Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Baden-Württemberg
BW-Standardkarte
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
Beispiele zum Thema
Nächstes Beispiel
Klimawandel und extreme Wetterereignisse (1/6)
Extreme Wetterereignisse
Haßmersheim, Jahrhunderthochwasser am Neckar 1993
(Element 1 von 9: Bild)
Bild: Haßmersheim Hochwasser 1993
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element

Neckar-Hochwasser in Haßmersheim (Neckar-Odenwald-Kreis) im Jahr 1993.

Ursachen von Hochwasser sind hohe Niederschlagsmengen, die im Sommer vorwiegend in kurzer Zeit oder im Winter meist über längere Zeiträume fallen und über die Gewässer des betroffenen Einzugsgebietes zum Abfluss gelangen. Die Form der Hochwasserwelle (zeitlicher Verlauf und Höhe des Abflusses) hängt dabei von ereignisspezifischen und gebietsspezifischen Faktoren (z.B. Landnutzung) ab.

Zur Bereitstellung von Hochwassergefahrenkarten für eine größere Nutzergemeinschaft, stellt das Land Baden-Württemberg einen interaktiven Kartendienst zur Verfügung. Als wesentliche Informationen werden darin Überflutungsflächen und -Tiefen dargestellt.

Klimawandel und extreme Wetterereignisse

Einzelne Unwetterereignisse können nicht auf den Klimawandel zurückgeführt werden. Erst die Betrachtung der Häufigkeit und Stärke von Unwetterereignissen über einen längeren Zeitraum lässt Aussagen darüber machen, ob Veränderungen im Gange sind. Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass durch den Klimawandel im Winterhalbjahr mit mehr Starkregen zu rechnen ist. Folge davon sind mehr Überschwemmungen sowie zunehmende Bodenerosion.

 

Folgen des Klimawandels

Vorherige Seite Nächste Seite
 

Folgen für die Natur

 
Bild: Gottesanbeterin
Europäische Gottesanbeterin (Mantis religiosa)
(© LUBW, Autor: M. Witschel)

Ausgewachsene Gottesanbeterin (Mantis religiosa) am Isteiner Klotz. In Baden-Württemberg ist die Verbreitung auf sog. Wärmeinseln begrenzt. Verbreitungsschwerpunkt ist der Südliche Oberrhein mit dem Isteiner Klotz und dem Kaiserstuhl. Neuerdings konnte die Fangschrecke auch in Nordbaden im Raum Karlsruhe nachgewiesen werden.

Das Imaginalleben der Gottesanbeterin kann bei günstigen Umgebungtemperaturen und Nahrungsangebot bis zu 12 Monate dauern. Die Fangschrecken sind ausgesprochene Tagtiere.  Die natürlichen Feinde sind vor allem Vögel, Fledermäuse und Spitzmäuse.

Im Gegensatz zu den Saltatoria haben die Mantiden keine Sprungbeine, sie bewegen sich meist durch ein Schreiten oder Klettern mit allen drei Beinpaaren fort; während die Männchen auch kurze Strecken fliegen, sind die Weibchen dazu nach der Befruchtung nicht mehr in der Lage. Größere Wanderungen wurden noch nicht beobachtet.

.

 
Bild: Kuckuck
Kuckuck (Cuculus canorus)
(© LUBW, Autor: T. Dove)

Kuckuck (Cuculus canorus) - Vogel des Jahres 2008.

Der Kuckuck legt seine Eier einzeln in Nester kleinerer Singvögel (z.B. Teichrohrsänger, Rotkehlchen) und betreibt selbst keine Brutpflege.

 
Bild: Bachforelle
Bachforelle (Salmo trutta fario)
(© LUBW, Autor: R. Berg)

Bachforellen (Salmo trutta fario) besiedeln fließende, sauerstoffreiche, kühle und klare Gewässer mit kiesigem oder sandigem Untergrund in fast ganz Europa. Da die Bachforelle meist in räumlich abgegrenzten Lebensräumen vorkommt, existieren zahlreiche Unterarten (lokale Rassen).

 
Bild: Grafik Funde Furchenbiene BW
Funde der Gelbbindigen Furchenbiene (Halictus scabiosae) in Baden-Württemberg
(© Autor: LUBW)
 
Bild: Schwebegarnele (2)
Donau-Schwebegarnele (Limnomysis benedeni) - Ausbreitung in Rekordzeit
(© privat, Autor: Almut Hanselmann)

Die Donau-Schwebegarnele (Limnomysis benedeni) ist vom Schwarzen Meer aus, über die Donau eingewandert und wurde 1973 erstmals in Österreich nachgewiesen. Seitdem hat sie sich flussaufwärts über den Main-Donau-Kanal bis in die Niederlande und nach Frankreich verbreitet.

