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Frankenbacher Schotter
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Kiesgrube Frankenbach
Ehemalige Abbauwand
(Element 1 von 16: Bild)
Bild: Kiesgrube Frankenbach (Kreis Heilbronn)
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Die bis zu 12 m hohe Wand der Kiesgrube erschließt das mächtigste Quartärprofil im Regierungsbezirk Stuttgart. Die grauen horizontalen Bänder in der Abbruchkante zeugen von quartären Schotterablagerungen des ehemals hier vorbeifließenden Neckars (sog. Frankenbacher Schotter). Offene, größere Felsbildungen existieren hier nicht. Durch jahrelange Befahrung der Kiesgrube mit schwerem Gerät ist die Sohle über weite Flächen stark verdichtet, stellenweise wurde durch die Arbeiten auch ortsfremdes Gestein eingetragen.

Frankenbacher Schotter:
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Übersicht

Frankenbacher Schotter

 

Kiesgrube in den Frankenbacher Sanden (Kreis Heilbronn)

 
Bild: Kiesgrube Frankenbach
Kiesgrube Ingelfinger in den Frankenbacher Sanden (Kreis Heilbronn)
(© KIT, Autor: C. Düpmeier)

Die hohe Wand der ehemaligen Kiesgrube erschließt das mächtigste Quartärprofil im gesamten Regierungsbezirk Stuttgart. Die Hochterrassenschotter des Neckars liegen hier innerhalb der Heilbronner Mulde in ihrer maximalen Mächtigkeit vor. Über den Schottern lagern bis zu drei verschiedene Lößdecken. Die dunkelbraunen Horizonte in den Lößschichten stellen fossile Bodenhorizonte von interglazialen Warmzeiten dar.

Unter der Bezeichnung "Kiesgrube Ingelfinger" ist die Grube im Heilbronner Stadtteil Frankenbach seit 1927 bekannt. Mit Beginn der 1990er Jahre wird der Abbau eingestellt, inzwischen ist die Fläche ein bedeutendes Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Stuttgart.

 
Bild: Kiesgrube Frankenbach (Kreis Heilbronn)
Pleistozäne Hochterrassenschotter des Neckars
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Bänderartige, pleistozäne Kiesablagerungen in der Abbruchkante.

Die Gemarkung Frankenbach liegt am Unterlauf des Leinbachs im östlichen Kraichgau. Auf den ehemaligen nach Westen ansteigenden Neckarterrassen formen Schotter und Löss die Bodenoberfläche. Insbesondere das kaltzeitliche Sediment des Quartär, der feinkörnige gelb bis rötlich gefärbte Löss, lagerte sich hier in der Ingelfinger Kiesgrube nahe der Stadt Heilbronn in mächtigen Schichten ab. Getragen von starken Westwinden wurden die Lösspartikel, überwiegend aus dem Gebiet der Oberrheinebene, bis in die Heilbronner Mulde verdriftet. Neben Löss wurde auch Flussschotter in großen Mengen terrassenförmig abgelagert. Die Schotterterrassen entstanden indem sich die Fließgewässer vorort am Anfang und am Ende einer Kaltzeit in ihr eigenes, zuvor aufgeschüttetes Schotterbett eintieften. Die dammförmig aufgetürmten Geröllmassen blieben anschließend an den Rändern des Leintals liegen.

Die Frankenbacher Schotter zählt man zu den Hochterrassenschottern des heutigen Neckars, die wie der Name sagt, inzwischen auf höherem Niveau als die heutigen Flusstäler liegen (vgl. Hochterrassenschotter des Neckars in Kirchheim a.N., Ldkr. Ludwigsburg). Im Zentrum der Ablagerungen, nahe dem Stadtteil Heilbronn-Frankenbach,  wurde das Gestein bis in 1990er Jahre in mehreren Gruben intensiv abgebaut. Stellenweise fanden sich auch Kalksteine aus dem Oberen Jura, die der Urneckar mittels seiner Wasserfrachten aus dem Bereich der Schwäbischen Alb bis in den Raum Heilbronn transportiert hat.

Während der Kaltzeiten des Quartärs befand sich der Raum Heilbronn nicht wie die meisten Flächen Nordeuropas unter einer dichten, geschlossenen Eisdecke. Vorort war der Boden immer nur bis zu einer gewissen Tiefe gefroren.  An seiner Oberfläche existierte innerhalb der kurzen Sommer sogar eine artenreiche Steppenvegetation mit Flechten, Moosen und Gräsern. Davon ernährte sich eine speziell an die Kälte angepasste Tierwelt wie Rentiere, Fellnashörner und Moschusochsen. Auch in den Frankenbacher Gruben konnten bislang 16 Großsäuger mittels fossiler Funde nachgewiesen werden. Die wissenschaftliche Bedeutung als quartärpaläontologische Fundstelle und Forschungsobjekt wurde erstmals im Jahr 2000 sowohl auf einer Tagung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften als auch im Rahmen der Eiszeit-Ausstellung des Naturhistorischen Museum Heilbronn gewürdigt.

Die Kiesgrube Frankenbach wrid seit vielen Jahren nicht mehr genutzt. Seit 2001 ist die ehemalige Abbaustätte als Teilfläche des Natura 2000-Gebiets "Leintal bei Heilbronn" ein wichtiges Schutzgebiet im Regierungsbezirk Stuttgart. Sie beherbergt selten gewordene Arten wie z. B. Gelbbauchunke, Blauschillernde Sandbiene und Südlicher Blaupfeil (Libelle). 2008 erfolgt die offizielle Ausweisung als Naturschutzgebiet "Frankenbacher Schotter" durch das Regierungspräsidium Stuttgart. Das Gebiet umfasst den früheren Abbaubereich der Sand- und Kiesgrube „Ingelfinger“ einschließlich der rekultivierten und direkt angrenzenden landwirtschaftlich genutzten Flächen mit einer Größe von 14,4 ha.