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NSG, LSG Hochholz-Kapellenbruch
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NSG Hochholz-Kapellenbruch, Fauna und Flora
Weißstorch in den Wiesen des Kapellenbruchs (Rhein-Neckar-Kreis)
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Bild: NSG Hochholz-Kapellenbruch, Weißstorch
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Der Weißstorch (Ciconia ciconia), Leitart der Wiesen.

NSG, LSG Hochholz-Kapellenbruch:
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Übersicht

NSG, LSG Hochholz-Kapellenbruch

 

Natur- und Landschaftsschutzgebiet Hochholz-Kapellenbruch - Wiesen, Wälder, Sümpfe

 
Bild: NSG Hochholz-Kapellenbruch
NSG Hochholz-Kapellenbruch bei Malsch (Rhein-Neckar-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Ausläufer der Kinzig-Murg-Rinne im Bereich des Naturraums Hardtebene mit wechselfeuchten Wiesen, Großseggenrieden und naturnahen Bruchwäldern. Stellenweise finden sich noch ursprünglich bewirtschaftete landwirtschaftliche Nutzflächen auf überdeckten Niedermoorböden.

Das im Februar 2011 ausgewiesene erweiterte Naturschutzgebiet hat nun eine Größe von rund 240 ha. Es besteht aus den drei Teilgebieten  dem "Dörnigt" nahe Wiesloch-Walldorf dem "Kehrgrabensystem" (St. Leon-Rot) und dem Gebiet "Bruchwald, Watzenbruch und Straßenwiesen" (Malsch).

Im bisherigen Landschaftsschutzgebiet haben sich die Lebensräume durch die Umstellung von intensiver auf extensive Landwirtschaft nachhaltig regeneriert, sodass man immer häufiger die Rückkehr gefährdeter Pflanzen- und Tierarten gesichtet habe. Dazu zählen vor allem seltene Vogelarten wie Kiebitz und Braunkehlchen.

 
Bild: Kahlbach bei Malsch (Rhein-Neckar-Kreis)
Schotter und Geröll im Bett des Kahlbachs
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Der Kahlbach bei Malsch (Rhein-Neckar-Kreis). Schotter und Gerölle verschiedener Herkunft im trockenen Bachbett in Höhe der Gemarkung Hanfländer.

 
Bild: Hochholz-Kapellenbruch bei Malsch
Verwilderte Obstbäume an der Hangkante zum Kraichgau.
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Verwilderte Obstbäume prägen das Landschaftsbild an der Hangkante zum Kraichgau.

 
Bild: NSG Hochholz-Kapellenbruch (Rhein-Neckar-Kreis)
NSG Hochholz-Kapellenbruch, Erlensumpfwald
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Der Erlensumpfwald am Grenzweg liegt in einer langezogenen Senke der ehemaligen Kinzig-Murg-Rinne. Die Böden sind hier stark vom Grundwasser beeinflußt, meist humos bis anmoorig. Der Bestand an echten Erlensumpfwäldern und intakten Niedermooren ist aufgrund zurückliegender Entwässerungsmaßnahmen stark zurückgegangen. Der Hochholz-Kapellenbruch ist eine der wenigen Reliktstandorte dieser ursprünglichen Feuchtgebietslandschaften der Oberrheinebene.

Das landschaftlich abwechslungsreiche Natur- und Landschaftsschutzgebiet liegt im südlichen Rhein-Neckar-Kreis zwischen St. Leon-Rot, Wiesloch-Frauenweiler, Rauenberg und Malsch. Es umfaßt im Westen und Norden Teile des Naturraums Hardtplatten (Hockenheimer Hardt) zwischen St.Leon-Rot und Wiesloch sowie die feuchten, anmoorigen Ausläufer der ehemaligen Kinzig-Murg-Rinne westlich der B 3 bei Malsch. Der östliche Bereich des Schutzgebietes zählt zum Kraichgau (Rauenberger Bucht). In dieser Randhügelzone finden sich lehmige, tonige Böden, die stellenweise reich an fossilen Ablagerungen sind (Frauweiler Wiesen, Tongrube Unterfeld 1 bei Rauenberg). Das NSG, LSG Hochholz-Kappellenbruch ist mit seiner Unterschutzstellung in 1991und 2011 (Erweiterung) ein relativ "junges Schutzgebiet" mit guten Entwicklungsmöglichkeiten. Es zählt seit 2004 zur Natura 2000 Gebietskulisse "Kinzig-Murgrinne Kapellenbruch" (Gebietsnr.: 6717342).

