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Geotope im Quartär
Der Feldsee (Ldkr. Breisgau-Hochschwarzwald)
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Bild: Der Feldsee
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Der Feldsee unterhalb des Feldbergs gelegen, ist der bekannteste und schönste Karsee im Schwarzwald. In Richtung Osten schließen sich an das Gewässer zwei Endmoränenwälle aus der letzten Eiszeit an.

Der Südschwarzwald war mindestens zweimal vergletschert, nämlich in der Riß- und in der Würmeiszeit. Das Zentrum der Plateauvergletscherung war das Feldberggebiet, von dem aus mehrere Gletscher talwärts liefen. Die Ausdehnung des Eises ist an der Lage der Endmoränen abzulesen. Der Maximalstand des Feldberggletschers im Würm lag im Jostal bei Titisee-Neustadt. Die größte Eismächtigkeit betrug hier über 340 m.

 

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Bild: Kiesgrube Ingelfinger bei Heilbronn-Frankenbach
"Eiszeitfenster " Kiesgrube Ingelfinger bei Heilbronn-Frankenbach
(© Autor: W. Rosendahl)

Die Schichtenfolge in der Kiesgrube Ingelfinger bei Heilbronn-Frankenbach. Die obere Einheit sind Deckschichten aus Löss und Bodenbildungen der letzten 400.000 Jahre. Die unteren Schichten sind mittelpleistozäne sandige und kiesige Neckarablagerungen, die sogenannten Frankenbacher-Schotter.

 Auf die Bedeutung der Kiesgrube Ingelfinger als quartärpaläontologische Fundstelle und Forschungsobjekt wurde erstmals im Jahr 2000 sowohl auf einer Tagung der Heidelberger Akademie der Wissenschaften als auch im Rahmen der Eiszeit-Ausstellung des Naturhistorischen Museum Heilbronn hingewiesen.


weiterführende Literatur:

Rosendahl, W. (2000): Die Frankenbacher Sande - zur Geologie und Paläontologie der cromerzeitlichen Neckarablagerungen von Heilbronn.- in: Hansch, W. (Ed.): Eiszeit - Mammut, Urmensch und wie weiter?.- Museo, 16, 42-51; Heilbronn.

 

 
Bild: Mammut, Präparat
Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius)
(© GNU-FDL, Autor: Mistvan)

Das bis zu drei Meter hohe Wollhaarmammut (Mammuthus primigenius) war eines der beliebtesten Jagdtiere des Menschen in der späten Phase des Pleistozän. Dieser Sachverhalt ist durch zahlreiche Höhlenmalereien dokumentiert. Ob die übermäßige Bejagung das Aussterben der Tiere verursacht hat oder die einsetzenden Klimaveränderungen (Warmzeit) zum Ende der Eiszeit, ist bis heute unklar. Vermutlich verschwanden vor etwa 10.000 Jahren die letzten Mammuts in Mitteleuropa. Die letzten Tiere lebten bis vor  3.700 Jahren isoliert auf der westsibirischen Wrangelinsel.

Die Vorfahren der Mammuts lebten in den tropischen Regionen Afrikas. Vor 1,2 bis 2 Millionen Jahren wanderten einige Tiere Richtung Norden und fanden in den hohen Breiten Eurasiens und Nordamerikas ineue Lebensräume. Im Lauf ihrer Evolution zum Wollhaarmammut schützten sie sich gegen Kälte mit sichtbaren Merkmalen wie einem zottigen, isolierenden Fell und kleineren Ohren.

 
Bild: Homo heidelbergensis -Schädel
Homo heidelbergensis - Schädel Atapuerca 5
(© public domain, Autor: wp)

Ein in Nordspanien gefundener Schädelknochen des Homo heidelbergensis (Bezeichnung: Atapuerca 5).

Atapuerca ist ein Dorf in Nordspanien in der Nähe der Stadt Burgos. Dort wurden in einem Schacht einer Höhle Überreste von mehr als 30 Menschen gefunden, die vor ca. 400 000 Jahren gelebt haben.

