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Nutzung tertiärer Gesteine
Marmorsteinbruch Böttingen, ehemalige Abbruchkante (Ldkr. Reutlingen)
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Bild: Marmorbruch Böttingen (Ldkr. Reutlingen)
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Entlang einer austretenden Thermalsinterquelle entstand in der Kontaktzone zum angrenzenden Weißjura der sog."Böttinger Marmor". Das bei den Wasseraustritten ausgefällte Calciumkarbonat sowie jeweils schwankende Eisengehalte des Thermalwassers, ließen die auffällige rot-weiße Marmorierung des Gestein entstehen.

Dem bunten Erscheinungsbild ist es zu verdanken, dass der „Böttinger Marmor“ als solcher überregional bekannt wurde. Wurde der Stein bis zur Mitte des 18. Jh. nur örtlich als Baumaterial verwendet, kam er mit dem Ausbau des Stuttgarter Residenzschlosses (Neues Schloss) von 1760–1762 zu herrschaftlichen Ehren. Er wurde für Wandverkleidungen in Sälen und repräsentativen Treppenaufgängen verwendet. Mit der gestiegenen Nachfrage vergrößerte sich auch der Steinbruch in Böttingen. 1872 war das Vorkommen bereits größtenteils erschöpft.

Eine Wiederbelebung des Abbaues erfolgte zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Ein neuer Steinbruch wurde angelegt sowie ein Kran, eine Lorenbahn, eine Bandsägen- und Schleifanlage errichtet. In diese Abbauphase fällt die Entdeckung des „Böttinger Marmors“ als bedeutende Fossilfundstelle. Zahlreiche Reste von Pflanzen, Insekten, Tausendfüßlern, Schnecken, Spinnen und verschiedenen Wirbeltieren sind inzwischen aus dem Gestein bekannt.


Literatur

Rosendahl, W., López Correa, M., Gruner, C. & Müller, T. (Hrsg. 2003): Der Böttinger Marmor. Bunter Fels aus heißen Quellen, 56 S.; Staatsanzeiger Verlag; Stuttgart.

 

Tertiär:
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Tertiär: Nutzung

 

Nutzung tertiärer Gesteine

 
Bild: Basaltbruch am Hohenstoffeln
Basaltbruch am Hohenstoffeln (1939)
(© LUBW, Autor: Schwenkel)

Der ehemalige Basaltsteinbruch am Hohenstoffeln kurz vor seiner Stillegung (Aufnahme: 04.07.1939). Erkennbar sind zwei Abbauterrassen (Bermen), die mit Feldbahngleisen und einigen Loren bestückt sind. Auffallend ist die nahezu horizontale Ausrichtung der Basaltsäulen am Fuß des Schlots im Gegensatz zur vertikalen Ausrichtung im Gipfelbereich.

 

 
Bild: Marmorbruch Böttingen (Ldkr. Reutlingen)
Marmorbruch Böttingen im Februar 1939 (Ldkr. Reutlingen)
(© LUBW, Autor: H. Schwenkel )

Der bekannte Böttinger Marmorbruch im Februar 1939 fotografiert von Hans Schwenkel*.

Der sog.  „Böttinger Marmor" wurde seinerzeit entlang einer Spalte von etwa 500 m Länge abgebaut. An der Sohle des Steinbruchs befand sich zu dieser Zeit ein ausgebauter Rundstollen mit einer Grubenbahn. Das attraktive Gestein tertiären Ursprungs fand vielfache Verwendung für Wandverkleidungen in zahlreichen repräsentativen Gebäuden. Auch die Halle des Stuttgarter Residenzschlosses (Neues Schloss) ist mit "Böttinger Marmor" ausgekleidet.

Bereits in den 1930er Jahren führten geowissenschaftliche Vereinigungen wie die Deutsche Geologische Gesellschaft und die Oberrheinische Geologische Vereinigung Exkursionen nach Böttingen durch. Gemeinsam mit dem Landesamt für Landeskunde und Heimatschutz gelang es 1934 diesen Teil in die offizielle Liste der staatlich geschützten Naturdenkmale aufzunehmen.

Der westliche, größte Teil der ehemaligen Grube liegt heute unter einem Neubaugebiet.


* Dr. phil., Prof. Hans Schwenkel (1886-1957), Leiter der ehemaligen Württembergischen Landesstelle für Naturschutz und Landschaftspflege, Stuttgart.

 

Basalt wurde meist zu technischen Zwecken (Pflastersteine, Weg- und Bahnschotter) abgebaut. Auch für den Bau von Brücken oder als Grenzsteine nutze man die harten und widerstandsfähigen Basaltblöcke. Heutzutage wird Basalt überwiegend noch im Garten- und Landschaftsbau verwendet.

Nur frisch gebrochene Stücke aus der dichtgepackten Schlotfüllung finden gute Verwendung. Steine aus kleineren Basaltpaketen sowie Gestein von Kontaktstellen zeigen in der Regel vermehrte Porosität und sind für die weitere Verwendung aufgrund ihrer eingeschränkten Widerstandsfähigkeit ungeeignet.

Die Zeiten des im großen Stil vermarkteten Basaltgesteins sind vorüber. Mit der Schließung von heimischen Unternehmen (z.B. ''Süddeutschen Basaltwerke - Immendingen", "Staatliches Basaltwerk Urach") ist die industrielle Nutzung des Basalts vielerorts zum Erliegen gekommen. Zurück bleibt stellenweise ein gewisser Verlust an landschaftlicher Schönheit wie z.B. am Hohenstoffeln und am Höwenegg sowie auch ein Verlust an Kultur- und Heimatgeschichte (z.B. Abtragung und Verfall mehrerer Burgen und Kulturdenkmäler im Hegau).

Magnetit gewonnen aus Basaltgestein, ist neben Hämatit eines der wichtigsten Erze und hat mit 72 % Eisen den höchsten Gehalt an diesem Metall. Unter dem Begriff Eisenoxidschwarz versteht man fein gemahlenen Magnetit.

Olivin, das relativ häufig im Basalt eingeschlossene Mineral, findet in der transparent-grüne Variante, dem Peridot, Verwendung in der Schmuckindustrie. Einfach ausgeprägtes Olivin wird bei der Herstellung hitzeresistenter Gläser genutzt.

Apatit aus Basalt ist wichtig zur Gewinnung von Phosphor und damit zur Herstellung von Düngemittel und Phosphorsäure für die chemische Industrie.

Travertin aus Kalkstein, der sich vor ca. 14 Millionen Jahren durch den Einfluss einer Thermalquelle tertiären Ursprungs gebildet hat (z. B. Böttinger Marmor, Travertinkalksteinbrüche Stuttgart-Münster).

Phonolith findet Verwendung als Schottermaterial und Naturwerkstein. Er läst sich leicht bearbeiten und v.a. gut sägen. Das Gestein wird gerne auch für Bildhauerarbeiten genutzt.