Das 2011 auf 264 ha vergrößerte Naturschutzgebiet teilt sich in drei Flächen:

NSG Dörnigt (Dörnicht)

Die Schutzwürdigkeit dieser Fläche liegt schwerpunktmäßig in Alter und Zusammensetzung der Waldflächen. Hier stocken auf pleistozänen Lehm- und Sandböden unterschiedliche Ausbildungen von Stieleichen-Hainbuchen-Wäldern. Besonders der westliche Teil des Dörnigt ist sehr altholzreich. Die Stieleiche ist dort wesentlich am Kronenaufbau beteiligt. In der Krautschicht dominieren basiphile Pflanzenarten, die im Süden durch einige trockenliebende, auf Flugsand wachsende Arten ergänzt werden.

NSG Kehrgrabensystem

Mit dem Bau von Gräben 1933 durch den Reichsarbeitsdienst, versuchte man die bislang ungeregelte Überflutung der Wiesenflächen zu regulieren. Vorort handelt sich um den Kehrgraben (auch Kirrgraben) mit seinen Nebengräben sowie um den Kahlbach. Bäche wie Gräben im Schutzgebiet fließen entgegen der üblichen nördlichen Abflussrichtung nach Süden - (daher: Kehrgraben). Die Gräben im Schutzgebiet sind 1 bis 3 m breit und liegen bis etwa 1,5 m unter der Geländeoberkante. Feuchte Wiesen bieten Amphibien hier beste Lebensbedingungen - zur Freude der Weißstörche. Bemerkenswert ist auch das große Vorkommen des seltenen Schmalblättrigen Rohrkolbens (Typha angustifolia).

NSG Bruchwald, Watzenbruch und Straßenwiesen

Das größte Teilgebiet der drei genannten NSG' s umfaßt den Bruchwald in den feuchten Rinnen östlich und westlich der Bahntrasse (Heidelberg - Karlsruhe), die hier auf einem Damm verläuft. Daneben finden sich mehrere Gräben mit ebenen Wiesen- bzw. Ackerflächen, die bis zum Kraichgauanstieg reichen. Im Gewann Straßenwiesen unterhalb der Ziegelei liegen verwilderte, verlassene Obstbaumparzellen mit alten Zwetschgen- und Mirabellenbäumen, die ausgezeichnete Lebensräume für Vögel und Fledermäuse darstellen.

Im Westen am Grenzweg stößt man auf seltene Erlensumpfwälder (Alnus glutinosa). Hier sind die Böden noch stark vom Grundwasser beeinflußt (humos bis anmoorig). Sie werden insbesonders nach der Schneeschmelze oder durch austretendes Grundwasser überstaut. Je nach Witterung steht hier für längere Zeit das Wasser. Dies führt zu Sauerstoffmangel im Oberboden, der den Abbau organischer Substanz verhindert. Die darüber anstehenden Wasserflächen färben sich dadurch milchig-grau.

Hinter dem Grenzweg gelangt man zu einem kleinen Dünenrücken. Das leicht ansteigende, durch Flugsand geformte Gelände, führt aus der Kinzig-Murg-Rinne heraus. Vor dem Besucher öffnet sich die weitläufige Ebene der Hockenheimer Hardt.


1 Die ehemalige Tongrube Unterfeld bei Rauenberg ist heute eine Fossilien-Fundstätte von Weltrang. Sie grenzt unmittelbar an das Schutzgebiet. Nach ihrer Stilllegung wurden hier ca. 30 Millionen Jahre alte Versteinerungen von Kolibris und anderen Vögeln bis hin zu zahllosen Fisch-Fossilien aus den tertiären Tonschichten geborgen.