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Initiative ''Unser Neckar''
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Initiative ''Unser Neckar'' (1/8)
Der Neckar - von der Quelle bis zur Mündung
Mündungsbereich vom Neckarufer aus betrachtet
(Element 40 von 40: Bild)
Bild: Neckarmündung in den Rhein, Mannheim
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''Unser Neckar'' in Baden-Württemberg

Der Neckar ist eine wichtige Lebensader Baden-Württembergs. Durch vielfältige Nutzungsansprüche ist der Fluss aber auch stark verbaut und reguliert, wie kein anderer Flusslauf im Land. 2008 hat der Bund angekündigt, die Neckarschleusen auf Europamaß für mehr als 900 Millionen Euro zu verlängern und dabei auch die Ökologie z.B. durch den Einbau von Fischtreppen zu verbessern. Die Planungen dazu fertigt und finanziert das Land. Hierbei konnte insbesondere mit der Integrierenden Konzeption Neckar-Einzugsgebiet

  • IKoNE

und den Gewässerdirektionen am Neckar eine erfolgreiche Zusammenarbeit aufgebaut werden. Projektbezogen erfolgt aber auch Kooperation und Austausch mit zahlreichen weiteren Beteiligten, insbesondere den Kommunen, der Schifffahrt und den Landwirten.

Begonnen wird am Neckarursprung im Schwenninger Moos, hier wurde der Fluss im Zuge der Landesgartenschau 2010 für fünf Millionen Euro offen gelegt sowie mit dem IKoNE-Projekt bei Ludwigsburg-Poppenweiler.

 

Initiative ''Unser Neckar''

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Neckarlauf bei Besigheim - vom Wildfluss zum Gewerbegebiet

 
Bild: Neckar bei Besigheim (Ldkr. Ludwigsburg))
Der Neckar bei Besigheim (1953)
(© LMZ, LUBW, Autor: A. Brugger)

Natur auf dem Rückzug. Ein letzter fotografischer Eindruck vom Neckar als Wildfluss. Auf dem Gleithang sind die Baumaßnahmen für das neue Wasserkraftwerk in vollem Gange.

 
Bild: Neckar bei Besigheim, Luftbild, Ldkr. Ludwigsburg
Der Neckar bei Besigheim (2007)
(© LMZ, LUBW, Autor: A. Weischer)

Besigheim liegt im Mittleren Neckarraum zwischen Stuttgart und Heilbronn, am Zusammenfluss von Neckar und Enz.

Besigheim ist eine der romantischsten Städte im Landkreises Ludwigsburg. Vor allem die Altstadt ist vielgemalt, vielfotografiert und vielbesucht. Ihre Silhouette wird bestimmt von den unregelmäßigen Giebeln, Dächern und Mauern, aus denen sich das spätgotische Rathaus von 1459 heraushebt. Die Stadt ist uralte Befestigung und Einheit mit Mauerwerk, Wehrgang und Toren, mit bewegter herrschaftlicher Vergangenheit, die von Steinhaus, Waldhornturm und Oberem Turm dokumentiert wird. Sehenswertes bietet Besigheim seinen Besuchern an: Vor dem Fachwerkhausrathaus der Marktbrunnen mit der Figur des badischen Markgrafen „Jörg“, der daran erinnert, dass Stadt und Amt fast 500 Jahre lang den Markgrafen von Baden gehörten, ehe sie 1595 an Württemberg kamen. Die Badener bauten um 1220 die natürliche Festung auf dem Bergsporn zwischen Neckar und Enz aus: zwischen der oberen und der unteren Burg gründeten sie die Stadt.

Schön ist der Blick aus der luftigen Höhe in das weiträumige Neckartal und hinüber zu den Hessigheimer Felsengärten, im Volksmund auch als „Schwäbische Dolomiten“ bekannt. Besigheim, an der Bahn- und Straßenverbindung Stuttgart-Heilbronn, ist nicht nur ein bedeutendes Dienstleistungs- und Behördenzentrum im Nordteil des Kreises, sondern auch ein Kultur- und Sportzentrum mit allen weiterführenden Schulen. Es ist Mittelpunkt eines ausgedehnten Weinbaugebietes. Seine mächtige alte Kelter, die nun als Stadthalle vor allem kulturellen Veranstaltungen dient, wurde durch einen Kelterneubau der Felsengartenkellerei ersetzt, in dem für ein 300 Hektar großes Anbaugebiet 4 Millionen Liter Wein gelagert werden können.

Man muss schon genau hinschauen, um zwischen dem Luftbild (1953) und dem heutigen Zustand (2007) vergleichen zu können. Wo einst der Neckar floss, befindet sich jetzt ein Gewerbegebiet! Das Foto aus dem Jahr 1953 zeigt, wie der Ausbau des Neckars bei Besigheim (Landkreis Ludwigsburg) gerade in vollem Gange ist. Noch steht das alte Wasserkraftwerk am bogenförmigen Kanal (Bildmitte), doch die neue Neckarschleuse Besigheim ist als Großbaustelle rechts oberhalb des alten Kraftwerkes bereits erkennbar.

Der neue Neckarlauf verrät sich ansatzweise durch zwei lang gezogene, wassergefüllte Mulden im kiesigen Untergrund. Man erahnt, dass hier gebaggert, Material an manchen Stellen entnommen und an anderen wieder aufgefüllt wird. Entlang des alten Neckarlaufes deuten hohe Kiesablagerungen darauf hin, dass der Aushub aus dem neuen Kanal in den alten Neckarlauf geschüttet werden soll.

Einhergehend mit der umfassenden Veränderung des Neckarbettes sind die Voraussetzungen für eine völlig neue Landnutzung geschaffen worden. Wo früher der Fluss an Wiesen und Obstbäumen vorbeifloss, befinden sich heute Gewerbeflächen, ein Freibad sowie mehrere Sportanlagen. Auch zahlreiche Kleingärten, auf dem Bild von 1953 rechts als Kleinmosaik erkennbar, mussten den umfangreichen landschaftlichen Eingriffen weichen.

Eine ganze Reihe weiterer Veränderungen erkennt man erst auf den zweiten Blick. An verschiedenen Stellen waren direkt nach dem Zweiten Weltkrieg Neubauten entstanden. Wie auf der älteren Luftaufnahme zu sehen ist, stehen die Häuser noch in kleinen Gruppen, ohne Eingrünung. Inzwischen sind aus diesen Ansätzen flächige, begrünte Wohnsiedlungen geworden.

Der Landschaftswandel bei Besigheim ist nur ein Beispiel von vielen für die gravierenden Veränderungen, denen das Neckartal in den letzten Jahrzehnten unterworfen worden ist. Mit der "Initiative Unser Neckar" versucht man an verschiedenen Stellen, dem Neckarlauf wieder etwas zurückzugeben, indem man das Ufer renaturiert und in sog.  „Altwasser" umwandelt - kleine Stückchen seiner ursprünglichen Natur, die man dem Fluss in großem Stil zwischen 1930 und 1960 genommen hat.