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Bergrutsch bei Urbach
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Bergrutsch bei Urbach
Abgerutschte Hangmassen am Kirchsteig
(Element 1 von 9: Bild)
Bild: Bergrutsch bei Urbach (Rems-Murr-Kreis)
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Die Rutschung vernichtete ca. 3 ha landschaftstypische Streuobstwiesen sowie einige eingestreute Garten- und Freizeitgrundstücke mit Hütten.

Bergrutsch bei Urbach:
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Übersicht

Bergrutsch bei Urbach

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Bergrutsch am Kirchsteig bei Urbach (Rems-Murr-Kreis)

 
Bild: Bergrutsch bei Urbach
Bergrutsch am Kirchsteig bei Urbach (Rems-Murr-Kreis)
(© RP Stuttgart, Autor: M. Steinmetz)

Lange andauernde Regenfälle hatten im April 2001 nördlich von Urbach im Rems-Murr-Kreis rund 70.000 m³ mit Streuobstwiesen bestandene Erd- und Gesteinsmassen zum Kirchsteigtobel hin abrutschen lassen und einen weithin sichtbaren Aufschluss freigelegt. Da derartige Massenverlagerungen selten vorkommen, hatte die damalige Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege Stuttgart (BNL) vorgeschlagen, den gesamten Formenschatz des neu entstandenen Geotops als Schutzgebiet zu sichern. Im Jahr 2008 wurde der Bereich offiziell als Naturschutzgbiet ausgewiesen.

Vor Ort existiert ein Rundwanderweg, der den Besucher ausführlich über den Bergrutsch informiert.

 
Bild: Bergrutsch bei Urbach
Bergrutsch bei Urbach (Rems-Murr-Kreis)
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Mit dem Bergrutsch am Kirchsteig soll ein wissenschaftlich und naturgeschichtlich bedeutendes, geomorphologisches Großereignis in seiner  Besonderheit und Seltenheit gewürdigt und einer interessierten Öffentlichkeit erläutert werden. In seiner geradezu lehrbuchhaften Formenausprägung eignet sich der Aufschluss als Anschauungsobjekt für auch gegenwärtig im Keuperbergland ablaufende Landschaftsgestaltungsprozesse, wie beispielsweise die Rückverlagerung der Keuperschichtstufe.

Aufgrund der nachbruchträchtigen Gefahrenzone oberhalb der Felswand, wegen der Gefahr durch Steinschlag unterhalb der Abrisswand, Nachsackungen und sonstigen Ausgleichsvorgängen bleibt ein Betreten des Geotops gefährlich bzw. ist eine weitere, traditionelle Bewirtschaftung der betroffenen Parzellen auf längere Zeit hinaus nicht möglich.

 
Bild: Bergrutsch bei Urbach (Rems-Murr-Kreis)
Bergrutsch-Rundweg
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Nach lang andauernden Regenfällen rutschten am 7. April 2001 im Gewann Kirchsteig, rund 700 m nordöstlich des Ortsteils Oberurbach, Gemeinde Urbach (Rems-Murr-Kreis) ca. 70.000 m³ mit Streuobstwiesen bestandene Erd- und Gesteinsmassen auf über 3 ha zum Kirchsteigtobel hin ab und kamen erst 80 m tiefer kurz vor dem Gegenhang zum Stillstand. An der südexponierten Talseite entstand eine bis 17 m hohe und 240 m breite, leicht bogenförmige Abrisswand im Mittleren Keuper, davor der Graben einer Blockrutschungszone und am Unterhang eine weitgehend vegetationslose Fläche aus abgeflossenem Bodenmaterial.

Es war nicht die erste Hangrutschung in dieser Region. Schon 1921 gab es hier einen Bergsturz, damals am Alten Berg (s. Fachliche Details). Ähnliche Vorgänge ereigneten sich 1983 auch im Mittleren Jura (Brauner Jura) bei Mössingen (Landkreis Tübingen) sowie 1988 bei Waldstetten (Ostalbkreis). Fossile Bergstürze ähnlicher Größenordnung aus der Nacheiszeit sind die „Hausener Wand" bei Bad Überkingen und die „Spielburg" bei Göppingen sowe der „Bergsturz am Breitenstein" (Ldkr. Esslingen).

Der Kirchsteigtobel bei Urbach liegt in der naturräumlichen Einheit „Welzheimer Wald". Die hier vorwiegend mit Streuobst bestandenen Hänge bilden den südwestlichen Saum des Waldes, dessen Hochfläche randlich durch tief eingeschnittene Täler und Schluchten zerteilt wird. Seit dem Einbruch des Oberrheingrabens im Eozän zapft das Flusssystem des Rheins mehr und mehr das danubische Gewässernetz an und hat damit auch die Rems und ihre Zuflüsse umgelenkt. Das starke Gefälle zur neuen Erosionsbasis Rhein/Nordsee führt zum Eintiefen der Fließgewässer und zu übersteilten und damit instabilen Talhängen. So beträgt der Höhenunterschied von der Stubensandsteinhochfläche (412 m NN) oberhalb des Bergrutschgeländes über den Kirchsteigtobel zum Urbach etwa 140 m auf  insgesamt 1 km Luftlinie.

Der Schichtenaufbau am Hang wird beherrscht vom harten, klüftigen und wasserdurchlässigen Kieselsandstein, den eine geringmächtige Auflage der Oberen Bunten Mergel abdeckt; im Liegenden aber finden sich mit den Unteren Bunten Mergeln tonreiche und somit bei Wassersättigung gleitfähige Schichten. Neben übermäßiger Wasserzufuhr wirken diese geomorphologischen Verhältnisse am Kirchsteig rutschauslösend. Eine schon 1968 auf Luftbildern erkennbare Bruchfläche in den Unteren Bunten Mergeln begünstigte die Materiallockerung zusätzlich, so dass die infolge Durchfeuchtung aufgehobenen Scherkräfte einem schichtparallelen Blockgleiten nachgaben.

Übersicht:

1 Bergrutsch am Kirchsteig bei Urbach (Rems-Murr-Kreis)