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Nutria (Myocastor coypus) (1/20)
Nutria (Myocastor coypus) in der Günther-Klotz-Anlage in Karlsruhe
Nutria (Myocastor coypus)
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Bild: Nutria (Myocastor coypus), Sumpfbiber, Kopf
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Der Nutria (Myocastor coypus) stammt ursprünglich aus Südamerika. Die invasive Art hat sich in Deutschland etabliert.

Nutria (Myocastor coypus)

Der bis 7 kg schwere Nutria (Myocastor coypus) stammt ursprünglich aus Südamerika. Die Nagetiere kommen dort sowohl in der subtropischen als auch in der gemäßigten Klimazone vor. Bevorzugt leben sie an den Uferzonen von Flüssen, Seen, Teichen und Sümpfen. Sie sind ungefähr bibergroß, haben aber im Gegensatz zu diesen einen runden rattenähnlichen Schwanz, daher auch der Name Biberratte unter dem diese Tiere ebenfalls bekannt sind. Besonders auffällig sind die roten Schneidezähne, die Färbung kommt durch Eiseneinlagerungen zustande. Wie beim Biber wachsen die Zähne zeitlebens nach. Nutrias leben monogam, meist in Familienverbänden von 12 - 15 Tieren zusammen oder paarweise. Die Fellfarbe ist in den meisten Fällen hellbraun, in seltenen Fällen gibt es auch Tiere mit weißem Fell, dabei handelt es sich um eingekreuzte Zuchttiere.

Hier in Europa wurden sie auf Grund ihres Felles angesiedelt. Zu nächst wurden sie nur in Pelzfarmen gezüchtet, doch als in den 90er-Jahren die Nachfrage nach Pelzen zurückging, wurden viele Tiere ausgesetzt. Heute sind die Nager fast überall in Europa an Flüssen und Seen zu finden. So zum Beispiel auch in Karlsruhe in der Günther-Klotz-Anlage oder im Rastatter Stadtpark. Besonders wohl fühlen sie sich in Regionen mit milden Wintern, da die Tiere keinen Winterschlaf halten. In ihrer ursprünglichen Heimat ist dies auch nicht nötig. Scheu sind die Nutrias ganz und gar nicht, oft lassen sie sich von Spaziergängern und Parkbesuchern füttern. Ihre natürliche Nahrung sind Wurzeln, Blätter und Stängel.

Da sie an Uferbereichen kleine Höhlen graben, können sie Schäden an Schutz- und Hochwasserdämmen verursachen. Eine Bejagung der Tiere findet nicht statt, da viele Populationen harte Winter in klimatisch kühleren Regionen von Deutschland nicht vertragen. Die einzige Tierart die nachweislich von der Nutria verdrängt wird ist bislang das Bisam, das ebenfalls ein Neozoen ist. Durch die anhaltende Rückkehr des Bibers (Castor fiber) in Baden-Württemberg wird sich die Situation für den Nutria möglicherweise mittelfristig ändern, da beide Arten nahezu gleiche Lebensraum- und Nahrungsansprüche haben.

 

Neuankömmlinge: Neophyten, Neozoen

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Die Walnussfruchtfliege - neuer, unbekannter Schädling

 
Bild: Rhagoletis completa
Durch Walnussfruchtfliegen befallene Walnüsse
(© M. Linnenbach)

Das Fruchtfleisch der befallenen Walnüsse (Juglans regia) beginnt durch die Fraßtätigkeit der Larven zu faulen. Fruchtfleisch und Nuss verfärben sich dadurch schwarz. Die aus Nordamerika eingeschleppte Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa) breitet sich seit ihrer Entdeckung in Freiburg (2004) immer mehr in Baden-Württemberg aus und beeinträchtigt vielerorts die Walnussernte erheblich. Die Bekämpfung der Fliege ist schwierig.