Das Quartär, die jüngste Periode der Erdgeschichte, begann vor 2,6 Millionen Jahren und dauert bis heute an. Es wird unterteilt in das Pleistozän oder Eiszeitalter (2,6 Millionen - 12.000 Jahre) und das Holozän, die Nacheiszeit (12.000 Jahre bis heute).

Das Pleistozän war eine Epoche extremer Klimaschwankungen. Eine Reihe von Kaltzeiten mit unterschiedlich starken Vergletscherungen wechselte mit Warmzeiten. In den sehr kalten hochglazialen Phasen sank die mittlere Jahrestemperatur um 10-15°C ab. Zeitweise waren bis zu 10% der Erdoberfläche von Gletschern bedeckt (heute etwa 3%). Die Eismassen hatten das dreifache Wasservolumen wie heute, der Meeresspiegel lag deshalb bis zu 130 Meter unter dem derzeitigem Niveau. In den Warmzeiten dagegen waren die Temperaturen deutlich höher, die Mittelwerte lagen zeitweise über denen von heute, die Meerespiegel stiegen.

Das Pleistozän wird nach den Hauptvereisungen unterteilt. In Süddeutschland gingen sie von den Alpengletschern aus und sind nach den Flüssen benannt, die landschaftlich grob die weiteste Ausdehnung der jeweiligen Eisschilde markieren:

Biber-, Donau-, Günz-, Haslach-, Mindel-, Riß- und Würm-Eiszeit.

In den Kaltzeiten war neben den kahlen Eis- und Schotterflächen eine Steppen- und Tundravegetation ausgeprägt mit Gräsern, Moosen und Flechten. Hier lebten Mammuts, Wollhaarnashörner und Rentiere, allesamt an das raue Klima angepasst. Während der Warmzeiten entwickelten sich riesige Laubwälder, in denen wärmeliebende Waldelefanten, Waldbisone und Flusspferde ihre Lebensräume fanden.

Im heutigen Baden-Württemberg hielten sich vor ca. 600.000 Jahren der Homo heidelbergensis und vor rund 250.000 Jahren der Homo steinheimensis auf, beide Arten vermutlich Vorfahren des Neandertalers. Vor 40.000 Jahren erschienen schließlich die ersten Menschen unser eigenen Art Homo sapiens. Nach den Kulturstufen des Menschen werden die letzten 700.000 Jahre des Pleistozän als Altsteinzeit (Paläolithikum) bezeichnet.

Im Holozän kam es zu einer deutlichen Klimaerwärmung, die allerdings nicht gleichmäßig verlief, sondern immer wieder von kalten Perioden unterbrochen wurde. Zwischen 950 und 1400 n. Chr. lagen die Mitteltemperaturen zum Beispiel höher als heute. Von 1550 bis etwa 1900 n. Chr. folgte dann eine kühlere Phase (oft als Kleine Eiszeit bezeichnet), die Europa große Hungersnöte brachte. Insgesamt betrachtet leben wir dennoch in einer Warmzeit, die seit Beginn des Holozän währt.

Mit der zunehmenden Erwärmung entwickelten sich die heutigen Vegetationszonen und die gegenwärtige Pflanzen- und Tierwelt. Homo sapiens, der „weise, kluge Mensch" verbreitete sich weltweit und vermehrte sich rasch. Nach den Kulturstufen des Menschen wird das Holozän bis zur Zeitenwende in Mittelsteinzeit (Mesolithikum), Jungsteinzeit (Neolithikum), Bronze- und Eisenzeit gegliedert. In der Jungsteinzeit wurde der Mensch in unseren Breiten sesshaft und gründete die ersten Dörfer mit Ackerbau und Viehzucht, zum Beispiel die Pfahlbausiedlungen am Bodensee. Mittlerweile hat er durch seine Lebensweise die Natur und die Lebensbedingungen auf der Erde tiefgreifend verändert.