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Graben-Neudorfer Bucht
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Graben-Neudorfer Moorgebiet
Niedermoor "Gradnausbruch" bei Hochstetten (Ldkr. Karlsruhe)
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Bild: Der Gradnausbruch bei Hochstetten
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Der "Gradnausbruch" nordöstlich von Hochstetten, zählt zu der einst weiträumigen Moorfläche um Graben-Neudorf. Es ist aus einer ehemaligen Flußschlinge des Rheins entstanden. Nach Rückzug des Rheins hat sich sich der Seitenarm im Laufe der Zeit mit Kalk und organischer Mudde gefüllt. Daüber lagerte sich stark zersetzter Schilf-Seggentorf, vereinzelt auch schwach zersetzter Laubmoostorf ab.

Früher wurde hier großflächig Torf gestochen. Heute ist der Gradnausbruch mit Erlen- und Pappelwald bestockt, in den ehemaligen Torfstichen dominieren Weidengebüsche sowie mächtige Schilfröhrichte. Erwähnenswert ist das Vorkommen von Cladium mariscus (Binsenschneide), einer wärmezeitlichen Reliktpflanze, die heute auf ganz wenige Fundorte in der Rheinebene beschränkt ist. Schutzgebiet.

Graben-Neudorfer Bucht:
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Übersicht

Graben-Neudorfer Bucht

 

Das Graben-Neudorfer Moorgebiet (Ldkr. Karlsruhe)

 
Bild: Graben-Neudorfer Moor
Graben-Neudorfer Moorgebiet, überdeckte Moorflächen
(© LUBW, Autor: Linnenbach)
Blick in nordwestliche Richtung auf die ehemaligen, teilweise durch landwirtschaftliche Nutzung überdeckten Moorflächen bei Graben-Neudorf. Die überdeckten Flächen dienten ursprünglich der Wiesennutzung, durch tiefgreifende Entwässerung kann inzwischen die Mehrzahl als Ackerfläche genutzt werden.
 
Bild: Moorflächen von Graben-Neudorf (Ldkr. Karlsruhe)
Verteilung und Mächtigkeit der mineralischen Deckschichten
(© Autor: LUBW)

Verteilung und Mächtigkeit der mineralischen Deckschichten im Moorgebiet von Graben-Neudorf.

Die Mächtigkeiten der mineralischen Deckschichten gliedern sich wie folgt:

  • dunkelbraun ca. 100 cm
  • mittelbraun: 40-100 cm,
  • hellbraun: 40 cm,
  • grün: keine Deckschicht 

 

Das Graben-Neudorfer Moorgebiet umfasst die Moorflächen zwischen den heutigen Ortslagen Liedolsheim, Graben, Neudorf, Huttenheim und Rußheim. Mit einer Fläche von etwa 573 ha war es ursprünglich das größte Niedermoor der badischen Oberrheinebene. In mehreren großen Schlingen hat hier der Rhein zahlreiche Buchten in die Niederterrasse genagt. Dabei verlagerte der Fluss im Laufe der Zeit mehrmals seinen Verlauf. Die so entstandenen Rinnen verlandeten nach dem Rückzug des Rheins, wurden aber zeitweise wieder durch Rheinhochwässer überschwemmt, sodass sich sukzessive wechselnde Schichten von Sand, Lehm und Ton ablagern konnten. Während der hochwasserfreien Zeiträume konnten Pflanzen aufwachsen, die beim nächsten Hochwassereinbruch wieder weggespült oder durch Schlamm verschüttet wurden. Die Torfmächtigkeit im Untergrund des Graben-Neudorfer Moorgebiets liegt heute stellenweise noch bei ca. 4 Meter (s. Fachliche Details).

Fast drei Viertel der Moorflächen tragen heutzutage eine mineralische Deckschicht. Diese stammt aber nicht vom Rhein, sondern aus den angrenzenden lößbedeckten Hügeln des Kraichgau. Sie wurde systematisch durch die Wiesenwässerung eingetragen. Bis um das Jahr 1925 wurde in den Mooren, als wirtschaftliche Alternative zur Wiesennutzung, Torf gestochen und bis nach Karlsruhe veräußert. Die aufgelassenen Torfstiche sind mittlerweile mit Erlen, Pappeln und Eschen aufgeforstet. Damit befinden sich heute ca. 360 ha Moorfläche unter Wald.

Der größte Teil der einst für Wiesen genutzten Flächen wird heutzutage nach einer tiefgreifenden, nachhaltigen Entwässerung als Acker- oder Siedlungsfläche genutzt. Weitere Moorflächen sind im Norden durch Kiesabbau verloren gegangen (z.B. am Hardtsee bei Huttenheim).

Seit 1989 sind die ökologisch wertvollen Restflächen als Naturschutzgebiet "Oberbruchwiesen"ausgewiesen. Zum Schutz der Wiesenvögel, darf das Dauergrünland hier nicht weiter umgebrochen und in der Zeit vom 01. April bis zum 30. Juni auch nicht gedüngt werden. Das Ausbringen von Gülle und Schwemmist im Schutzgebiet ist das ganze Jahr über verboten.

Mit der Ausweisungg des Naturschutzgebiets "Erlich" am Rand des Hochgestades bei Neudorf im Jahr 2003, konnten weitere Flächen des ehemaligen Moors gesichert werden. 2005 wurde ein Großteil der Graben-Neudorfer Bucht in das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000 (Gebietsnummer 6916-342) aufgenommen.