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Kalktuffe im Dießener Tal
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Das Dießener Tal
Kalktuffrinne im Dießener Tal
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Bild: Kalktuffrinne im Dießener Tal (Ldkr. Freudenstadt)
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In den kohlensäurehaltigen Quellwassern der Muschelkalkschichten des Dießener Tals ist Kalziumkarbonat (kohlensaurer Kalk) bis zur Sättigung gelöst. Wird diesem Karstwasser Kohlendioxid entzogen – zum Beispiel von Moospflänzchen, die das Gas für ihre Fotosynthese benötigen – so fällt der Kalk aus. Er bildet zunächst eine feinkristalline Kruste um Zweige, Blätter, Steinchen und Sandkörner. Mit der Zeit entstehen poröse und bröselige Ablagerungen, die schließlich zu Stein aushärten und Kalktuff, Kalksinter oder auch Quellkalk genannt werden. Typische Moosarten kalkreicher Quellen, die die Sinterbildung unterstützen, sind das Quellmoos (Philonotis calcarea) und das Starknervmoos (Cratoneuron commutatum).

Zwei der imposantesten Kalktuffrinnen befinden sich im Gewann „Talweg“ an der Ortsverbindung Dießen-Haidendorf sowie im Engerstal. Es handelt sich dabei um die Gewässerläufe des Dießenbaches, Haressenbaches und des Engenbaches. Ältere, zwischeneiszeitliche Kalktuffbildungen wurden im Dießener Tal als Steinbrüche genutzt, wie etwa an der Unteren und Oberen Sägemühle.

Kalktuffe im Dießener Tal:
Weitere Informationen
 
Übersicht

Kalktuffe im Dießener Tal

 

Interglaziale Kalktuffbildung bei Dießen (Ldkr. Freudenstadt)

 
Bild: Kalktuffe im Dießener Tal (Ldkr. Feudenstadt)
Kalktuffbildung bei Dießen - tropfenförmige Abscheidungen von gelöstem Kalk
(© LUBW, Autor: R. Steinmetz)

Aufgeschlossen sind hier mächtige, interglazial entstandene Kalktuffe in der Umgebung von Dießen / Horb a.N. (Ldkr. Freudenstadt). Die Tuffe liegen hier stratigraphisch im Bereich des Unteren Muschelkalks. Ihre Entstehung verdanken sie den kalkreichen Sickerwässern aus dem Mittleren und Oberen Muschelkalk, die durch wasserstauende Schichthorizonte zum Austritt gezwungen sind und dabei ihren Lösungsinhalt abscheiden.

Als Wasserstauer dienen im oberen Bereich des Dießener Tal die Schichten des Mittleren und Unteren Muschelkalks und im unteren Tal, wo ebenfalls mächtige Kalktuffpolster von lockergrusiger Beschaffenheit auftreten, der Obere Buntsandstein.

Die hier abgebildeten Kalktuffe befinden sich der Oberen Sägemühle. Sie sind meist blasig und porig, aber dennoch von fester Ausprägung. Aus der hier anstehenden Formation sind zahlreiche Schneckenarten beschrieben.

 
Bild: Kalktuff, Handmuster - Dießener Tal
Kalktuff-Handstücke von der Unteren Sägemühle
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Die Handstücke aus dem Tufflager am Unteren Dießener Sägewerk zeigen blasenförmige, unregelmäßig strukturierte Oberflächen mit unterschiedlicher Färbung. Durch den Einsatz mikroskopischer Techniken sind Abdrücke von Blätter und Nadeln von Bäumen im Tuff nachweisbar.  

Die in den größeren Kalkgebieten Süddeutschlands stellenweise anzutreffenden Kalktuffe sind überwiegend quartären Ursprungs. Sie entstanden meist in der Wärmephase zwischen Riß- und Würmeiszeit. Im Dießener Tal, östlich von Horb a.N. (Ldkr. Freudenstadt), finden sich gleich drei Kalktufflager, die in der letzten Zwischeneiszeit (Interglazial) gebildet wurden. Sie befinden sich:

  • an der Einmündung des Dießener Bachs in den Neckar nördlich von Dettingen
  • bei der Unteren Sägemühle an der L 398
  • am Steinbruch an der Oberen Sägemühle

Die genannten Aufschlüsse liegen alle im Bereich des Naturschutzgebiets Dießener Tal.

Die Quellen, die zur Abscheidung der Tufflager geführt haben, entspringen dem Muschelkalk. Entstehung und Beschaffenheit bringen es mit sich, dass organische Substanzen im Kalktuff kaum nachweisbar sind. Von den einst eingelagerten Organismen sind entweder nur noch Hohlräume oder Abdrücke (Stängel, Früchte, Blätter) erkennbar oder Körperteile, die schon zu Lebzeiten mineralisiert waren, wie z.B. Schneckenhäuser, Muschelschalen oder Knochen.

Von den im Dießener Kalktuff nachgewiesenen Molluskenarten sind heute ca. 30 % im Neckartal erloschen, darunter die bisher nur aus dem Pleistozän bekannte Art Belgrandia germanica. Sie findet sich im Dießener Tal in allen drei Aufschlüssen. Als wärmeliebende Art ist sie der wissenschaftliche Beleg dafür, dass die Kalktuffbildung bereits in der letzten Zwischeneiszeit (vor etwa 120.000 Jahren) stattgefunden hat.

In den drei beschriebenen Kalktuffkomplexen konnten auch Spuren von fossilen Großsäugern nachgewiesen werden, u.a. Knochen von Auerochsen sowie Geweihstücke von Rentieren.

Begünstigt durch den kalkhaltigen Boden ist das Dießener Tal auch heute noch reich an Gehäuseschnecken, darunter finden sich seltene Arten wie die Zwergschnecke (Carychium tridentatum) und die Federkiemenschnecke (Valvata piscinalis alpestris).

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