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Initiative ''Unser Neckar''
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Initiative ''Unser Neckar'' (1/8)
Der Neckar - von der Quelle bis zur Mündung
Mündungsbereich vom Neckarufer aus betrachtet
(Element 40 von 40: Bild)
Bild: Neckarmündung in den Rhein, Mannheim
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''Unser Neckar'' in Baden-Württemberg

Der Neckar ist eine wichtige Lebensader Baden-Württembergs. Durch vielfältige Nutzungsansprüche ist der Fluss aber auch stark verbaut und reguliert, wie kein anderer Flusslauf im Land. 2008 hat der Bund angekündigt, die Neckarschleusen auf Europamaß für mehr als 900 Millionen Euro zu verlängern und dabei auch die Ökologie z.B. durch den Einbau von Fischtreppen zu verbessern. Die Planungen dazu fertigt und finanziert das Land. Hierbei konnte insbesondere mit der Integrierenden Konzeption Neckar-Einzugsgebiet

  • IKoNE

und den Gewässerdirektionen am Neckar eine erfolgreiche Zusammenarbeit aufgebaut werden. Projektbezogen erfolgt aber auch Kooperation und Austausch mit zahlreichen weiteren Beteiligten, insbesondere den Kommunen, der Schifffahrt und den Landwirten.

Begonnen wird am Neckarursprung im Schwenninger Moos, hier wurde der Fluss im Zuge der Landesgartenschau 2010 für fünf Millionen Euro offen gelegt sowie mit dem IKoNE-Projekt bei Ludwigsburg-Poppenweiler.

 

Initiative ''Unser Neckar''

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Neckarhochwasser

 
Bild: Neckarhausen 1784
Neckarhausen 1784 nach Eisgang und Hochwasser
(© Kurpfälzisches Museum)

Mit Beginn des Tauwetters fing am Morgen des 27. Februar 1784 der Wasserpegel am Unteren Neckar stark anzusteigen. Gewaltige Eismassen, die sich in Höhe Wieblingen bereits aufgetürmt hatten, setzen sich gegen Mittag in Bewegung und treiben auf Ladenburg und Neckarhausen zu. Die Wand aus Eis führt mehrere zerstörte Schiffe sowie mächtige Holzbalken der am 16. Februar durch Eisgang eingestürzten Heidelberger Brücke mit sich. Am späten Nachmittag schießen Teile der Heidelberger Brücke samt Bedachung zwischen den Eismassen hervor und kollidieren mit mehreren ufernahen Häuser in Neckarhausen die daraufhin einstürzen. Gewaltige Eisschollen folgen und bringen weitere Gebäude zum Einsturz. Menschen, die in ihren Häusern Schutz suchen, wurden erschlagen, andere die auf der Flucht waren, werden von den Fluten fortgerissen. Insgesamt fordert das Hochwasser 13 Tote. Nahezu die gesamte Ortschaft Neckarhausen wird zerstört.

Das Ölgemälde von Ferdinand Kobell (1740-1799), Hof- und Landschaftsmaler des Kurfürsten Carl Theodor, hat die Schäden dokumentiert.

 
Bild: Haßmersheim Hochwasser 1993
Haßmersheim, Jahrhunderthochwasser am Neckar 1993
(© RP Karlsruhe, Autor: J. Schwab)

Neckar-Hochwasser in Haßmersheim (Neckar-Odenwald-Kreis) im Jahr 1993.

Ursachen von Hochwasser sind hohe Niederschlagsmengen, die im Sommer vorwiegend in kurzer Zeit oder im Winter meist über längere Zeiträume fallen und über die Gewässer des betroffenen Einzugsgebietes zum Abfluss gelangen. Die Form der Hochwasserwelle (zeitlicher Verlauf und Höhe des Abflusses) hängt dabei von ereignisspezifischen und gebietsspezifischen Faktoren (z.B. Landnutzung) ab.

Zur Bereitstellung von Hochwassergefahrenkarten für eine größere Nutzergemeinschaft, stellt das Land Baden-Württemberg einen interaktiven Kartendienst zur Verfügung. Als wesentliche Informationen werden darin Überflutungsflächen und -Tiefen dargestellt.

