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Südliches Oberrheinisches Tiefland und Hochrheingebiet
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Kaiserstuhl - Böden, Landschaft und Geologie
Kaiserstuhl-Hauptkamm bei Schelingen (Breisgau-Hochschwarzwald)
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Bild: Kaiserstuhl bei Schelingen
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Blick von den Halbtrockenrasenflächen des Badbergs in Richtung Schelingen. Im Hintergrund die bewaldeten Höhen des Kaiserstuhl-Hauptkamms mit dem Katharinenberg (492 m NN).

Südliches Oberrheinisches Tiefland und Hochrheingebiet:
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Südliches Oberrheinisches Tiefland und Hochrheingebiet

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Kaiserstuhl - Typische Böden

 
Bild: MP7912.5Tschernosem
Tschernosem - eine Bodenrarität
(© Autor: LGRB)
Aufgrund des warmen Klimas, der relativ geringen Niederschläge und der Einmischung von Humus durch Bodentiere konnte sich aus lössreicher Fließerde über Karbonatit ein Tschernosem entwickeln. Standort des Bodenprofils ist ein als extensive Wiese genutzter steiler Oberhang am Haselschacher Buck. Typisch für die mächtigen Humusschichten des Tschernosems ist das feinkrümelige Gefüge und die schwärzlichbraune Bodenfarbe. Tschernoseme sind in Baden-Württemberg äußerst selten. Ihr eigentliches Verbreitungsgebiet beginnt in den Lössbörden Mitteldeutschlands (z. B. Magdeburger Börde) und erstreckt sich bis zu den weiten Steppen Rußlands mit ihrem Kontinentalklima.  
 
Bild: MP7812.208Kolluvisol
Tiefer kalkreicher Kolluvisol
(© Autor: LGRB)
Typisches Bodenprofil in einem Lössmuldental im östlichen Kaiserstuhl, nördlich von Bahlingen. Das durch die intensive landwirtschaftliche Nutzung von den Hängen abgeschwemmte Lössbodenmaterial kommt in den Mulden zur Ablagerung, es bilden sich mächtige Kolluvisole. Die Böden sind tiefgründig humos, locker und verfügen über eine sehr hohe Wasserspeicherfähigkeit. An diesem Standort beträgt die Mächtigkeit des Kolluvisols ca. 36 dm, darunter folgt mit einer fossilen (überdeckten) Parabaunerde die ehemalige Bodenoberfläche.
Krümeliger Humus und hellgelber Löss 

In den meist bewaldeten Hochlagen des Kaiserstuhls bilden Magmatite und würmzeitliche Fließerden (Deckschichten) das Ausgangsmaterial der Bodenbildung. Auf Kuppen, Rücken und steilen Oberhängen des Kaiserstuhl-Hauptkamms treten flach entwickelte Böden (Ranker, Braunerde-Ranker und flache Braunerden), aus geringmächtiger Deckschicht über Magmatit auf. Dort, wo das unterlagernde Vulkangestein von Kalkadern durchsetzt ist oder wo kalkhaltiges Lössmaterial in den Oberboden eingetragen wurde, sind auch flachgründige Pararendzinen vertreten.

Auf den weniger steilen und gestreckten Hängen unterhalb des Hauptkamms konnten sich tiefgründigere Böden entwickeln. Aus den mächtigeren Deckschichten entwickelten sich Braunerden, mit steigendem Lössanteil auch Übergänge zu Parabraunerden bis hin zur Parabraunerde mit deutlicher Tondurchschlämmung. Im Untergrund gehen die steinig-grusigen Deckschichten in das meist lehmig-tonig angewitterte Magmatitgestein über.

Eine Sonderstellung nehmen die Böden auf Karbonatit ein, einem kalkreichen Magmatitgestein im zentralen Kaiserstuhl. Im Bereich des „Badbergs" und des „Haselschacher Bucks" entwickelten sich flachgründige Kalksteinböden (Rendzinen), auf denen Trockenrasen und Flaumeichengebüsch eine dem Standort angepasste Vegetation bilden.

Als bodenkundliche Rarität treten an den west- bis nordexponierten Hängen Schwarzerden (Tschernoseme) auf. Diese zeichnen sich durch überdurchschnittlich mächtige humusreiche Oberböden aus, enstanden durch das einzigartige Zusammenspiel von Ausgangsgestein, Klima und Vegetation. Durch das besondere Klima am Kaiserstuhl (milde Winter, heisse Sommer, wenig Niederschläge) sind die Um- und Abbauprozesse der abgestorbenen Pflanzenmasse durch Mikroorganismen gehemmt - es kommt zur Humusanreicherung. Bodentiere, wie z. B. Regenwürmer oder auch Maulwürfe, verlagern durch ihre mischende und wühlende Tätigkeit den Humus in tiefere Bodenschichten.

In den tieferen Lagen der bewaldeten Hänge weisen künstliche Terrassen im jungen Löss oder in lössreichen Fließerden auf ehemalige landwirtschaftliche Nutzung hin und leiten zum überwiegend weinbaulich genutzten Lösshügelland über. Auf mächtigem Löss wurden die ursprünglich vorhandenen Parabraunerden meist vollständig abgetragen oder bei der Anlage von Terrassen mit unverwittertem kalkreichem Löss vermischt. Pararendzina aus Löss stellt deshalb im Rebgelände die Leitbodenform dar. Eines der wenigen noch vorhandenen Vorkommen von Parabraunerde aus Löss befindet sich unter einem Buchenaltholz auf dem Höhenrücken östlich von Schelingen.

Der kalkreiche Löss trägt einen 2-4 dm mächtigen humosen Oberboden. Die hohen Kalkgehalte in Verbindung mit den Bodenarten schwach toniger Schluff und Schluff bedingen die günstigen bodenphysikalischen Eigenschaften. Trotz des warmen und relativ trockenen Klimas sichern die hohe nutzbare Feldkapazität von über 200 mm und tiefreichende Wurzeln die Wasserversorgung der Reben. Auf frisch angelegten Terrassen entwickelt sich die Pararendzina innerhalb weniger Jahrzehnte aus unverwittertem, anstehendem oder aufgetragenem Löss über die Zwischenstufen Lockersyrosem und Pararendzina-Lockersyrosem. Auf älteren Terrassen entstanden durch die tiefreichende Bodenbearbeitung Pararendzina-Rigosole mit schwach humosem Unterboden.

Das im Zuge der Bodennutzung von den Hängen abgespülte, meist humose Bodenmaterial sammelte sich im Lauf der Jahrhunderte in Hangmulden, an Unterhängen sowie in den häufig zentrifugal angelegten Tälern des Lösshügellands. Die so entstandenen tiefgründig humosen Böden werden Kolluvisol genannt und sind in den tiefsten Tallagen z. T. deutlich von Grund- und Stauwasser beeinflusst. Als Bodentypen entwickelten sich Gley-Kolluvisole und Kolluvisol-Gleye bzw. Pseudogley-Kolluvisole. Die mulden- bis sohlenförmigen Täler werden heute häufig durch Obstbau, z. T. auch ackerbaulich genutzt.