 
Bild: Rhagoletis completa, Larve
Larve der Walnussfruchtfliege (Rhagoletis completa)
(© M. Linnenbach)

Ausgewachsene Larven verlassen das geschädigte Fruchtfleisch und lassen sich zu Boden fallen, um sich anschließend einzugraben. In der weichen Humusauflage des Oberbodens verpuppen sich die Tiere und überwintern. Das Puppenstadium ist gegenüber Bodenfrost unempfindlich. Die fertig entwickelten Walnussfruchtfliegen schlüpfen im darauffolgenden Jahr nach der Erwärmung des Oberbodens ab Mitte Mai.

 
Bild: Walnussfruchtfliege, Walnuss, Juglans regia, Neozoon
Befallene Walnuss (links) im Vergleich mit ungeschädigter Nuss (rechts)
(© M. Linnenbach)

Durch Walnussfruchtfliegen (Rhagoletis completa) befallene Walnuss (links) im Vergleich mit einer nicht geschädigten Nuss (rechts). Das Fruchtfleisch der befallenen Nüsse beginnt durch die Fraßtätigkeit der Larven zu faulen. Fruchtfleisch und Nuss verfärben sich schwarz. Die aus Nordamerika eingeschleppte Walnussfruchtfliege breitet sich seit ihrer Entdeckung in Freiburg (2004) immer mehr in Baden-Württemberg aus.

Dem Südwestdeutschen Raum drohen neben dem Maiszünsler weitere neue Gefahren in der Landwirtschaft. Die aus Nordamerika eingeschleppte Walnussfruchtfliege (Ragoletis completa), erstmals 2004 bei Freiburg entdeckt, breitet sich derzeit in der Oberrheinebene rapide in Richtung Norden aus. Ihre Larven schädigen die Früchte der heimischen Walnuss (Juglans regia). Die Einbürgerung der Fruchtfliege erfolgte vermutlich über den Import nordamerkanischer Nüsse (z.B. Juglans californica, Juglans hinsii).

Wie bei vielen Schädlingsarten durchläuft die Walnussfruchtfliege einen Jahreszyklus, den man kennen bzw. beoachten sollte. Je nach den klimatischen Bedingungen erfolgt die Eiablage durch die Fliege ab Juni /Juli in die hellgrüne Fruchtschale der Walnüsse. Nach etwa 5 Tagen schlüpfen die Fliegenlarven. Sie ernähren sich vom Fruchtfleisch der Nuss. Zu Beginn des Befalls erkennt man an den grünen Nüssen nur wenig. Doch mit zunehmender Parasitierung, meist ab August, verfärben sich die Früchte von braun nach schwarz. Zudem verändern sie deutlich ihre Konsistenz. Ist das grüne Fruchtfleisch anfangs noch fest, wird es durch den Fraß der Larven schleimig bis schmierig. Bei starkem Befall wird nicht nur die Nussschale schwarz und unansehnlich, sondern auch der Nusskern selbst betroffen. Der Ernteertrag geht dann meist gegen null. Die inzwischen ausgewachsenen Larven verlassen das geschädigte Fruchtfleisch und lassen sich zu Boden fallen, um sich anschließend einzugraben. In der weichen Humusauflage des Oberbodens verpuppen sich die Tiere und überwintern. Das Puppenstadium ist gegenüber Bodenfrost unempfindlich! Die fertig entwickelten Walnussfruchtfliegen schlüpfen im darauffolgenden Jahr nach der Erwärmung des Oberbodens ab Mitte/ Ende Mai.

Was kann man tun? - Die Bekämpfung ist schwierig und aufwändig. Die wichtigste Maßnahme ist die Vernichtung der befallenen Früchte, wobei diese nicht auf den Komposthaufen, sondern entweder in den Restmüll gebracht oder ggf. verbrannt werden sollen. Eine weitere Maßnahme ist die Bodenabdeckung unter dem befallenen Nussbaum, einmal im Fühsommer (ab ca. Mitte Juni) vor dem Schlupf der Fliegen, um das Schlüpfen bzw. Ausfliegen der Fliegen zu verhindern, andererseits vor dem Fruchtfall im Sommer/Herbst (ca. Ende August bis Mitte September), damit die Larven nicht zur Verpuppung bzw. Überwinterung in den Boden gelangen können.

Übersicht:

3 Die Walnussfruchtfliege - neuer, unbekannter Schädling