Im Bodensee trat die Schwebegarnele erstmals im Sommer 2006 auf. Bereits ein Jahr später kam die Art im gesamten Obersee vor. Mittlerweile ist sie in allen Teilen des Bodensees zu finden. In einigen Bereichen gibt es Massenvorkommen.

Die Tiere halten sich über Steingrund oder zwischen Wasserpflanzen auf. Bei der Wahl ihrer Nahrung sind die Krebstiere nicht wählerisch. Die Garnelen haben ein breites Nahrungsspektrum. Sie ernähren sich von Phytoplankton (aus Kieselalgen, Grünalgen, Goldalgen, Dinoflagellaten und Cyanobakterien) und filtrieren zerfallende organische Substanzen, also Reste abgestorbener Pflanzen und Tiere (Detritus).

 

 
Bild: Blutrote Heidelibelle (2)
Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum)
(© privat, Autor: B. Grießmann)

 

Mit etwas über 1.000 gemeldeten Vorkommen ist die Blutrote Heidelibelle (Sympetrum sanguineum) nicht nur die häufigste Art ihrer Gattung, sondern zusammen mit dem Großen Blaupfeil (Orthetrum cancellatum) auch die häufigste Libellenart in Baden-Württemberg. Die Vorkommen verteilen sich überwiegend auf die großen Flusstäler von Rhein und Neckar sowie auf das kleingewässerreiche Alpenvorland.

Die Blutrote Heidelibelle ist in den Monaten Juli bis Oktober an Stillgewässern aller Art anzutreffen. Sie besiedelt ein weites Spektrum meso-und eutropher, stehender und langsam fließender Gewässer: Seen, Teiche, Weiher und Kiesgrubengewässer, Kanäle und Gräben, Niedermoore und Seggensümpfe, Gewässer an Hochmoorrändern sowie Torfstiche. In Hochwasserjahren werden auch Massenvorkommen auf überfluteten Streuwiesen beobachtet. Die größten Vorkommen werden jedoch von größeren Gewässern mit ausgedehnten Verlandungssümpfen gemeldet. S. sanguineum meidet oligotrophe Hochmoorgewässer, vor allem deren Kernzonen der Hochmoore sowie Gewässer mit schnellerer Fließgeschwindigkeit. Optimale Habitate sind meist gut besonnt. Die Libelle bevorzugt auch Gewässer mit wechselndem Wasserstand und ist - neben der Gefleckten Heidelibelle (Sympetrum flaveolum) - eine charakteristische Art sommertrockener Überschwemmungsflächen.

Die meisten Imagines sterben bis Ende September, einige Nachzügler kann man aber unter Umständen noch bis Oktober beobachten, wobei sie noch bei 7° C Außentemperatur aktiv sein können. Die Libelle kann sogar mehrmalige Nachtfröste gut überstehen. Die Art ist lebhaft aber meist scheu. Ihr Flug erinnert ein wenig an den eines Schmetterlings. An sehr heißen Tagen versuchen sich die Imagines durch die sogenannte "Obelisk-Stellung", eine handstandähnliche Position, mit nach oben gerichtetem Abdomen, die sonnenxponierte Körperoberfläche zu minimieren, um sich so vor Überhitzung zu schützen. Vermutlich ebenfalls zur Thermoregulation dient der ausgeprägte, reversible Farbwechsel der Männchen: Bei tieferen Temperaturen dunkelrot, bei hoher Außentemperatur hellrot.

Da die heimischen Heidelibellen-Arten sich sehr ähnlich sind, können sie am sichersten anhand ihrer Genitalstrukturen unterschieden werden. Anders als die meisten anderen Arten hat S. sanguineum jedoch schwarz gefärbte Beine ohne gelbliche Längsstreifen.

In Baden-Württemberg ist S. sanguineum nicht gefährdet. Von der Zerstörung ihrer ursprünglichen Lebensräume ist aber auch diese Art betroffen. Teilweise konnte die Libelle auf Ersatzlebensräume wie Fischteiche oder Rückhaltebecken ausweichen.

