Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg
Umweltinformationssystem BW
Jura
Karte
Kartenlegende
Wählen Sie aus:
Suche
Suche in …
Jura - Höhlen in Baden-Württemberg
Gundershofer Höhle (Alb-Donau-Kreis)
(Element 1 von 30: Bild)
Bild: Gundershofer Höhle
Erstes Element Vorheriges Element Bild vergrößern Nächstes Element Letztes Element
Die ca. 11 m tiefe Durchgangshöhle (Breite ca. 2-4 m, Höhe bis ca. 3 m) quert einen am linken oberen Talhang der Schmiech ca. 500 m nordwestlich Gundershofen gelegenen Felsriegel. Dieser verläuft etwa senkrecht zum Hang und endet unten mit einem durch eine breite Kluft isolierten Felsenturm. Für die Öffentlichkeit zugängliche Höhle.
Jura:
Weitere Informationen
 

Jura: Höhlen

 

Karsthöhlen in Baden-Württemberg

Bild: Felsgruppe Hohlenstein mit Bärenhöhle
Felsengruppe Hohlenstein mit Bärenhöhle (Alb-Donau-Kreis)
(© Autor: M. Schöttle)

Der Hohlenstein bei Asselfingen im Lonetal.

Der Hohlenstein ist eine aus Massenkalk des Weißen Jura ζ bestehende Felswand am rechten Hang des Lonetals, ca. 2,5 km von Asselfingen. Innerhalb der Felsgruppe befinden drei archäologisch wichtige Höhlen,

  • die Bärenhöhle
  • der Stadel
  • die Kleine Scheuer

Die Bärenhöhle ist davon die längste Höhle mit 60 m und einer Breite von 6 m. Der Stadel ist die größte und schönste Höhle im Lonetal mit ca. 50 m. Beide Höhlen sind nach ca. 10 – 20 m durch Eisengitter verschlossen.Bei der Kleinen Scheuer handelt es sich um ein Felsdach.

Die drei Höhlen, insbesondere der Stadel sind archäologisch sehr bedeutsam. Vom Stadel stammt die bekannte Skulptur eines aus Mammutelfenbein geschnitzten Löwenmenschen – Alter ca. 30 000 Jahre. Das Original ist im Ulmer Naturkundemuseum zu besichtigen.

Die Knochenreste eines Neandertalers, Werkzeuge und Scherben von der Altsteinzeit bis in die römische Zeit belegen die jahrtausend alte Besiedlungsgeschichte dieser Höhlen. Neben den anthropogenen Funden konnten zahlreiche Tierknochen geborgen werden, darunter über 100 Bärenschädel. Kulturgeschichtlich wertvolles Naturdenkmal.

Höhlen als Einstieg in eine dunkle und unbekannte Welt haben Menschen schon immer in den Bann gezogen. Zunächst dienten sie als Wohn- und Lebenstätte frühzeitlicher Menschen, ab dem Mittelalter als Rückzugsgebiet für gesellschaftliche Randgruppen wie Kranke, Kriminelle (Räuber) und politisch oder religiös Andersdenkende (Aufständige, Eremiten). In unseren Tagen stellen viele Höhlen interessante und beliebte Erlebnisorte für den Tourismus dar.

Baden-Württemberg ist reich an Höhlen. Ihre überwiegende Zahl befindet sich im Bereich der Schwäbischen Alb. Die meisten Höhlen sind als sog. Karsthöhlen entstanden, also durch die kontinuierliche Auflösung des Jura-Kalksteins durch eindringendes Regen- bzw. Sickerwasser. Aus dem klassischen Karstgebiet des Weiß-Juras sind derzeit rund 2000 Höhlen bekannt. Verbreitungsschwerpunkte liegen dabei auf der Mittleren Alb sowie auf der Ostalb.

Als Höhle werden Gesteinshohlräume ab einer Länge (Tiefe) von 5 m definiert. Dies entspricht dem allg. internationalen Standard. Das Höhleninnere ist charakterisiert durch eine Kombination abiotischer Faktoren, die Höhlen von anderen Lebensräumen unterscheiden:

  • Höhlen sind lichtlos. Deshalb können in ihnen keine grünen Pflanzen wachsen und damit keine Primärproduktion von organischer Substanz stattfinden.
  • Höhlen sind keine autarken Biotope. Ihre Lebensgemeinschaften sind auf die ständige Energiezufuhr von außen in Form von organischer Substanz angewiesen.
  • Höhlen haben eine hohe Luftfeuchtigkeit. Sie liegt außer in Höhlen mit ausgeprägten Luftströmungen bei über 90 %.
  • Höhlen besitzen im Innern eine weitgehend konstante Temperatur. Sie entspricht dem Jahresmittel der umliegenden Landschaft.

Die wissenschaftliche Erkundung und Erschließung von Höhlen begann auf der Schwäbischen Alb Anfang des 19. Jh., - u.a. mit der Bärenhöhle bei Sonnenbühl-Erpfingen im Landkreis Reutlingen. Besonders bekannt sind die Laichinger Tiefenhöhle (Alb-Donau-Kreis), der Blautopf in Blaubeuren (Ldkr. Ulm) und die Vogelherdhöhle im Lonetal (Ldkr. Heidenheim). Aus den vier Höhlen Hohlenstein, Vogelherd, Geißenklösterle und Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb stammen die ältesten, bisher bekannten Kunstwerke und Musikinstrumente der Welt! Diese faszinierenden Schnitzereien wurden fast ausschließlich aus Mammutelfenbein hergestellt und sind zwischen 35.000 und 40.000 Jahre alt. Die bislang mit etwa 30 cm Höhe größte aller eiszeitlichen Figuren ist der Löwenmensch aus dem Hohlenstein-Stadel im Lonetal bei Asselfingen.

Höhlen, Grotten und Bergwerke unterliegen dem Bergrecht, hier in Baden-Württemberg dem Landesamt für Geologie, Rohstoffe und Bergbau in Freiburg (i.Br). Darüberhinaus sind diese Karsterscheinungen Zeugen der Erdgeschichte und damit als naturgeschichtliche Urkunde gesetzlich geschützt.