 
Bild: Neckarhochwasser 01-2011 (4)
Alte Brücke in Heidelberg - Hochwasser Januar 2011
(© privat, Autor: B. Grießmann)

Die Feuerwehr Heidelberg und die für den Hochwasserdienst zuständigen Kräfte der Stadt Heidelberg waren im Januar 2011 durch die Wetterereignisse extrem gefordert. Die Feuerwehr verzeichnete in diesem Zusammenhang insgesamt 34 Einsätze, davon 25-mal Wasser in Gebäuden, drei Einsätze wegen umgestürzter Bäume, zwei Einsätze zur Wasserrettung sowie viele sonstige Einsätze.

 
Bild: Mobile Hochwasserschutzwand
Hochwasserschutz durch mobile Schutzwände
(© Stadt Bad Friedrichshall)

Das Naturereignis "Hochwasser" zieht Menschen immer wieder in seinen Bann, insbesondere die Bevölkerungskreise, die unmittelbar am Fluss leben. Hochwässer treten dann auf, wenn starke Niederschläge auf Böden treffen, die bereits wassergesättigt sind oder infolge von Frost kein Wasser aufnehmen können. Schneeschmelze kann den Abfluss noch verschärfen. Schäden durch Hochwasser entstehen erst, wenn die menschliche Nutzung der Flusstäler den natürlichen Ausbreitungsraum des Gewässers beansprucht und die baulichen Anlagen und Nutzflächen nicht an schwankende Wasserstände angepasst sind. Die sprunghafte Zunahme von Siedlung, Industrie und Verkehr in den hochwassergefährdeten Talauen des Neckars bringt es mit sich, dass Überflutungen und deren Schäden gegenüber gleichartigen Ereignissen früherer Jahre in erheblichem Umfang zugenommen haben.

Die großen Hochwasser des Neckars treten überwiegend im Winterhalbjahr auf. Die älteste Mitteilung stammt Amianus Marcellinus (369 n.Chr.). Er berichtet von einer gewaltigen Flut, die die römische Großfestung zwischen den heutigen Mannheimer Stadtteilen Rheinau und Neckarau zu unterspülen droht.  Am Oberen Neckar ist die Februarflut von 1778 als verheerend überliefert, im Mittellauf verursachte das Oktoberhochwasser von 1824 die größten Schäden. Am Unteren Neckar forderte das Frühjahr 1784 in Neckarhausen 13 Tote, nahezu die gesamte Ortschaft wurde durch Hochwasser und Eisgang zerstört. Aber auch heute noch wird der Neckar ("neccer" = der Wilde, Heftige) durch die Hochwässer seinem Namen gerecht.

Hochwasserschutz

Ziel eines modernen Hochwassermanagements ist es, die schädigenden Auswirkungen von Hochwasserereignissen weitgehend zu vermindern. Dazu dienen drei Teilstrategien:

  • Das Hochwasser-Flächenmanagement passt die Nutzung an die potentiell hochwassergefährdeten Flächen an. Zusätzlich unterstützt es die Wasserrückhaltung in den Einzugsgebieten.
  • Der technisch-infrastrukturelle Hochwasserschutz verhindert die Schäden bis zum Bemessungshochwasser durch Rückhaltebecken, Deiche, Dämme und andere Schutzeinrichtungen.
  • Die LUBW-Hochwasservorhersage, sie vermindert größere Schäden durch rechtzeitige, vorsorgliche Information.

Seit 1950 liegt der Schwerpunkt des Hochwasserschutzes im Einzugsgebiet des Neckars auf dem Bau von Hochwasserrückhaltebecken, welche in großem Umfang von über 20 Wasserverbänden gebaut wurden. Bislang wurden z. B. im Regierungsbezirk Stuttgart rund 150 Rückhaltebecken mit Hochwasserrückhalteräumen zwischen 50.000 und 3.000.000 m3 errichtet. Rückhaltebecken nutzen die von der Natur her bekannte Retentionswirkung der natürlichen Überschwemmungsflächen, optimieren diese aber hinsichtlich Größe, Lage und Zeitraum der Einflussnahme auf den Hochwasserablauf.

Im Neckartal und in den engen neckarnahen Seitentälern ist der Bau von Hochwasserrückhaltebecken nicht möglich. Topografie und Geologie, die weit fortgeschrittene Bebauung der Täler, Verkehrseinrichtungen, die Gewässerbenutzungen durch die Wirtschaft, Trinkwasserschutzgebiete und Abwasseranlagen stehen dem Bau großer Rückhaltebecken entgegen. Am Neckar selbst ist der Schutz nur durch den Bau von Dämmen, Deichen, Mauern und mobilen Schutzwänden möglich.