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Schwäbische Alb - Böden
Pararendzina aus Mergel- und Kalkstein des Oberjuras auf der Ostalb
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Bild: Pararendzina aus Mergelstein
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Pararendzina aus Mergel- und Kalkstein des Oberen Weißjura unter Wacholderheide.

Schwäbische Alb:
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Schwäbische Alb

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Böden der Ostalb

 
Bild: Felswand Galgenberg bei Steinheim am Albuch
Der Galgenberg bei Steinheim (Ldkr. Heidenheim)
(© LGRB, Autor: T. Huth)

Die Wegböschung am Galgenberg zeigt schräggestellte, teilweise zertrümmerte Kalksteine des Oberen Weißen Jura (Liegende Bankkalke) als Folge des Meteoriten-Einschlags im Steinheimer Becken vor ca. 15 Millionen Jahren. Der Galgenberg gehört zum östlichen Kraterrand des Steinheimer Beckens. Naturdenkmal.

 

 

 

 
Bild: Rauhe Wiese bei Böhmenkirch
Rauhe Wiese bei Böhmenkirch
(© LGRB, Autor: T. Huth)
Die Rauhe Wiese bei Bartholomä, eine der wenigen natürlichen Wasserflächen auf der Hochfläche der Schwäbischen Ostalb, entstand in dem hier sonst verkarsteten Untergrund über undurchlässigen Bohnerzlehmen. Es konnte sich dadurch eine Moorlandschaft (Hoch- und Niedermoore) mit typischen Bodenvergesellschaftungen (Moorböden, Gleye) und interessanten Pflanzengesellschaften entwickeln, die in der Flora der Schwäbischen Alb etwas ganz Besonderes darstellen. 

 

 
Bild: Wental südöstlich von Böhmenkirch
Wental südöstlich von Böhmenkirch (Ldkr. Göppingen)
(© LGRB, Autor: T. Huth)

Im Wental, einem Trockental zwischen Bartholomä und Steinheim am Albuch (Ldkr. Heidenheim), findet sich ein ausgedehntes Felsenmeer mit hohen, bizarren Felsformationen und diversen Kleinhöhlen im Dolomit der Massenkalkformation.

 

Feuersteine und Meteoriten

Die Hochebenen von Albuch und Härtsfeld stellen sehr alte Landoberflächen dar, die großräumig von Feuersteinlehmen (Ocker- und Rotlehmen) bedeckt sind. Diese Feuersteine blieben bei der Verwitterung mächtiger Oberjurakalkschichten (v. a. von Kieselknollenkalken) übrig, da sie der Erosion größten Widerstand entgegensetzen konnten. Durch Frostsprengung entstand daraus später ein kleinscherbiger Feuersteinschutt, der große Teile der östlichen Albhochfläche bedeckt. Es entwickelten sich kalkfreie, häufig stark versauerte Braunerden mit Tendenz zur Podsolierung. Aufgrund der stauenden Wirkung sind große Flächen pseudovergleyt.

Weitere Rückstände der Kalkverwitterung sind tonige Verwitterungslehme und -tone, deren z. T. tiefrote Färbung auf ein hohes (tertiäres) Alter und eine Bodenbildung unter tropischen Bedingungen (Terra rossa) hinweist. Diese Verwitterungsdecken aus lehmig-tonigen Böden mit unterschiedlich hohen Feuersteinanteilen plombieren das durch Bohrungen nachgewiesene sehr unruhige Relief des Oberjura im Untergrund und verursachen eine recht ausgeglichene Landschaftsoberfläche. Dort, wo diese Feuersteinlehme das Relief nicht bedeckten, bilden Oberjurakalksteine und -dolomitsteine das Ausgangsmaterial der Bodenbildung. Der Bogen dieser Bodenbildungen spannt sich von Felsköpfen und -durchragungen mit Rohböden über flachgründige Standorte mit Rendzina bis hin zu Terra-fusca aus Kalkverwitterungslehmen, häufig überlagert von lehmig-schluffigen Fließerden.

Weitere tertiäre Verwitterungsbildungen auf der Ostalb sind Bohnerze, die nach ihrer Bildung häufig in Mulden, Karstspalten oder Senken akkumuliert wurden, wodurch abbauwürdige Vorkommen entstanden. Diese Bohnerze, relativ hochwertige konkretionäre Eisenerze, wurden bereits von den Kelten verhüttet. In der Neuzeit bildete der Bohnerzabbau die Grundlage eines bescheidenen Wohlstands für die Albbevölkerung. Die ergrabenen Bohnerze wurden in vielen kleineren und größeren Hüttenwerken im Laucherttal, bei Wasseralfingen und anderenorts ausgeschmolzen. Zahlreiche Bohnerzgruben, vor allem auf der Heidenheimer Alb, zeugen auch heute noch von dieser Tätigkeit.

Aufgrund der abdichtenden Wirkung ausgedehnter Feuersteindecken kam es stellenweise zu Vermoorungen, von denen die Rauhe Wiese bei Böhmenkirch, ein tief entwickeltes Hochmoor mit Niedermoorrändern, in der sonst stark verkarsteten Alb etwas Besonderes in geologischer, bodenkundlicher aber auch botanischer Hinsicht ist.

Im jüngeren Tertiär kam es durch den Einschlag zweier Meteoriten im Nördlinger Ries und im Steinheimer Becken zu gewaltigen, katastrophalen Auswirkungen auf die damalige Alb. Eine völlig zerstörte Landschaft, tief zerrüttete und umgelagerte Gesteinsschichten, gänzlich neue, glasähnliche Gesteinsbildungen wie der bekannte Suevit waren die Folge. In den bald wassergefüllten Einschlagskratern bildeten sich in der Folgezeit mächtige Seesedimente, aus denen bis heute lehmig-tonige Bodenbildungen (Parabrauenerde, Pseudogley u. a.) hervorgingen.