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Geotope im Neckarbecken
Hessigheimer Felsengärten (Ldkr. Ludwigsburg)
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Bild: Hessigheimer Felsengärten
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Die Hessigheimer Felsengärten, ein Prallhang des Neckars mit Felstürmen des Oberen Muschelkalks, die sich entlang von Klüften aus dem Verband gelöst haben und infolge des Absackens der unteren Schichten immer mehr talwärts neigen. Die Ursache ist die kontinuierliche Auslaugung der Salz- und Gipshorizonte durch das Flusswassers des Neckars.

Das milde Klima und die fruchtbaren Muschelkalkböden in bester Lage garantieren der Gemeinde Hessigheim Jahr für Jahr Spitzenweine, die regelmäßig prämiert werden. Die herausragenden Rebflächen der Region sind die hier abgebildeten terrassierten Steillagen im Bereich der Felsengärten.

 

Neckarbecken:
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Neckarbecken: Geologie und Landschaftsgeschichte

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Staubstürme und Meeressedimente

 
Bild: Lösswand Heilbronn
Lösswand bei Heilbronn-Böckingen
(© LUBW, Autor: Hartig)

Ein  Geotop mit eindrucksvollen Ausmaßen. Die Lößwand am Böckinger Wasserturm erreicht stellenweise eine Höhe bis zu 16 Meter. Der dunkelbraune Horizont stellt den fossilen Bodenhorizont einer interglazialen Warmzeit dar. Das Geotop ist frei zugänglich. Naturdenkmal.

 
Bild: Steinbruch im Schozachtal_2
Steinbruch im Schozachtal zwischen Ilsfeld und Talheim
(© LGRB, LUBW, Autor: M. Schöttle)
Die unteren drei Viertel der aufgeschlossenen Gesteinsschichten nehmen die vorwiegend dunkelgrauen Karbonatgesteine des Oberen Muschelkalks ein. Darüber folgt der Unterkeuper (Lettenkeuper). Der oberste Teil mit der schon weitgehend bewachsenen Böschung besteht aus Löss und Neckarschotter.
 
Bild: Kiesgrube Frankenbach
Kiesgrube Ingelfinger in den Frankenbacher Sanden (Kreis Heilbronn)
(© KIT, Autor: C. Düpmeier)

Die hohe Wand der ehemaligen Kiesgrube erschließt das mächtigste Quartärprofil im gesamten Regierungsbezirk Stuttgart. Die Hochterrassenschotter des Neckars liegen hier innerhalb der Heilbronner Mulde in ihrer maximalen Mächtigkeit vor. Über den Schottern lagern bis zu drei verschiedene Lößdecken. Die dunkelbraunen Horizonte in den Lößschichten stellen fossile Bodenhorizonte von interglazialen Warmzeiten dar.

Unter der Bezeichnung "Kiesgrube Ingelfinger" ist die Grube im Heilbronner Stadtteil Frankenbach seit 1927 bekannt. Mit Beginn der 1990er Jahre wird der Abbau eingestellt, inzwischen ist die Fläche ein bedeutendes Naturschutzgebiet im Regierungsbezirk Stuttgart.

Weite Teile des Neckarbeckens sind mit bis zu mehr als 10 Meter mächtigem, lockerem und stark kalkhaltigem Löss überdeckt. Das feine, sich mehlig anfühlende Material steht in krassem Gegensatz zu den harten Kalk- und Dolomitsteinen des Oberen Muschelkalks und den rasch wechselnden Mergel-, Dolomit- und Sandsteinen des Unterkeupers (Lettenkeupers), die das harte Fundament des Neckarbeckens bilden. Offene Felsen gibt es aber nur wenige. Welche Prozesse haben zur Entstehung und Verwitterung der Gesteine beigetragen? Außerdem finden sich immer wieder Reste alter Flussterrassen hoch über den heutigen Talsohlen. - Welche Veränderungen im Laufe der Erdgeschichte verbergen sich dahinter?

Das Ausgangsmaterial der Böden im Neckarbecken wurde stark von Prozessen während der Eiszeiten geprägt. Aus den damals vegetationsfreien Kies- und Sandterrassen des Oberrheins wurde mit starken Stürmen das Feinmaterial ausgeblasen und lagerte sich im Windschatten des Schwarzwalds und des Strom- und Heuchelbergs wieder ab. In den Randgebieten kam es bei nachlassender Lössanwehung schon während der Kaltzeiten zu einer Entkalkung und Umlagerung und so zur Entstehung des Lösslehms.

Unter der Einwirkung des Frostes verwitterten auch die Festgesteine bereits während des Eiszeitalters und wurden zerkleinert. Im Sommer taute der Dauerfrostboden in Oberflächennähe auf und bewegte sich als wassergesättigter Gesteinsbrei über dem noch gefrorenen Untergrund langsam hangabwärts. Die so entstandenen Deckschichten werden als Fließerden bezeichnet. Gleichzeitig erfolgte durch den Wechsel von Gefrieren und Wiederauftauen auch in ebenen Lagen eine Durchmischung des Materials.

Gegenüber dem Löss und den Terrassenschottern aus dem Eiszeitalter, das vor etwa 2,5 Millionen Jahren begonnen hat, sind die Gesteine des Oberen Muschelkalks und Unterkeupers bereits uralt. Sie stammen aus der Zeit um etwa 230 Mio. Jahre vor heute. Der ca. 90 Meter mächtige Obere Muschelkalk besteht aus den Ablagerungen am Grund eines warmen und eher flachen Meeres, was sich an den zahlreich erhaltenen Muscheln und anderen Fossilien erkennen lässt. Zur Zeit des Unterkeupers zog sich das Meer langsam wieder zurück. In verlandenden Seen setzte sich toniger, kalkhaltiger Schlamm ab, der heute die Ton- und Mergelsteine bildet. Flüsse lieferten gröberes Material für die Sandsteine.

In jüngerer Zeit greift der Mensch in die Entwicklung der Landschaft ein. Seit Beginn des Ackerbaus kommt es bei starken Niederschlägen auf Kuppen und Hängen immer wieder zum Abtrag von humosem Oberbodenmaterial. Besonders intensiv war diese Bodenerosion während des Hochmittelalters. Aber auch die heutige mechanisierte Intensivlandwirtschaft führt zu einem verstärkten Bodenabtrag. Die abgeschwemmten Bodenmassen kommen als Auenlehme in den Talauen wieder zur Ablagerung. So verstärken sich im Laufe der Zeit die Unterschiede zwischen den flachgründigen steinigen Standorten und den fruchtbaren tiefgründigen Böden.

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