Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Tongrube Unterfeld
Karte
Kartenlegende
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
Tongrube Unterfeld
Tongrube Unterfeld, ein geologisches Fenster
(Element 1 von 8: Bild)
Bild: Tongrube Unterfeld, Rauenberg
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element
Tongrube Unterfeld:
Weitere Informationen
Erlebnisorte in der Nähe:
 
Übersicht

Tongrube Unterfeld

 

Ehemalige Tongrube Unterfeld, Fossilfundstätte von internationaler Bedeutung

 
Bild: Tongrube Unterfeld, Rauenberg
Tongrube Unterfeld, Ausgrabungsstätte an der BAB 6
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Im Hintergrund ist die blaue Lärmschutzwand der BAB 6 sichtbar.

 
Bild: Tongrube Unterfeld bei Rauenberg
Grabungsfeld in den blau-grau gefärbten, fossilreichen Bodenhorizonten
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

In den zurückliegenden Jahren hat die paläontologische Ausgrabungsstätte in der ehemaligen Tongrube Unterfeld immer wieder für spektakuläre Funde gesorgt. So wurden 2010 versteinerte Überreste eines Landsäugetiers in der Tongrube gefunden. Ein geborgener Unterkiefer konnte zu einem katzengroßen Raubtier namens Apterodon zugeordnet werden, das vor zirka zehn Millionen Jahren ausstarb.

 
Bild: Fossiler Fisch
Fossiler Fisch im Ölschiefer
(© LUBW, Autor: M. Linnenbach)

Fische sind unter den Wirbeltierfossilien die weitaus häufigsten Funde. Das versteinerte Tier wurde 2002 in der Tongrube Unterfeld bei Rauenberg (Nördliche Oberrheinebene, auslaufende Langenbrücker Senke) geborgen.

Der Fisch hatte bei seinem Tod eine Körperlänge von etwa 20 cm, - die wiss.Bestimmung der Art ist nicht eindeutig möglich. Möglicherweise handelt es sich um ein Tier der Gattung Anaspida.

Die Tongrube Unterfeld liegt südlich von Rauenberg im Rhein-Neckar-Kreis, unweit des Kapellenbruchs und des Galgenbergs. Hier im Bereich der sog. Rauenberger Bucht, liegt das Kraichgau so tief, dass Verwitterung und Erosion es nicht geschafft haben, die unter dem Lösslehm liegenden schiefer- und tonhaltigen Schichten abzutragen. Die anstehenden fossilreichen Böden sind überwiegend tertiären Ursprungs, die mit dem Einbrechen des Oberrheingrabens vor 45 Mio Jahren entstanden sind. In der Grabenrandverwerfung finden sich auch ölschieferhaltige Ausläufer des Unteren Juras (Schwarzjura) der Langenbrücker Senke, die in Richtung Norden bis an die Frauweiler Wiesen ausstreichen (z.B. schwefelhaltige Quellen/ Kurbrunnen auf der Gemarkungen Wiesloch-Frauenweiler und Östringen, s. Karte des Gebiets).

Die stillgelegte Tongrube am Kraichgaurand ist ein Archiv voller Überraschungen. Das haben zahlreiche Grabungen bereits im Vorfeld erwiesen, als die Fundststätte noch ungeschützt ihrer Verfüllung durch Bauschutt und Erdreich entgegensah. Nach mehreren spektakulären Funden fossiler Wirbeltiere in 2008, 2009 und 2010 ist es gelungen, die Flächen um die Fundlagerstätte zu schützen.

Bislang liefen die Grabungen nur mit Erlaubnis und Abstimmung der Ziegelei Trost als Eigentümerin der Grube. Durch die Insolvenz des Ziegelherstellers hat sich die Situation grundlegend geändert. Inzwischen hat das Unternehmen Creaton das Ziegelwerk Trost übernommen. Die ausgebeuteten Flächen der Grube Unterfeld wurden durch das neue Unternehmen nicht miterworben und unterstehen damit weiterhin dem Insolvenzverwalter. Mit ihm soll eine dauerhafte Lösung für die fossilen Lagerstätten gefunden werden.

Das Zentrum der Ausgrabungen beläuft sich auf eine Fläche von ca. einem Hektar. Es befindet sich im Nordosten der Grube, nahe der BAB 6. Dort führen Wissenschaftler aus Darmstadt und Karlsruhe (hier: Abteilung Geowissenschaften am Staatlichen Naturkundemuseum Karlsruhe) systematische Grabungen durch. Schicht für Schicht wird der Boden abtragen, um umfassende Einblicke in das Leben vor etwa 20 bis 30 Millionen Jahren zu gewinnen. Die Arbeiten werden mehrere Jahre in Anspruch nehmen. Deshalb wäre es aus Sicht der Wissenschaftler am besten, wenn das betreffende Areal in öffentliches Eigentum käme. Die Stadt Rauenberg zeigt sich diesen Plänen gegenüber aufgeschlossen.

Noch stehen die Wissenschaftler erst am Beginn ihrer Forschungen. Erste vorsichtige Rückschlüsse auf die Lebensverhältnisse vor 31 Millionen Jahren sind aber heute schon möglich. Aufgrund der bislang entdeckten Fossilien wird vermutet, dass es sich bei der Fundstelle um ein flaches, marines Gewässer gehandelt haben muss, wie z.B um eine Meeres-Bucht. Das damalige Klima glich in etwa dem der heutigen Karibik. Die Landoberfläche war bedeckt von dichten Urwäldern aus Palmen und Farnen, in denen Kolibris und Libellen durch die Lüfte schwirrten.

Info: Die Verantwortlichen weisen darauf hin, dass die Grabungsstätte unter Schutz steht und unbefugt nicht betreten werden darf.