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Isteiner klotz - historische Karten
Isteiner Bucht, Karte von 1838
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Bild: Isteiner Bucht Karte von 1838
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Ausschnitt aus der historischen Rheinkarte des Großherzogtums Baden (1838).

Auf der Karte ist erkennbar, dass zwischen der Ortschaft Istein und den vorgelagerten Rheininseln ''Isteiner Wörth" und "Neue Matten" noch keine Landverbindung zum Ufer existiert. Die Insel ''Isteiner Wörth" ist zu diesem Zeitpunkt noch vollständig bewaldet. Auf die Insel "Neue Matten" führt ein Brückenübergang am Fuß des Hardbergs. Stellenweise sind hier erste landschaftliche Eingriffe (Wiesen, Waldschneise) bereits erkennbar.

NSG Isteiner Klotz:
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Übersicht
 

Der Landschaftswandel bei Istein

 
Bild: Isteiner Klotz - historische Ansicht
Blick vom Isteiner Klotz auf die ehemaligen Rheinschlingen um 1830
(© public domain, Autor: P. Birmann)

Blick vom Isteiner Klotz auf die Isteiner Bucht mit zahlreichen vorgelagerten Kiesinseln (Wörthe und Griene). Gemälde von Peter Birmann (1758 - 1844).

Von der alten Aussichtsplattform am Sporn des Isteiner Klotz blicken die Besucher in südöstlicher Richtung auf den noch weitgehend unberührten Rheinstrom. Auf der linken Seite liegt das Dorf Istein, mit hohen Ufermauern gegen den Rhein geschützt sowie ein Fischerboot am Eingang zur Isteiner Bucht direkt vor der bewaldeten Flussinsel, dem Isteiner Wörth.

Wenige Jahre später wird die Ostflanke des Isteiner Wörths gerodet und durch die Isteiner Bevölkerung landwirtschaftlich genutzt. Bereits 1852 wird der Isteiner Wörth kartografisch als ''Isteiner Mühle Grund'' bezeichnet. Aus der ehemaligen Flussinsel ist durch den Bau mehrerer Brücken sowie fortschreitender Verlandung eine Landzunge entstanden, die der Isteiner Gemarkung (Banngebiet) zugeschlagen wird.

 
Bild: Isteiner Klotz  (1956)
Abstecken der Autobahntrasse (A 5) am Isteiner Klotz (Aufn. 1956)
(© Landesamt für Straßenwesen BW)
 
Bild: Isteiner Klotz, Stipa-Rasen
Blick vom Isteiner Klotz ins Rheintal - heute
(© LUBW, Autor: Witschel)

Heutiger Blick vom Isteiner Klotz in das Rheintal. Erkennbar sind BAB 5, die Schleusenbauwerke des Rheinseitenkanals sowie die Vogesen am Horizont. Die einstige Rheinaue ist heute infolge der Korrekturen am Verlauf nahezu ausgetrocknet.

Bis Anfang des 19. Jahrhunderts bildete der Rheinstrom bei Istein zahlreiche Inseln, Griene (sandige, kiesige Inseln, die nur mit Buschwerk bewachsen sind) und Wörthe (bewaldete Flussinseln). Der Verlauf des Flusses änderte sich hier ständig und durch selbst geschaffene Kiesinseln spaltete sich der Rhein in zahlreiche Seitenarme, die stellenweise eine Breite von ein bis zwei Kilometern maßen.

Die Schifffahrt mit größeren Frachtschiffen auf dem Rhein begann in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts. Damals wurden Waren, wie Flachs, Steine, Ölkuchen oder Getreide, von Basel nach Weisweil transportiert. Später wurden von Basel bis nach Straßburg zumeist Dampfschiffe eingesetzt, die stromabwärts eine Zeit von 6-7 und stromaufwärts eine Zeit von etwa 16 Stunden benötigten. Doch bald kam die Schifffahrt im Rhein zum Erliegen und sollte erst Jahrzehnte später wieder aufgenommen werden.

Mit dem Hochwasserschutz und der Entwässerung der Böden als Ziel wurde von 1817 bis 1876 die Rheinkorrektion nach den Vorschlägen des Ingenieurs Johann Gottfried Tulla durchgeführt. Hierfür wurden dort, wo das spätere Flussbett sein sollte, Rinnen ausgehoben und anschließend überlies man es dem Wasser, sich damit seinen eigenen Weg zu bahnen. Gleichzeitig baute man aus Faschinenholz und Rheinkies einzelne Köpfe aus, die man später zu einem Damm zusammenfügte. So entstand neues Ackerland und genügend Fläche, um eine Rheinstraße zu bauen.

Mit dem Abschluß der Rheinkorrektion im Jahre 1876 bei Istein, stieg durch die Verkürzung der Stromlänge und die Einengung des Rheinbetts auf eine Breite von etwa 200 Meter die Fließgeschwindigkeit des Rheines erheblich an. Gleichzeitig nahm die Tiefenerosion zu, sodass eine weitere Rheinregulierung notwendig wurde.

Die nächste landschaftliche Veränderung brachte 1932 der Bau des Rheinseitenkanals (franz.: Grand Canal d´ Alsace). Die Fließgeschwindigkeit des Rheins nahm dadurch ab und der Altrhein trocknete beinahe aus, da nur noch eine geringe Pflichtmenge an Wasser eingeleitet wurde. F. Fischer hat das neue Bild des Rheines treffend formuliert: „Aus dem reißenden Strom ist ein müder Fluss geworden [...] Das Rauschen des Stromes hat aufgehört. Über seinem Bett liegt eine Sterbensstille."

Der ehemals landschaftsprägende Auenbereich am Isteiner Klotz wurde durch die wasserbaulichen Eingriffe besonders geschädigt. Die Aue verlor dabei nicht nur ihre ursprüngliche Gestalt sondern auch ihre Funktion als Hochwasserregulator. Am Ende der Entwicklung finden sich heute lichte Bestände von Trockengehölzen, durchsetzt von Trockenrasen und buschwaldartigen Sukzessionsstadien.