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Fröschau, Reilingen
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Ehemaliges Niedermoor Fröschau
Die Niedermoorfläche Fröschau wird heute überwiegend landwirtschaftlich genutzt.
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Bild: Niedermoorfläche Fröschau, Reilingen
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Gemarkung Fröschau mit Blickrichtung Süden zum Adamsbühl. Der Galeriewald aus Weiden und Erlen weist noch auf die ehemals wechselfeuchte und versumpfte Landschaft hin. Die durch Lösslehm und Sand überdeckten Niedermoorflächen werden heute überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Großflächige Entwässerungsmaßnahmen auf der Gemarkung Reilingen setzten nach dem 1. Weltkrieg ein. Seinerzeit wurde der Kirrgraben tiefer gelegt und sein Lauf mit dem Kraichbach vereinigt.

Fröschau, Reilingen:
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Übersicht
 

Niedermoor Fröschau bei Reilingen

 
Bild: Schlossmühle bei Reilingen
Die ehemalige Schlossmühle bei Reilingen (Rhein-Neckar-Kreis)
(© M. Linnenbach)

Nahe der Ortslage Reilingen stand bis 1689 die bekannte Burg Wersau. Die gut befestigte Burganlage hatte damals die Aufgabe, die umliegenden Wälder (Bannwälder) und die Verkehrswege entlang des Kraichbachs zu sichern. Sie stand an der Stelle der heutigen Schlossmühle und lebt als Namen im benachbarten Guts- und Reiterhof "Wersauer Hof" weiter. Mittels geophysikalischer Untersuchungsmethoden ist es gelungen die Grundmauern der Burg Wersau zu lokalisieren. Derzeit laufen Arbeiten zur Ausgrabung der Ruinenreste. Mehrere Infotafeln vor Ort vermitteln aktuelle Erkenntnisse über Geschichte und Landschaft.

Das Gebäude der Schlossmühle wurde 2014 vollständig abgerissen.

 

 
Bild: Niedermoor Fröschau, Reilingen, Rhein-Neckar-Kreis
Überdeckte Niedermoorfläche Fröschau (Fröschwiesen) bei Reilingen
(© M. Linnenbach)

Durch Überflutung und Verlandung entstandenes Niedermoor im Bereich Kisselwiesen-Fröschau. Heute sind die Moorflächen durch Wiesenwässerung und Auffahren von Bodenmaterial vollständig überdeckt.

 

 
Bild: Niedermoor Fröschau, Reilingen, Moorboden
Dunkler Anmoorboden im Untergrund, Maulwürfe fördern ihn nach oben
(© M. Linnenbach)

Die Fröschau liegt auf der Gemarkung der Gemeinde Reilingen im Rhein-Neckar-Kreis. Gemeinsam mit den angrenzenden Kisselwiesen erstreckt sie sich mit einer Fläche von ca. 6 ha inmitten der Kraichbachniederung, unweit der bekannten Reilinger Schlossmühle (ehemaliger Standort der mittelalterlichen Burg Wersau). Versteckt unter Wiesen und Äckern findet sich hier ein von der Öffentlichkeit nahezu vergessenes, überdecktes Niedermoor (s. Karte).

Verantwortlich für seine Entstehung sind die ehemaligen Schlingen des Kraichbachs, der in der nacheiszeitlichen Periode seinen Verlauf im Bereich der Hardtebene ständig änderte. Daraus entwickeln sich über viele Jahrhunderte zahlreiche Niedermoorflächen.

Ab dem Mittelalter greift der Mensch in die hiesige Landschaft ein. Mit dem Bau der Wasserburg Wersau im frühen Mittelalter, werden Kraichbach und heutiger Kehrgraben (Kirrgraben) südöstlich von Reilingen aufgestaut und in ein Grabensystem umgeleitet, das die Burg Wersau schützend umfließt. Die Abflussrichtung beider Gewässer verlief damals zunächst in Richtung Kisselwiesen und anschließend entlang der Geländekante Adamsbühl-Fröschau. Die Topografie sowie das spätere Wässerwiesen- und Grabensystem der Gemeinde Reilingen aus dem 19. Jh. und 20. Jh. belegen dies.

Mit der Verlegung des Kraichbachs und dem Ende der Wiesenwässerung bekommt die Landschaft südlich von Reilingen ein völlig anderes Gesicht. Eine wasserbauliche Maßnahme des Reichsarbeitsdiensts sorgt ab 1936 für eine effektive Entwässerung der Kraichbachsenke. Die feuchten, lange Zeit als Grünland genutzten Flächen, die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten als Lebensraum dienen, fallen allmählich trocken. 1954 beginnt man im Bereich der Kisselwiesen nach Erdöl zu suchen. Die anfänglich großen Erwartungen werden aber nicht erfüllt. 

Die Gemeinsame Agrarpolitik der EG-Staaten führt ab den 1960er Jahren mit Technisierung, Rationalisierung und Spezialisierung der Betriebe zu einem tiefgreifenden Strukturwandel in der Landwirtschaft. Flurbereinigungen und weitere Intensivierung durch Umbruch von Wiesen verdrängen in der Kraichbachniederung die traditionell extensive Grünlandlandnutzung.

Für den Anbau von Lebensmitteln erfolgt ab den 1980er Jahren die Aufbringung von humusreichen Böden, um die Bodenfruchtbarkeit zu steigern. Doch die Landnutzung und die fortlaufende Grundwasserabsenkung im Oberrheingraben zeigen Folgen. Von den einstigen Moorflächen ist heute nicht mehr viel vorhanden. Selbst die besagten Frösche sind in der "Fröschau" längst verschwunden. Die Chancen für eine Renaturierung stehen schlecht. Eine natürliche Wiedervernässung der noch verbliebenen Flächen ist nicht mehr möglich, da das heutige Bachbett des Kraichbachs unter dem Geländeniveau der Fröschau verläuft.