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Südliches Oberrheinisches Tiefland und Hochrheingebiet
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Kaiserstuhl - Böden, Landschaft und Geologie
Kaiserstuhl-Hauptkamm bei Schelingen (Breisgau-Hochschwarzwald)
(Element 1 von 8: Bild)
Bild: Kaiserstuhl bei Schelingen
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Blick von den Halbtrockenrasenflächen des Badbergs in Richtung Schelingen. Im Hintergrund die bewaldeten Höhen des Kaiserstuhl-Hauptkamms mit dem Katharinenberg (492 m NN).

Südliches Oberrheinisches Tiefland und Hochrheingebiet:
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Südliches Oberrheinisches Tiefland und Hochrheingebiet

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Kaiserstuhl - Landschaft und Geologie

 
Bild: Großterrassen bei Oberrotweil
Großterrassen bei Oberrotweil
(© Autor: LGRB)
Blick vom Scheibenbuck nach Nordwesten über ein typisches Lösssohlental in Richtung Oberrotweil. Im Vordergrund die seit vielen Generationen bewirtschafteten und an das natürliche Relief angepassten Kleinterrassen, dahinter die im Zuge der Rebflurbereinigung "erschaffenen" Großterrasssen. Im Hintergrund Rheinebene und Vogesen.
 
Bild: Steinbruch am Limberg
Aufgelassener Steinbruch am Limberg (Ldkr. Emmendingen)
(© LGRB, LUBW, Autor: T. Huth)

Der aufgeschlossene Steinbruch (hier: Steinbruch VII) am Limberg zeigt einen Lavastrom aus Alkalifeldspatnephelinit, der in mehrere große Blöcke aufgelöst ist, was auf eine beginnende Erstarrung bei noch andauernder Bewegung hinweist. Er wird stellenweise, v.a. in den höheren Bereichen, von leuchtend weißen Kalkausscheidungen in Klüften und als Überzüge (Tapeten) über- und durchzogen.

Unter dem Lavastrom treten miozäne Sedimente (Kalksandsteine und Mergel) im Wechsel mit Tuffen und Tuffiten (= verschwemmte Tuffe) in weißen, rosa, gelben und orangenen Farben auf. In den Tuffen und Tuffiten finden sich Phonolithbruchstückchen sowie Gneise aus dem Grundgebirge. Der eindrucksvolle Aufschluss befindet sich im Naturschutzgebiet Limberg auf der Gemarkung von Sasbach (Ldkr. Emmendingen).

 
Bild: Lössaufschluss von Riegel
Lösswand am Riegeler Michaelsberg (Ldkr. Emmendingen)
(© Autor: LGRB)

Am Nordostrand des Kaiserstuhls liegt der Riegeler Michaelsberg mit der bekannten, etwa 20 m hohen Lösswand.

Zwischen dem in trocken-kalten Perioden der Kaltzeiten angewehtem hellgelben, kalkreichen Rohlöss erkennt man mehrere rötlich-braune Bänder. Die hellen Horizonte wurden während der einzelnen Eiszeiten abgelagert. In den Warmzeiten zwischen den einzelnen Eiszeiten bildeten sich mit der Ansiedlung von Pflanzen Böden (Paläoböden - dunklere Horizonte), in denen der Löss durch Niederschlagswasser entkalkte und verlehmte. Naturdenkmal.

 

 

 

 

Feuer und Wind

Der Kaiserstuhl liegt inmitten der Oberrheinebene, ca. 10 km nordwestlich von Freiburg, am Ausgang der Freiburger Bucht. Er erhebt sich wie eine rhombenförmige Insel mit ca.16 km Länge und bis 12,5 km Breite aus der Oberrheinebene und den Schotterfeldern der Freiburger Bucht, die er um 250-350 m überragt (Totenkopf mit 557 m NN). Gegliedert wird der Kaiserstuhl in den hufeisenförmigen nach Westen geöffneten Hauptkamm, das vulkanische Zentrum sowie die nach außen hin sanft abfallenden Hanglandschaften.

Der vulkanische Kaiserstuhl entstand vor 17 - 13 Millionen Jahren an einer Schwächezone im Oberrheingraben durch den Aufstieg von vulkanischem Material entlang einer tertiären Grabenrandscholle im Osten des heutigen Gebirges. Mit der Zeit bildete sich ein Stratovulkan mit mehreren Austrittsöffnungen, aus denen sich Lavaergüsse und Eruptionen abwechselten. Im Inneren des Vulkans drangen in mehreren Schüben magmatische Gesteine auf, die unter Hunderten von Metern Gesteinsbedeckung stecken blieben. Nach Ende der vulkanischen Aktivität trug die Erosion den Vulkan bis auf die heute sichtbare Ruine ab.

Der Kaiserstuhl besteht aus einer Abfolge von Laven und Tuffen, die vor allem den hufeisenförmigen Hauptkamm, dann aber auch den Limberg bei Sasbach am Nordwestrand sowie den Breisacher Münsterberg aufbauen. Im Zentrum finden sich Tiefengesteine (Essexite, Phonolithe) und Ganggesteine sowie der seltene, hier aber großen Raum einnehmende Karbonatit. Die Flanken und Hänge des Kaiserstuhls sind bis in eine Höhe von 400 m NN von Löss bedeckt, dessen Mächtigkeit - vor allem auf den Ostflanken - bis zu 30 m betragen kann.

Durch den wirtschaftenden Menschen wurde der Kaiserstuhl sehr stark überprägt. Vor allem der Weinbau führte zu einer großflächigen Umgestaltung der Hänge, wobei besonders die in den 70-iger Jahren großflächigen Rebflurbereinigungen zu nennen sind. Weinbau und Sonderkulturen (Obstbau) nehmen den größten Teil der landwirtschaftlich genutzten Flächen ein. Der Wald konzentriert sich vor allem auf die höheren Bereichen des Hauptkamms ab etwa 400 m NN. Botanisch und faunistisch zeichnet sich der Kaiserstuhl vor allem durch zahlreiche Halb- und Volltrockenrasen-Standorte aus, die eine sehr artenreiche Pflanzen- (z. B. Orchideen) und Tierwelt (z. B. Smaragdeidechse und Wildbienen) beherbergen.

Aufgrund besonderer Sonnengunst und den Zustrom von Warmluft durch die Burgundische Pforte gehört der Kaiserstuhl mit Jahresdurchschnittstemperaturen um 10°C zu den wärmsten Gebieten Deutschlands.