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NSG Kapellengrien
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Naturschutzgebiet Kapellengrien (Ldkr. Lörrach)
Kapellengrien - Bodenbeprobung und Profilaufnahme
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Bild: Kapellengrien
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Kapellengrien - Bodenbeprobung und Profilaufnahme an der Uferzone zum Altrhein.
NSG Kapellengrien:
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Übersicht
 

Naturschutzgebiet Kapellengrien (Ldkr. Lörrach)

 
Bild: NSG Kapellengrien
Naturschutzgebiet Kapellengrien (Ldkr. Lörrach)
(© RP Freiburg, Autor: solum)

Ehemalige, heute verlandete Kiesinsel (Grien) am Rhein, mit Anlandungsflächen (großflächige Kiesbänke) und Trockenaue. Der Kapellengrien (früher auch Kapellengrün genannt) gehörte vor der Rheinkorrektion zu den vorgelagerten Kiesinseln des Isteiner Klotzen.

Heute ist die Fläche Lebensraum seltener Tier- und Pflanzenarten sowie ein bedeutendes Brut-, Durchzugs- und Überwinterungsgebiet für seltene Vogelarten. Das Naturschutzgebiet hat eine Größe von rund 70 ha. Es liegt westlich der BAB 5 zwischen den Gemeinden Rheinweiler und Kleinkems.

 
Bild: Kapellengrien
Kapellengrien, Uferzone mit Kontakt zum Altrhein
(© RP Freiburg, Autor: solum)
NSG Kapellengrien - kiesbedeckter Uferbereich mit Anlandungen nach Frühjahrshochwasser. Je nach Strömungsgeschwindigkeit des Hochwassers werden Grobkiese, Feinsande und Schluff sowohl abgelagert als auch umgelagert.
 
Bild: Kappellengrien - Kiesgrube
Kapellengrien - Kiesgrube im zentralen Bereich
(© Autor: RP Freiburg)
Ehemalige Kiesgrube mit wechselndem Grundwasserstand im zentralen Bereich des Schutzgebiets. Bis 1989 wurden hier Kiese und Sande abgebaut. Heute ist die Fläche ein wertvolles Sekundärbiotop.

Das 1995 ausgewiesene Naturschutzgebiet Kapellengrien (vor 1900 syn. Kapellengrün) liegt im Naturraum Markgräfler Rheinebene und hat eine Größe von rund 70 ha. Die ehemalige Kiesinsel des früheren, nicht korrigierten Rheinstroms befindet sich heute am Restrhein westlich der BAB 5 zwischen den Gemeinden Rheinweiler und Kleinkems (Ortsteil der Gemeinde Efringen-Kirchen). Sie ist ein bedeutendes Vogelschutzgebiet und zählt zur baden-württembergischen Natura-2000 Gebietskulisse: Rheinniederung Haltingen - Neuenburg mit Vorbergzone (Gebiets-Nr. 8211-40).

Neben der Rheinkorrektion durch Tulla im Jahr 1876, brachte 1932 der Bau des Rheinseitenkanals hier schwerwiegende landschaftliche Veränderungen. Die Fließgeschwindigkeit des Restrheins nahm deutlich ab und der Fluss trocknete nahezu aus, da von diesem Zeitpunkt an die Hauptmenge des Rheinwassers in den Kanal geleitet wurde und nur noch eine geringe Pflichtmenge an Wasser den Altarm des Rheins speiste. Das Grundwasser im Rheinvorland bei Istein und Kleinkems sank infolge der Eingriffe stellenweise um mehrere Meter ab.

Zur Optimierung der Niedrigwasserregulierung wurden in den Jahren 1930 bis 1940 durch den Wasserbauingenieur Max Honsell Querbuhnen in das profilierte Rheinbett eingebaut, damit der Rhein sich ein zusätzliches Niederwasserbett von ca. 75m Breite graben konnte. Durch diese Maßnahmen erfolgten eine weitere Einengung des Flusses sowie eine weitere Trennung von Fluß und Aue. Die hohen Vegetationsdichten, die sich während der langen Niedrigwasserzeiten auf den trockengelegten Flächen entwickeln konnten, bedingten im Bereich der Buhnenfelder eine untypische Sedimentation insbesondere von Sand und Schluff. Die Buhnenfelder wirkten damit als Sedimentfänger.

Die meisten Kiesinseln im Rhein (Wörthe und Griene) verlandeten aufgrund der vollzogenen Maßnahmen vollständig und stellen heute eine geschlossene Landoberfläche dar (vgl. Isteiner Klotz - Landschaftsgeschichte). Der Kapellengrien behielt am Westufer einen Teil seiner Ursprünglichkeit, da er hier mit dem Lauf des heutigen Altrheins noch Kontakt hat. Dies macht das Gebiet so wertvoll.

Gefährdet ist der Lebensraum durch Schadstoffeinträge und Anlandungen über das Rheinwasser. Zwar haben die Belastungen des Rheins in den letzten Jahren deutlich nachgelassen, aber Umweltkatastrophen wie der bekannte Chemieunfall des Basler Unternehmens Sandoz von 1986 sind auch heute noch möglich. Damals gelangten ca. 30 Tonnen Chemikalien, davon etwa 10 Tonnen giftige Pestizide in den Oberrhein und dezimierten den Bestand Fischen und Kleinlebewesen auf einer Strecke von etwa 100 km erheblich. In Zeiten von Hochwassereignissen, in denen auch der Altrhein geflutet wird, werden zahlreiche Frachten anthropogenen Ursprungs im Schutzgebiet angespült, die später vor Ort verotten und zu Umweltbelastungen führen können.