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Huzenbacher See
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Huzenbacher See (Ldkr. Freudenstadt)
Uferbereich an der Nord-Ostseite (April 2009)
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Bild: Huzenbacher See (Ldkr. Freudenstadt)
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Huzenbacher See - Frühjahrsaspekt.

Huzenbacher See:
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Übersicht

Huzenbacher See

 

Eiszeitlich geprägter Karsee bei Huzenbach im Nationalpark Schwarzwald (Ldkr. Freudenstadt)

 
Bild: Huzenbacher See (Bild 2)
Huzenbacher See (Ldkr. Freudenstadt) - Blick von der Karwand (2006)
(© GNU FDL, Autor: Hans-Joerg Groß)

Der Huzenbacher See ist als sog. Karsee in der letzten Eiszeit (Würm-Eiszeit) entstanden. Das ca. 8 m tiefe Gewässer wurde über einen längeren Zeitraum von der Murgschifferschaft (= Handelsgesellschaft: Holzfäller, Flößer, Sägewerksbesitzer) als Schwallgewässer für die Flößerei genutzt . Das vorort aufgestaute Wasser wurde je nach Bedarf in den Seebach eingeleitet, um geschlagenenes Holz (meist Stämme) in das Murgtal zu transportieren. Von dort aus gelangten die zu Flößen zusammengebundenen Baumstämme über die Murg in den Rhein bis nach Mannheim. Die Flößerei verlor erst nach dem Bau der Murgtaleisenbahn um 1900 ihre Bedeutung.

(Aufnahme: 30.6.2006).

 
Bild: Karsee, Entstehung, Grafik
Entstehung eines Karsees
(© public domain)

Glazial geprägter Karsee (Übergangsmoor) auf 747 m Höhe im Naturraum Grindenschwarzwald und Enzhöhen. Seine Entstehung, vor etwa 25.000 Jahren, geht auf die Würmeiszeit zurück. Der Begriff Karsee stammt vom althochdeutschen Wort „Kar" für Gefäß ab. Kare sind große Mulden, die von Hängegletschern an den Talflanken nahezu kreisförmig ausgehobelt wurden. Im Talschluß des Seebachs, der sich nach Nordosten öffnet, vereisten die Quellen zu kleinen Gletschern, auf denen sich im Sonnenschatten große Schneemassen anhäuften. Die Sonne, die jährlich mehrere Monate die steile Talschlucht nicht erreicht, konnte die gewaltigen Schneemassen nicht mehr abschmelzen. Im Fall des Huzenbacher Kars bildete sich dabei ein Eisblock von über 60 m Dicke. Die durch den Eisblock in mehreren tausend Jahren freigehobelte, kreisförmige Talmulde füllte sich nach dem Ende der Eiszeit (vor. ca. 10.000 Jahren) und dem Abtauen der Gletscher zunächst mit Schmelz-, danach mit Regenwasser. In der Abschmelzzone des Eises blieb das mitgeführte Gesteinsmaterial liegen und häufte sich zu einem Damm an (Endmörane). Der wasserreiche Seeabfluß grub im Lauf der Zeit eine tiefe Kerbe in den Endmoränenwall. Dadurch senkte sich Wasserspiegel des Karsees laufend ab. Letztendlich blieb die heute deutlich kleinere, anmoorige Seefläche zurück.

Das Huzenbacher Kar liegt in der geologischen Formation des Mittleren Buntsandsteins. Der etwa 8 m tiefe See wird durch zwei Zuflüsse gespeist, ein dritter Zufluss führt nur bei Starkregen oder Schneeschmelze Wasser. Aufgrund der basenarmen Geologie ist das Stillgewässer stets sauer. Die heutige Gestalt des Sees bildete sich erst nach dem Bau einer dauerhaften Staumauer durch die Forstverwaltung im Jahr 1895. Zuvor wurde das Gewässer durch die Murgschifferschaft, einer Handelsgesellschaft aus Holzfällern, Flößern und Sägewerksbesitzern, zum Zwecke des Holzflößens als Schwallgewässer (Stausee) intensiv genutzt. Durch den Bau der Murgtalbahn (1868-1894) kam die Flößerei nach und nach zum Erliegen. Im Jahr 1896 trieb das letzte Floß der Handelsgesellschaft die Murg hinunter.

Als Dokument nacheiszeitlicher Entwicklungsabläufe beherbergen die verschiedenen Lebensräume des Karsees zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten. Das nahezu kreisrunde Gewässer kann auf einem Rundwanderweg begangen werden.