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Geotope im Tertiär
Katzenbuckel bei Waldbrunn (Neckar-Odenwald-Kreis)
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Bild: Katzenbuckel
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Der Katzenbuckel, ein ehemaliger Vulkan und mit 625 m der höchste Berg im Odenwald. Entstanden vor etwa 60 Millionen Jahren durch die Verschiebung der Afrikanischen Scholle nach Norden. Als Folge davon entstand eine gewaltige Druckwelle. Durch Risse und Spalten drang Magma bis in den Bereich des Buntsandsteins vor und bildete einen riesigen Lavasee. Hochgespannte Gase führten dann zu einer Eruption und rissen einen etwa 600 Meter tiefen Krater mit einem Durchmesser von über einem Kilometer auf. Über viele Millionen Jahre stürzte ein Großteil der Kraterwände wieder ein und verschlossen den Schlot.

Ein geologischer Lehrpfad der "Weg der Kristalle" gibt Einblick in die Entstehungsgeschichte. Der Lehrpfad, der im ehemaligen Steinbruch am Katzenbuckelsee beginnt und am Aussichtsturm endet, hat eine Wegstrecke von anderthalb Kilometern und ist gut zu begehen.

2013 wurde der Katzenbuckel mit dem Prädikat Geotop des Jahres ausgezeichnet.

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Das Tertiär - 65 Millionen Jahre vor unserer Zeit

 
Bild: Basaltschlot Hohenstoffeln
Basaltschlot Hohenstoffeln - Nordgipfel (Ldkr. Konstanz)
(© Autor: LUBW)

Am ehemaligen Steinbruch am Nordgipfel zeigen die Basaltsäulen in ihrer Anordnung auffällig unterschiedliche Ausrichtungen an. Im unteren Abbaubereich sind sie nahezu horizontal geneigt. Im Gipfelbereich dagegen stehen sie fast senkrecht an. Am Hohenstoffeln zeigen sich starke magnetische Anomalien wie auch am Katzenbuckel.

Während der Risseiszeit ragte der Hohenstoffeln als Nunatak aus dem Eis. Die nachfolgende Vergletscherung in der Würmeiszeit war nicht so ausgeprägt. Neben dem Hohenstoffeln ragte in dieser Zeit noch der Gipfel des Hohentwiel und des Hohenhewen aus den Eismassen. Am Ende Würmeiszeit floss das Schmelzwasser von den Bergen ab und füllte den heutigen Bodensee.

Auf den Felsen und Schutthalden des Hohenstoffeln leben heute artenreiche, wärmeliebende Pflanzengesellschaften. Naturschutzgebiet seit 1941.

 
Bild: Heidenhöhlen bei Überlingen, Molasse
Molassefelsen (Heidenhöhlen) bei Überlingen - Goldbach (Bodenseekreis)
(© LGRB, Autor: Bergner)

Die Heidenhöhlen bei Überlingen - Goldbach befinden sich in einer ca. 400 m langen und über 20 m hohen Felswand mit Steilabfall zum Bodensee. Die Reste der durch Menschen angelegten Höhlengänge werden im Volksmund auch als "Heidenhöhlen" bezeichnet.

Das als "locus typicus" geltende Aufschlussprofil zeigt massigen, weichen Sandstein, der das Mineral Glaukonit enthält und als sogenannte Heidenlöcher-Schichten den unteren Teil der Oberen Meeresmolasse (= tertiäre Schichtenfolge in der nördlichen Randsenke der Alpen) bildet. Die Gesamtmächtigkeit der Formation beträgt hier 65 bis 70 Meter.

Vor dem Bau der Eisenbahntrasse (Bodensee-Gürtelbahn) und der B 31 (alt) hatten die klippenartigen Felsformationen noch direkten Kontakt bis zur Uferlinie des Bodensees. Im Zuge der Baumassnahmen wurde der vordere Bereich der Felsen im Jahr 1895 komplett wegesprengt. Heute sind die Felsen als Naturdenkmal ausgewiesen und geschützt. Bis in das 16. Jh. befand sich vorort eine Brutkolonie des Waldrapps (Geronticus eremita).

Das Tertiär begann vor 65 Millionen Jahren am Ende der Kreidezeit und endete vor rund 2,6 Millionen Jahren. In diese geologische Epoche fällt die eigentliche Bildung des Oberrheingrabens. Die Absenkung der Oberrheinebene erfolgte sukzessive von Süd nach Nord. Beiderseits des absinkenden Grabens prägten sich die Gebirgsblöcke Schwarzwald und Vogesen heraus.

Mit Beginn des Oligozän (vor ca. 34 Millionen Jahren) erreichte ein von Süden eindringendes Meer den Oberrheingraben und drang nach Norden bis in die Hessische Senke vor, sodass letztendlich auch der Vordere Odenwald direkt daran angrenzte. Der flachgründige Meeresarm, der bereits im Miozän durch Sedimentation und Verdunstung wieder landfest wurde, hinterließ gewaltige Sedimentmassen. Im Miozän bildete sich darüber ein riesiger Süßwassersee aus, der im Laufe der Zeit ebenso verlandete.

An der Wende von Oligozän/ Miozän kam es in Süddeutschland zu einer Neubelebung der seit dem Rotliegenden ruhenden vulkanischen Aktivität. Bekannte Zeugen dieses Vulkanismus sind die bekannten Vulkanschlote des Kaiserstuhls, des Katzenbuckel (Neckar-Odenwald-Kreis) und des Steinsbergs (Kraichgau) sowie die Basaltschlote am Hohenstoffeln, am Wartenberg und am Hohenhewen und die vor ca. 10 Millionen Jahren entstandenen Phonolith-Berge Hohentwiel, Hohenkrähen und Mägdeberg (alle im Hegau, Ldkr. Konstanz).

Am Albtrauf (Ldkr. Esslingen) und auf der Schwäbischen Alb entstand der aus 356 Einzelschloten bestehende "Schwäbische Vulkan". Hierzu zählt u.a. das bekannte Randecker Maar und der Jusi.

Tertiäre Gesteine finden sich auch im Alpenvorland (z.B. in der Adelegg), zwischen Stockach und Ravensburg und am Bodensee. Auf der südöstlichen Abdachung der Schwäbischen Alb liegen sie zerstreut von Hochsträß bis Heidenheim unter geologisch jüngeren Schichten.

Die Untersuchung der magnetischen Effekte an Basalt führte Geologen zu der Beobachtung, dass sich in erdgeschichtlicher Vergangenheit die magnetische Polarität unseres Planeten von Zeit zu Zeit umgekehrt hat. Auch an den Basaltschloten des Katzenbuckel und des Hohenstoffeln zeigen sich nachweislich magnetische Anomalien. Durch Blitzeinschläge in das Magnetit-haltige Basaltgestein können sich die magnetischen Effekte deutlich verstärken, - durch Verwitterungsprozesse dagegen wieder abschwächen.

Außergewöhnliche Besonderheiten unseres Landes sind die Meteoritenkrater Steinheimer Becken und Nördlinger Ries. Sie wurden vor ca. 15 Millionen Jahren durch den Einschlag riesiger Kometen ausgesprengt. Beide Krater enthielten über lange Zeiträume Seen mit reichem Tier- und Pflanzenleben. Heute sind die Sedimente aus der Tertiärzeit teilweise wieder ausgeräumt.

Mit dem Ende der Kreidezeit und dem Aussterben der großen Reptilienarten beginnt im Tertiär das Zeitalter der Säugetiere. Am Ende des Tertiärs lebten schon die ersten Vorläufer des Menschen.