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Kalksinter im Glatt-Tal
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Kalktuffe im Glatt Tal
Kalksinterquelle im Glatt-Tal
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Kalksinter im Glatt-Tal:
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Kalksinter im Glatt-Tal

 

Die Sinterterrassen im Glatt-Tal (Ldkr. Rottweil) - Kunstwerke der Natur

 
Bild: Kalksinterquellen Glatt (Ldkr. Rottweil)
Aufgeschlossene Böschung an der Glatttalstraße
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Die frisch angeschnittene Straßenböschung der K 5508 besteht aus verfestigtem hellem Kalksinter.

 
Bild: Kalksinterterrassen Glatt
Kalksinterterrassen bei Glatt (Ldkr. Rottweil)
(© LUBW, Autor: C. Ritter)

Dichte, vielfarbige Moospolster (u.a. Cratoneuron commutatum) überziehen den Kalksinter. Zwischen den Moosblättchen lagert sich so lange Kalk ab, bis die Pflanzen nahezu versteinert sind.

Die Kalksinterterrassen westlich der Ortslage Glatt (Stadtteil von Sulz a.N.) finden sich am Unterhang des Butzenstein, unmittelbar am Hangeinschnitt der Glatttalstraße zwischen Hopfau und Glatt. Die eindrucksvollen Kalkablagerungen sind quartären Ursprungs. Sie entstanden meist in der Wärmephase (Interglazial) zwischen Riß- und Würmeiszeit sowie in der jetzigen Epoche der Nacheiszeit (Postglazial).

Der anstehende Kalksinter (Kalktuff) gehört zur Familie der Kalkgesteine. Er bildet sich durch Abscheidungen von kohlensaurem Kalk aus dem fließenden und tropfenden Wasser mineralreicher Quellen, in Form von terrassenförmigen Überzügen an Felswänden und Berghängen. Der Quellhorizont der Sinterterrassen befindet sich im Staubereich des Unteren Muschelkalks.

Die Ausprägung der Sinterterrassen erfolgt sehr langsam über lange Zeiträume. Der Kalksinter überkrustet dabei sowohl die Bodenoberfläche einschließlich der am Boden wachsenden Pflanzen, wie z.B. Moose, Farne und Gräser. Typische Moosarten kalkreicher Quellen, die die Sinterbildung unterstützen, sind das Quellmoos (Philonotis calcarea) und das Starknervmoos (Cratoneuron commutatum).

Die Wachstumsgeschwindigkeit des Kalksinters hängt von folgenden Faktoren ab:

  • die gelöste Kalk-Konzentration im Wasser
  • den CO2-Gehalt im Wasser
  • die Menge des herabtropfenden Wassers
  • Temperatur und Luftfeuchte der Umgebung

Die Sinterbildung stoppt unmittelbar mit dem Versiegen der Quelle oder wenn sich der Verlauf der Fließrichtung des Sickerwassers, z.B. durch topografische Verhältnisse, ändert.

Die mächtigen Kalktuffe im Glatt-Tal wurden früher als Steinbruch genutzt. So finden sich in den Mauern am Wasserschloss zahlreiche eingearbeitete Kalksintersteine. Heute sind die Sinterformationen als Naturdenkmal ausgewiesen und entsprechend gesetzlich geschützt. Vergleichbare Formationen finden sich im Dießener Tal bei Horb a.N. (Ldkr. Freudenstadt) sowie auf der Schwäbischen Alb und im Alpenvorland.