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Carl-Ludwig-See
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Carl-Ludwig- See einst und heute
Seebachschleuse am Alten Kraichbach
(Element 1 von 14: Bild)
Bild: Hockenheimer Rheinniederung (Rhein-Neckar-Kreis)
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Die 1842 erbaute Seebachschleuse westlich von Hockenheim. Bis auf die erneuerten Schleusenbretter befindet sich die Anlage noch im Originalzustand.

Carl-Ludwig-See:
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Entstehung und geschichtliche Entwicklung

Die Niedermoorfläche Carl-Ludwig-See liegt in einer ehemaligen Flusschlinge des Rhein südlich von Ketsch und stellt ein typisches Verlandungsmoor dar. Im 13. Jahrhundert legten Mönche des Zisterzienser-Ordens hier in der vermoorten Senke mehrere  Fischteiche an. Unter dem Kurfürst Ludwig IV. (1576-1583) wurden dann die einzelnen Klosterteiche zu einem größeren Weiher geflutet. Eigens für diesen Zweck wurde ein neuer Bachlauf geschaffen, der westlich von Hockenheim vom Kraichbach abgezweigt und aufgestaut wurde. Ein weiterer Regulierungskanal vom See zum Rhein (Stranggraben) wurde ebenfalls erforderlich. Darüberhinaus wurde auch der Leimbach angezapft, wofür man einen Kanal von rd. 9 km Länge quer durch den Hardtwald bis nahe Nussloch aushob. Dies bewirkte gleichzeitig eine gewisse Hochwassersicherheit für das Schwetzinger Schloss und seinen Garten.

In der Folgezeit wurde der See, der zunächst noch "Ludwig-See" hieß, nach dem Dreißigjährigen Krieg unter Kurfürst Carl-Ludwig (1617-1680) wieder instandgesetzt und erweitert. In seiner wirtschaftlichen Blütezeit betrug die Gesamtfläche je nach Wassereinstau um die 1,75 km2. Die Erträge an Fischen und Krebsen waren laut urkundlicher Erwähnung beachtlich. Sogar Wasserschildkröten - wahrscheinlich die Europäische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) - kamen häufig in den Handel.

Zahlreiche Anwohner der angrenzenden Dörfer wie Schwetzingen, Ketsch, Hockenheim, Oftersheim, Sandhausen, und Reilingen wurden verpflichtet in Fronarbeit die baulichen Anlagen des Carl-Ludwig-Sees zu pflegen und alle sechs Jahre die Ufer des zufließenden Kraichbachs von der Vegetation zu befreien. Als Gegenleistung für ihre Frondienste erhielten sie das Recht im herrschaftlichen Forst (Hardtwald) Waldweide und Streunutzung zu betreiben. Die Streunutzung der Anrainer wurde 1785 in der sog. Hardtwaldordnung nochmals manifestiert. Sie behielt bis 1974 ihre Gültigkeit.

Bild: Carl Ludwig See historische Karte
Carl-Ludwig-See, Karte von 1753
(© Verlag regionalkultur, Autor: Cyriak Blödner)

Die historische Landkarte im Maßstab von etwa 1 : 130 000 wurde im Jahr 1753 im Verlag Homanns Erben herausgegeben. Sie basiert auf Cyriak Blödner, Kartograph des kaiserlichen Heerführers Prinz Eugen. Die Geländeaufnahmen fanden bereits während des polnischen Erbfolgekrieges (1733 - 1735) statt. Die Karte stellt das Territorium des Bistums Speyer und dessen angrenzende Gebiete dar. U. a. gut erkennbar, der damals noch existente Carl-Ludwig- See (hier als "Ludwigs-See" bezeichnet), südlich von Ketsch. Noch im Jahr Jahr 1735 - unmittelbar gegen Ende des polnischen Erbfolgekrieges - wurden Brücken und Wehre des Sees gegen die von Philipsburg heranrückenden Franzosen gesprengt. Als die obige Karte 1753 zur Drucklegung kam, waren die ausgedehnten Wasserflächen des Carl-Ludwig-Sees schon nicht mehr vorhanden.

Die Genauigkeit dieser Landkarte ist selbstverständlich nicht mit den heutigen Karten zu vergleichen. Dennoch vermittelt sie einige interessante Eindrücke über die damalige geografische und politische Situation der Kurpfalz.