Da S. sanguineum die Schwarzwaldhochlagen meidet, im Hochrheintal nahezu fehlt, das Kraichgau und den Untere Neckar nur sehr spärlich besiedelt, liegen die Vorkommen des Oberrheingrabens relativ isoliert zu denjenigen des Neckar-Tauberlands und Oberschwabens. Die Schwäbische Alb wird im Süden über Baaralb und Oberes Donautal-Baar und im Norden über Albuch und Härtsfeld sowie Lonetal-Flächenalb umgangen, sodass eine direkte Verbindung zwischen den Populationen im Neckar-Tauberland und im Alpenvorland besteht.

 

 

 

Artenvielfalt - Gewinner und Verlierer

Tiere und Pflanzen reagieren auf den Klimawandel. Laut IPCC-Bericht hat die anthropogene Erwärmung mit hohem Vertrauen bereits einen erkennbaren Einfluss auf biologische Systeme ausgeübt. Insbesondere durch die hohe Geschwindigkeit, mit der die Veränderungen voranschreiten, können sich viele Arten nicht anpassen. Sie müssen in andere Gebiete ausweichen oder sind vom Aussterben bedroht. Der renommierte Biologe Chris Thomas und seine Kollegen von der Universität Leeds (England) gehen davon aus, dass sich die Lebensbedingungen für die meisten Tier- und Pflanzenarten durch den Klimawandel verschlechtern werden1. Andererseits scheinen einige Arten auch vom Klimawandel zu profitieren, weil ihr Lebensraum größer wird oder sich die Umweltbedingungen verbessern. Insbesondere Wärme liebende Arten, wie zum Beispiel die Gottesanbeterin, fühlen sich zunehmend in Baden-Württemberg wohl.

Es ist zu erwarten, dass der Klimawandel in unseren Breiten vor allem den Wasserhaushalt von Standorten verändert. Anfällig für lange Trockenperioden sind vor allem flachgründige, relativ trockene Biotope ohne Grundwassereinfluss oder Feuchtgebiete mit kleinen Einzugsgebieten ohne Fließgewässeranbindung. So sind in Baden-Württemberg vor allem Tier- und Pflanzenarten betroffen, die auf Biotope mit hohem Wassergehalt angewiesen sind. Auf Moore spezialisierte Arten dürften zunehmend verdrängt werden.

Zugvögel reagieren schnell auf den Klimawandel

Die Vogelwelt reagiert offenbar empfindlich auf den Klimawandel. So wurden Änderungen im Zug- und Brutverhalten, in der Artenzusammensetzung und in den Verbreitungsgebieten von Vögeln festgestellt. In Baden-Württemberg verfrühte sich die Erstankunft von Zugvögeln um durchschnittlich 3 bis 5 Tage pro zehn Jahre. Bei mehr als der Hälfte der im Rahmen des KLARA-Projekts untersuchten Arten wurde ein verzögerter Wegzug im Spätsommer beobachtet. Kurzstreckenzieher verlassen Baden-Württemberg im Winter teilweise gar nicht mehr und entwickeln sich zu Standvögeln.

Beispiele für Auswirkungen:

  • Der Bienenfresser wurde vom sporadischen Gast zum regelmäßigen Brutvogel. Außerdem kehrt er durchschnittlich einen Tag pro drei Jahre früher aus seinen Überwinterungsgebieten zurück.
  • Der mittlere Legebeginn des Halsbandschnäppers im baden-württembergischen Albvorland hat sich Innerhalb von 30 Jahren um 11 Tage vorgeschoben. Gleichzeitig stieg der Schlüpferfolg um 0,3 Junge pro Nest.
  • Andere Vögel erleiden Nachteile durch den Klimawandel. Der Kuckuck orientiert sich hinsichtlich seines Zugverhaltens ausschließlich an den Tageslängen und lässt sich vom Klimawandel nicht beeinflussen. Als parasitärer Vogel ist er auf die Aufzucht durch Wirtsvögel angewiesen. Diese sind bei Eintreffen des Kuckucks bereits mitten im Brutgeschäft und stehen zunehmend nicht mehr als Wirtsvögel zur Verfügung.
  • Der Steinschmätzer gehört zu den Verlierern des Klimawandels. Durch Dürren in den Überwinterungsgebieten und die Ausweitung der Wüsten ist die Anzahl in Mitteleuropa in den letzten Jahren drastisch zurückgegangen. Der Einbruch war mit 90% gerade in Deutschland besonders hoch. In Baden-Württemberg gab es in den 50er-Jahren noch rund 1000 Brutpaare. Heute sind nur noch wenige Dutzend übrig.

