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Schwäbische Alb
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Schwäbische Alb - Böden
Pararendzina aus Mergel- und Kalkstein des Oberjuras auf der Ostalb
(Element 1 von 23: Bild)
Bild: Pararendzina aus Mergelstein
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Pararendzina aus Mergel- und Kalkstein des Oberen Weißjura unter Wacholderheide.

Schwäbische Alb:
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Schwäbische Alb

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Böden der südöstlichen Flächenalb

 
Bild: Flächenalb bei Ulm TBp1
Ackerbaulich genutzte Lösslehmböden auf der Flächenalb nordwestlich von Ulm
(© LGRB, Autor: W. Krause)
Auf der in 600-700 m NN gelegenen Flächenalb im Raum Ulm sind fruchtbare, steinfreie Lehmböden verbreitet (Parabraunerden). Sie sind aus Lösslehm entstanden, der z. T. über 1 m mächtig sein kann. Der Anstieg im Hintergrund, bei Dornstadt-Temmenhausen zeigt den Übergang zur Kuppenalb (Klifflinie).
 
Bild: Boden aus tertiären Molassesedimenten TBq39
Boden aus tertiären Molassesedimenten
(© LGRB, Autor: S. Frisch)
Diese Braunerde-Pararendzina an einem Steilhang bei Ehingen-Altsteußlingen zeigt  den für die Molassesedimente typischen Wechsel verschiedener Substrate an. Unter einem kalkreichen Ton mit stark  schwankendem Steingehalt lagert graues sandiges Material. Den entkalkten obersten 30 cm ist möglicherweise Lösslehm beigemischt.

Wo die Alb sich bedeckt hält

Mit der Auffaltung der Alpen einhergehend begann sich im Oligozän vor ca. 35 Mio Jahren nördlich der Alpenfront ein bis zu 5000 m tiefes, schmales, trogförmiges Becken zu bilden. In dieses sog. Molassebecken wurden die Abtragungsprodukte der kontinuierlich aufsteigenden Alpen geschüttet. Je nach Verbindung zum offenen Meer herrschten dabei marine Bedingungen oder limnische Verhältnisse mit Süßwasser.

Im Bereich der Schwäbischen Alb hat das wassererfüllte Molassebecken randlich immer wieder auf das angrenzende Festland übergegriffen und seine Ablagerungen hinterlassen. Bei den Sedimenten der Süßwassermolasse handelt es sich neben Tonen und Mergeln überwiegend um weiße Süßwasserkalke. Die Untere Süßwassermolasse hat das damalige Flachrelief der Alb unter sich begraben und konserviert.

Am Südrand der Alb treten die Süßwasserkalke im Tautschbuch und Landgericht zwischen Riedlingen und Ehingen landschaftsbildend auf. Die vorherrschenden Böden sind hier grusige, flach- bis mittelgründige Rendzinen mit schwarzem, humusreichem Oberboden.

Ein kräftiger Meereseinbruch vor etwa 20 Mio Jahren führte zu einem Vordringen des Meeres bis weit auf die Albtafel, wodurch die Sedimente der Süßwassermolasse z. T. wieder beseitigt wurden. Die Meeresmolasse selbst hat vergleichsweise nur wenige Ablagerungen hinterlassen. An der nördlichen Küstenlinie entstand im Brandungsbereich eine markante Steilküste, die sich heute noch stellenweise als sog. Klifflinie verfolgen lässt. Im Pliozän erfolgte schließlich eine tektonische Hebung und pultartige Schiefstellung der Albtafel, mit der Folge, dass der nordwestliche Teil der Alb stärker exponiert wurde und nachfolgend das typische Relief der Kuppenalb durch Erosion entstand.

Der südöstliche Teil der Alb wurde dagegen weit weniger stark durch die Abtragung überprägt, weshalb sich Reste der alten Flächenlandschaft erhielten. Zusammen mit der geringeren Höhenlage waren so die Voraussetzungen gegeben, dass während der Kaltzeiten des Pleistozäns die Ablagerung von durch den Wind antransportiertem Lösslehm stattfinden konnte, der v. a. auf der Ulmer Alb großflächig auftritt. Nach dem Ende der letzten Kaltzeit vor ca. 10 000 Jahren bildeten sich in den Lösslehmen fruchtbare, tiefgründige Parabraunerden, die bei geringer Lösslehmmächtigkeit örtlich von Terra fusca unterlagert werden. Aufgrund der günstigen Bodenverhältnisse waren die mit Lösslehm bedeckten Bereiche der Flächenalb schon seit dem Auftreten der ersten Bauern in Südwestdeutschland vor etwa 7 500 Jahren besiedelt. Die seit langem andauernde ackerbauliche Nutzung und die dadurch begünstigte Bodenerosion hat dazu geführt, dass außerhalb von Waldinseln der 40–50 cm mächtige tonarme Oberboden der ursprünglichen Parabraunerden selten vollständig erhalten ist. Seine Reste finden sich meist nur noch im Pflughorizont. Das abgeschwemmte Bodenmaterial sammelte sich in Senken und Muldentälern zu meist tiefgründigen, schluffreichen Kolluvisolen.

Eine Besonderheit der Flächenalb ist, dass sich stellenweise unter den Sedimenten der Süßwassermolasse Relikte roter bis violetter, sehr alter tropischer Böden finden lassen, welche die intensive Verwitterung während der Festlandperiode zwischen dem Trockenfallen der Juraablagerungen und der Molassezeit widerspiegeln.