badische Reis“ gedeiht

Das Bauland ist die zwischen Odenwald, Tauberland und Kocher-Jagst-Ebenen gelegene Gäulandschaft, die sich grob mit der östlichen Hälfte des Neckar-Odenwaldkreises deckt (östlich der Linie Mosbach-Buchen-Walldürn). Das östlichste Bauland gehört bereits zum Main-Tauberkreis. Im Südwesten trennt das Neckartal das Bauland vom Kraichgau.


Größtenteils handelt es sich um verkarstete, wellig-flachhügelige, von Trockentalmulden durchzogene Hochflächen im Oberen Muschelkalk mit Höhen von 300–400 m ü. NN. Das Verwitterungsprodukt der Kalksteine und eingelagerten Mergelsteine ist ein toniges Substrat mit überwiegend hohem Steingehalt. Meist sind darin mittelgründige, steinige, oft kalkhaltige Tonböden entwickelt, die trotz des hohen Tongehalts gut wasserdurchlässig sind und i. d. R. nicht zu Staunässe neigen (Pararendzina, Pelosol, Rendzina, Terra fusca). Die besseren Ackerstandorte gibt es auf den inselhaft auf Verebnungen und an ostexponierten Flachhängen gelegenen geringmächtigen Lösslehmvorkommen (Parabraunerden). Ursprünglich fast überall verbreitete geringmächtige lösslehmhaltige Deckschichten wurden im Laufe der Jahrhunderte durch Bodenerosion von den Äckern abgespült und finden sich heute als tiefgründige humose Lehmböden (Kolluvisol) in den Trockentalmulden wieder.


Stellenweise sind im Bauland über dem Muschelkalk auch Gesteine des Lettenkeupers (Erfurt-Formation) vertreten. Das größte Vorkommen befindet sich im Bereich des Ahornwalds, im Wasserscheidengebiet zwischen Neckar und Main. Zahlreiche Bäche des Baulands haben dort ihr Quellgebiet. Verbreitet treten Tonböden auf (Pelosole), die oft von Staunässe überprägt sind (Pseudogleye). Auch die in Flachlagen verbreiteten Lösslehmdecken weisen wegen des undurchlässigen Untergrunds deutliche Staunässemerkmale auf (Pseudogley-Parabraunerde).


In einem 2–4 km breiten Streifen im Übergang zum Odenwald bilden Gesteine des Unteren und Mittleren Muschelkalks den Untergrund. Im Norden zwischen Hardheim, Külsheim und Tauberbischofsheim dehnt sich der Bereich auf 5–8 km Breite aus. Die Wellenkalke des Unteren Muschelkalks (Jena-Formation) bilden dort eine deutliche Schichtstufe aus. Karge, sehr flachgründige steinige Böden sind im Bereich des Wellenkalks weit verbreitet (Rendzinen). Wo eher toniges und lehmiges Verwitterungsmaterial von Mergel- und Dolomitsteinen an der Bodenbildung beteiligt ist, sind etwas günstigere, auch ackerbaulich nutzbare Böden verbreitet (Pararendzina, Pelosol, Terra Fusca). Kleinflächig auftretende Lösslehmböden mit guten Bodeneigenschaften sind auch in diesem Landschaftsabschnitt zu finden (Parabraunerde).


Bekannt ist das Bauland als das Zentrum der Grünkernerzeugung. Grünkern, den man durch darren (trocknen) aus den halbreifen Körnern des Dinkels gewinnt, wird deshalb im Volksmund auch als „Badischer Reis“ bezeichnet. Der Dinkel ist ein anspruchsloses Getreide, das auf den Muschelkalkböden und im rauen Klima des Baulands sehr gut gedeiht. Die alte Getreideart war bis ins 19. Jh. in Südwestdeutschland von großer Bedeutung und wurde auch Schwabenkorn, Spelt oder Spelzweizen genannt. Heute nimmt sie nur noch etwa 1,5 % des Ackerlands in Baden Württemberg ein und wird v. a. im Bauland und auf der Schwäbischen Alb angebaut.