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Bodenseefische
Der Felchen (Coregonus ssp.)
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Bild: Der Felchen
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Besonders typisch für den Bodensee sind die Felchen (an anderen Seen auch Renken oder Maränen genannt) mit dem Blaufelchen als Hauptvertreter. Er gilt geradezu als "Brotfisch" für die Bodenseefischerei. Trotz dieser wirtschaftlichen Nutzung gilt der Gesamtbestand des Bodenseefelchens heute als gesichert. Die stärkste Gefährdung ging in den 1970er Jahren von der hohen Nährstoffbelastung des Bodensees aus.

Im Bodensee-Obersee genießen Felchen eine alljährliche Schonzeit vom 15. Oktober bis 10. Januar. Im Untersee gilt die Schonzeit vom 15. Oktober bis 20. Dezember sowie ein Mindestmaß für gefangene Fische von 30 cm Länge.

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Geschichte des Fischfangs

Der Fischfang war schon für die "Pfahlbauer" der Jungsteinzeit eine wichtige Ernährungsquelle. Noch heute gibt es etwa 150 Berufsfischer am See. Für alle gelten die gleichen Vorschriften, z. B. Fang- und Schonzeiten oder Maschenweite der Netze. Die Basis dafür legten die Bodenseeanrainer schon 1893 in der "Bregenzer Übereinkunft", deren Einhaltung von der Internationalen Bevollmächtigtenkonferenz für die Bodenseefischerei (IBKF) überwacht wird.

Menge und Artenzusammensetzung der gefangenen Fische im Bodensee-Obersee änderten sich in den letzten 100 Jahren beträchtlich. Die Eutrophierung und Reoligotrophierung (Zu- und Abnahme der Nährstoffe im Seewasser) wirken sich auch auf die Fischerträge aus. Vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 1950er Jahre stiegen die Erträge langsam an, den Hauptanteil des Fangs (ca. 70 %) machten die Felchen aus. Von 1955 bis 1977 stiegen die Fangerträge auf fast die dreifache Menge, gleichzeitig sank der Anteil gefangener Felchen bis unter 30 %, während die Anteile der Barsche und Weißfische zunahmen.

Seit Ende der 1970er Jahre haben sich die Felchenfänge wieder verbessert und stabilisiert. Die Barschfänge sind seither tendenziell zurückgegangen, stiegen aber Mitte der 1980er-Jahre noch einmal kurz an. Der Rückgang der Barschfänge geht mit einem Rückzug der Art aus der Freiwasserzone (Pelagial) einher. Im wieder nährstoffarmen Bodensee ernähren sich größere Barsche wieder vorwiegend von Fischen, meist der eigenen Art. Die Weißfischfänge sind spätestens seit Beginn der 1970er Jahre stark zurückgegangen. Die Ursachen hierfür sind unbekannt. Der Anteil der Felchen am Gesamtfang liegt heute bei 85 %.

Bild: Fischfangstatistik
Bodenseefischfang: Gesamtertrag 1914-2007 im Obersee in t

Die Erklärung der stark schwankenden Fangquoten ist vielschichtig: Großen Einfluss haben die Art der Fischereibewirtschaftung und die Nährstoffsituation im See. Diese wurde vor allem durch die Überdüngung in den 60er und 70er Jahren massiv beeinflusst. Für Kopfzerbrechen sorgte besonders das "Felchenproblem": Durch überreiches Nahrungsangebot waren die Felchen immer fetter geworden. Trotzdem wurden plötzlich viel weniger gefangen. Was war geschehen?

Die Felchen wuchsen so rasch, dass sie schon vor der Fortpflanzung ins Netz gingen. Erst nachdem die Fischer weitmaschigere Netze verwendeten, konnte sich der Bestand wieder erholen. Hinzu kommt, dass der Felchenlaich zur Entwicklung gute Sauerstoffverhältnisse braucht. Auch hier wirken sich die Sanierungsbemühungen der letzten Jahrzehnte positiv aus. Einen wichtigen Beitrag zur Nachwuchssicherung leisten auch Fischbrutanstalten, die Jungfische nachzüchten und in den See entlassen.