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Die Rheinmündung

 
Bild: Rheinvorstreckung
Rheinvorstreckung
(© Autor: Thorbecke)

Der Rheinkanal wird immer weiter in den See hinaus gebaut.

 
Bild: Canyons im Seeboden, Bodensee
Canyons im Seeboden
(© ISF 2011)

Canyons im Boden des östlichen Bodensees zeigen den ursprünglichen Verlauf des Rheinwassers.

An den beiden S-förmig in den See verlaufenden Dämmen der heutigen Rheinmündung wird ständig gebaggert und befestigt. Den Ökologen sind diese ingenieurtechnischen "Sandkastenspiele" im wertvollen Mündungsgebiet natürlich ein Dorn im Auge. Bedeuten sie doch einen erheblichen Eingriff in die natürliche Flussaue. Auf der anderen Seite bilden z.B. die abgedämmten Bereiche in der Fußacher Bucht ein wichtiges Rückzugsgebiet seltener Wasservögel im Winter und am Rheinspitz, der alten Rheinmündung, gibt es heute wertvolle Naturschutzgebiete.

Erst seit dem 20. Jahrhundert transportiert der Fluss Wasser und Sedimente kanalisiert in den See. Zuvor gab es oft gewaltige Schlammströme, die sich in Folge von Hochwasserereignissen schlagartig in den See ergossen (Turbidite). Verheerende Überschwemmungen richteten im Rheintal große Schäden an. Schließlich wurde 1892 nach mehreren katastrophalen Hochwässern von den Anrainerstaaten Schweiz und Österreich ein Staatsvertrag zur "Internationalen Rheinregulierung" unterzeichnet und im Jahr 1900 die Rheinmündung um 12 km nach Osten in die Fußacher Bucht verlegt. Die damit verbundene Verkürzung und Kanalisierung der Rheinstrecke zwischen St. Margarethen und dem Bodensee dämmen die Hochwassergefahr für das Mündungsgebiet erheblich ein.

Es erstaunt nicht, dass durch den Umbau die Ablagerung von Sedimenten und die Verlandung des Ufers nur verlagert wurden. Deshalb einigte man sich später auf die "Rheinvorstreckung", die Weiterführung des Rheinkanals in den See hinaus. Inzwischen führen die Dämme fast 5 km weit in den See bis zur Halde, wo das kältere Flusswasser mit seiner Sedimentfracht über die Haldenkante in die Tiefe verschwindet.

Wegen der unterschiedlichen Beschaffenheit (Temperatur, Schwebstoffgehalt) vermischen sich die Wassermassen nur langsam, der See bleibt klar und der Rhein fließt praktisch am Grund des Bodensees entlang weiter. Dies zeigt sich auch vor der alten Rheinmündung, wo man am Seeboden auf beeindruckende Canyons gestoßen ist. Diese tief eingegrabenen Rinnen zeugen noch von der ungehemmten Kraft des Alpenrheins vor der Regulierung.