Siehe auch: Blaumeisen profitieren vom Klimawandel

Nördliche Gefilde und Gebirge zunehmend beliebter

Um der Erwärmung auszuweichen, könnten Tiere und Pflanzen ihre Verbreitungsgebiete nach Norden oder in höher gelegene Regionen verschieben. Beobachtet wurde beispielsweise, dass der Auerhahn sein Brutareal in höhere Lagen des Schwarzwalds erweitert hat. Auch die Schwarzwald-Flora scheint sich zu verändern. Das durch Tannen und Fichten geprägte Bild könnte durch andere Arten, wie Flaumeichen, ersetzt werden. Insgesamt gehen die Wissenschaftler von einer Verschiebung der Waldgesellschaften um 300-500 m nach oben aus.

Arten, die ursprünglich weiter südlich auftraten, verbreiten sich zunehmend auch in den nördlichen Landesteilen. Ein Beispiel ist die Gelbbindige Furchenbiene (Halictus scabiosae), die noch vor 15 Jahren ausschließlich am südlichen Oberrhein gefunden wurde. Mittlerweile kann sie bis in Höhenlagen von 500 Metern NN überall in Baden-Württemberg nachgewiesen werden.

Auch in Fließgewässern sind Verschiebungen zu beobachten, die wahrscheinlich mit der Klimaerwärmung zusammenhängen. Die Kälte liebende Bachforelle ist auf dem Rückzug. Es zeigte sich, dass wärmetolerantere Arten aus den Unterläufen in die kühleren Oberläufe abwandern .

Exoten in Baden-Württemberg

Vermutlich ist der Klimawandel ein Grund dafür, dass sich exotische Tiere und Pflanzen aus wärmeren Gefilden zunehmend in Baden-Württemberg wohlfühlen. Seit den 60-er Jahren des 20. Jahrhunderts breitet sich beispielsweise der Halsbandsittich entlang des Rheingrabens immer weiter aus und bildet mittlerweile sehr stabile Populationen. 2009 wurden etwa 600 Individuen allein in Heidelberg gezählt.

Neue Arten: Ein Risiko für die Umwelt?

Laut Erkenntnissen des IPCC gilt die Invasion fremder Arten als einer der Hauptgründe für den Verlust der Artenvielfalt. Häufig werden heimische Arten verdrängt, empfindliche Ökosysteme werden gestört. Die konkreten Folgen der Einwanderung fremder Arten sind jedoch nur schwer vorherzusehen. Die Wechselwirkungen sind im Einzelnen kaum erforscht.

Eine starke Nahrungskonkurrenz für einheimische Arten stellt die ursprünglich nicht heimische Dreikantmuschel (Dreissena polymorpha) dar. Wassertemperaturen von über 15 °C fördern ihre Ausbreitung im Bodensee. Die Muscheln wurden durch den Schiffsverkehr eingeschleppt. Auf dem gleichen Weg gelangten Schwebegarnelen (Limnomysis benedini) in den Bodensee. Sie breiten sich seit 2006 in Rekordzeit aus.

Wärme liebend sind auch die Kanadische und Späte Goldrute, die 1758 als Zierpflanzen zunächst nach Großbritannien eingeführt wurden, sich dann aber rasch über ganz Europa ausbreiteten. Die Goldrute bildet einen kräftigen Bewuchs, der einheimische Arten verdrängt und sogar die Ansiedlung von Gehölzen verhindert.

Weitere Informationen zu Neuankömmlingen im Themenpark Umwelt

Projekt „Apfelblütenland"

Um die Veränderungen der Jahreszeiten zu dokumentieren, hat die LUBW - Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg in Kooperation mit der Fernsehsendung Planet Wissen das Projekt „Apfelblütenland" ins Leben gerufen. Zuschauer melden jedes Jahr den Blühbeginn der Apfelbäume in ihrer Region. Ein wichtiges Ergebnis der Aktion: Vielerorts blühen die Apfelbäume heute früher als noch vor wenigen Jahrzehnten. Im Vergleich zum Beobachtungszeitraum 1961-1990 setzt der Frühling bis zu 10 Tage früher ein. Der frühere Blühbeginn kann zu Problemen im komplexen Wirkungsgefüge zwischen bestäubenden Insekten und den bestäubten Pflanzen führen.

Informationen und Ergebnisse des Projekts "Apfelblütenland"


1 Thomas, Chris et al.: Extinction risk from climate change. Nature 427, S. 145-148, 2004 ^