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Steinbruch Leferenz
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Steinbruch Leferenz
Quarzporphyrsteinbruch Gebrüder Leferenz (Dossenheim, Rhein-Neckar-Kreis)
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Bild: Porphyrsteinbruch Dossenheim
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Quarzporhyrsteinbruch der Fa. Gebrüder Leferenz *. An der über 100m hohen Steilwand (hier: am Kirschenhals) zeigt sich die Mächtigkeit des säulenförmig anstehenden Quarzporphyrs besonders eindrucksvoll. Über 100 Jahre wurde hier intensiv abgebaut. Der Betieb wurde 1985 eingestellt. 2009 wurde der stillgelegte Steinbruch zum Geotop des Jahres gekürt.

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* Gründer der Heidelberger Straßen- und Bergbahn AG

 

Steinbruch Leferenz:
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Steinbruch Leferenz

 

Quarzporphyr-Steinbruch Leferenz bei Dossenheim (Rhein-Neckar-Kreis)

 
Bild: Porphyrsteinbruch Leferenz  (6), Dossenheim
Porphyrsteinbruch Leferenz - heutiger Eingangsbereich
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Der Eingangsbereich mit dem alten Seilbahnhäuschen, das 1975 mit dem Abriss der Drahtseilbahn und der Verladestation seine Funktion verloren hat.

 
Bild: Porphyrsteinbruch Leferenz - Technik, Ablaufberg
Technisches Denkmal, Ablaufberg (Bremsberg) mit Lore
(© M. Linnenbach)

Mit Feldbahngleisen versehene Bremsberge verbanden ursprünglich die verschiedenen Gesteinsterrassen (Bermen) miteinander. Später übernahmen auch Förderbänder und Luftseilbahnen den Weitertransport des gebrochenen Gesteins.

Die Geschichte des Steinbruchs nahm 1882 ihren Anfang, als die Gebrüder Leferenz KG, ein Heidelberger Unternehmen für Tiefbau, mit dem Abbau von Quarzporphyr unterhalb des Hohen Nistlers begannen.

Auch die Anbindung der Bergstraße an das Schienennetz der Badischen Staatsbahn geht auf die Brüder Leferenz zurück. Doch der Bau einer Bahnlinie von Schriesheim über Dossenheim nach Heidelberg, für die sie 1883 die Konzession erhielten, verzögerte sich zunächst. Erst nachdem die Süddeutsche Eisenbahn-Gesellschaft (SEG, spätere OEG) die Konzession übernahm, lief die erste Dampfstraßenbahn im Jahr 1890. Auf der anfangs nicht elektrifizierten Strecke wurden Züge mit zweiachsigen Schmalspurlokomotiven (teilweise als Kastendampflok verkleidet, sog. "Feuriger Elias") eingesetzt.

Die Gebrüder Leferenz standen zu Beginn in direkter Konkurrenz zum Großherzogtum Baden (später Freistaat Baden), das in Dossenheim am Sporenberg bis 1926 einen staatseigenen Porphyr-Steinbruch betrieb. Mit der Einführung moderner Techniken konnte sich der Familienbetrieb dennoch gut gegen die große Konkurrenz behaupten, denn auch am Ölberg wurden nahezu gleichzeitig große Mengen Quarzporphyr gefördert. Für viele Arbeitsschritte, die in den benachbarten Steinbrüchen noch mühevoll von Hand erledigt wurden, setzten die Gebrüder Leferenz nun Maschinen ein. Mittels eines ausgeklügelten Systems von gespurten Bremsbergen und Luftseilbahnen wurde das Gestein aus der Vorbergzone rasch zu Tal befördert und im betriebseigenen Schotterwerk zerkleinert.

Um den Anschluss der Dossenheimer und Schriesheimer Steinbrüche zu optimieren, wurde 1906 eine reine Güterbahnlinie vom Heidelberger Güterbahnhof durch das Neuenheimer Feld (Klausenpfad) bis nach Schriesheim eröffnet. Die Bahntrasse war mit einem sog. Dreischienengleis sowohl als Meterspur (1.000 mm Schmalspur) als auch in Regelspur (1.435 mm) ausgestattet, da Loks und Wagen der OEG nur auf Schmalspurschienen laufen, der Güterbahnhof in Heidelberg aber nur über die Regelspur erreichbar war. Die Verladestation des Steinbruchs Leferenz hatte ihren Standort bis 1975 am heutigen Einkaufszentrum "Am Petrus". Hier wurde der Porphyr direkt auf Güterwagen der OEG verladen.

Die starke Expansion der Gemeinde Dossenheim nach dem 2. Weltkrieg führte dazu, dass die Wohnbebauung immer näher an die alten Anlagen heran reichte. Staub und Lärm, die beim Verladen des Gesteins täglich enstanden, führten zu Konflikten mit den Anwohnern und letztendlich auch zum Rückbau von Seilbahn und Verladestation. Im Jahr 1985 kam dann aus wirtschaftlichen Gründen das endgültige Aus für den Steinbruch Leferenz. Das erfolgreiche Familienunternehmen befand sich zu diesem Zeitpunkt bereits in der 4. Generation.

Heute sind die aufgeschlossenen Steinbruchflächen und Gesteinsterrassen mit ihren teilweise noch erhaltenen technischen Anlagen ein einzigartiges Museumsgelände, das seit Mai 2009 für die Öffentlichkeit an bestimmten Tagen zugänglich ist. Selbst wenn manche Bereiche aus Gründen der Sicherheit, des Naturschutzes und der Vereinsnutzung auch weiterhin gesperrt bleiben müssen, präsentiert sich hier ein Freiluftmuseum mit Seltenheitswert.