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Rote Wand bei Kayh
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Die Rote Wand am Schönbuchrand
Der Grafenberg am Schönbuchrand (Ldkr. Böblingen)
(Element 1 von 5: Bild)
Bild: Der Grafenberg
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Streuobst und Steppenheide am Schönbuchrand; kleinräumiges Mosaik von Tier- und Pflanzengesellschaften mit einer Vielzahl von seltenen und bedrohten Arten. Der Grafenberg war 1969 das erste Naturschutzgebiet im Landkreis Böblingen. Den Anlass, das Gebiet unter Schutz zu stellen, gab das Vorkommen der Ungarischen Platterbse, einer an extreme Trockenheit angepassten Steppenpflanze, von der in Deutschland bislang nur drei Standorte bekannt sind.

 

Rote Wand bei Kayh:
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Rote Wand bei Kayh

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Die Rote Wand am Schönbuchrand

 
Bild: Rote Wand bei Kayh, Keuper
Rote Wand bei Herrenberg-Kayh (Ldkr. Böblingen)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Der Böschungsaufschluss im Naturschutzgebiet Grafenberg nordöstlich von Kayh (Stadtteil von Herrenberg) zählt zur geologischen Formation des Mittleren Keupers. Die sog. Rote Wand zeigt eindrucksvoll den oberen Bereich der Bunten Mergel. Die charakteristische rote Farbe ist auf das in dem Gesteinsstaub vorhandene, fein verteilte, 3-wertige Eisenoxid zurückzuführen.

 
Bild: Rote Wand bei Herrenberg-Kayh (Ldkr. Böblingen)
Kräftige Farbkontraste kennzeichnen den Geologischen Aufschluss
(© LUBW, Autor: C. Ritter)
 
Bild: Rote Wand bei Herrenberg-Kayh (Ldkr. Böblingen)
Rote und grüne Mergel
(© LUBW, Autor: C. Ritter)

Die rot gefärbten Mergel enthalten Eisenoxide. Sie entstehen bei Luftzutritt. Die grünlichen Gesteinsfarben beruhen auf reduzierten Eisenverbindungen.

Die Rote Wand, nordöstlich der Gemeinde Kayh (Stadtteil von Herrenberg), liegt eingebettet im Naturschutzgebiet Grafenberg am südlichen Rand des Schönbuchs. Der Geologische Aufschluss (*) zählt zur Formation des Mittleren Keuper und zeigt eindrucksvoll den oberen Bereich der Bunten Mergel mit Übergängen bis zum Stubensandstein. Die charakteristische rote Farbe ist auf das in dem Gesteinsstaub vorhandene, fein verteilte, 3-wertige Eisenoxid zurückzuführen. Für die Entstehung dieses markanten Profils hat die eiszeitliche Ammer gesortgt, die sich hier durch den harten Stubensandstein gefressen hat. Die weicheren Bunten Mergel sowie der Gipskeuper, die darunter liegen, sind damit nun an den Hängen und Steillagen sichtbar - im geologischen Sprachgebrauch "aufgeschlossen".

Den Fuß des Stufenrandes bildet der Gipskeuper. Die Böden in diesem Bereich sind wasserstauend und werden als Wiesen genutzt. Im oberen Hangbereich finden sich wie bereits erwähnt die Bunten Mergel, - hier überwiegend rötlich gefärbt, stellenweise unterbrochen von grünen Linien und Flächen.

Die Stirn der Geländestufe sowie die Hochfläche bildet der Stubensandstein (km 4 = Mittlere Keuperstufe 4), der im Gebiet mit bis zu 30 m Mächtigkeit ansteht. Aus ihm gehen meist nährstoffarme und trockene Böden hervor. Darauf wachsen wärmeliebende Waldgesellschaften (z.B. Steppenheidewald mit Waldkiefer und Eiche).

Die Nutzung der Hanglagen liegt bzw. lag im Weinbau, der bis in das 13. Jh. zurückgeht, inzwischen aber nur noch eine untergeordnete Rolle spielt. Zur Blütezeit des Weinbaus im 16. Jh. wurde der hiesige Rebensaft bis nach Ulm vertrieben. Als im 30jährigen Krieg (1618-1648) der Weinabsatz drastisch zurückging stiegen die Bauern im Ammertal nach und nach auf den Anbau von Dörr, Most- und Tafelobst um. Auf den Wiesenflächen zwischen den Bäumen hielt man Schafe und Rinder. Diese extensive Bewirtschaftung der Landschaft ist heute noch am Schönbuchrand weit verbreitet.

Klimatisch ist das Gebiet durch einen verhältnismäßig langen Sommer aber auch langen Winter, mit geringen Niederschlagsmengen, gekennzeichnet. An den steilen Südhängen, die stellenweise Neigungen von 30-40 Grad aufweisen können, finden sich spezifische Tier- und Pflanzengesellschaften.


* Der Begriff "Geologischer Aufschluss" steht für Stellen der Erdoberfläche, an denen sonst durch Boden oder Pflanzenbewuchs verdecktes Gestein unverhüllt zutage tritt (MURAWSKI 1977). Ob ein Aufschluss natürlichen oder anthropogenen Ursprungs ist, ist zunächst nicht entscheidend.

MURAWSKI, H. (1977): Geologisches Wörterbuch. - 288 S., Stuttgart (Enke).

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1 Die Rote Wand am Schönbuchrand